Wie man Frauen für einen Job begeistert? Dieser Top-Headhunter verrät es

Sucht man einen Headhunter im Private Equity Bereich, dann landet man schnell bei Rupert Bell. Auch die bekannte Multi-Aufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner vertraut dem gebürtigen Engländer bei Recruiting-Themen. Wir haben mit Rupert Bell darüber gesprochen, was es braucht um Frauen für eine Position zu begeistern und warum er Frauen und Männer unterschiedlich auf Interviews vorbereitet.


Rupert Bell ist seit 11 Jahren bei der Headhunting Firma PER, aktuell als Director für den DACH-Bereich.
Rupert Bell ist Director für den DACH-Bereich bei der Headhunting Firma PER.

Herr Bell, Sie sind als Headhunter im Private Equity Bereich tätig, einer Domäne, die noch immer stark männlich geprägt ist. Warum ist das so?

Ich glaube, genau das ist die Sorge, nämlich, dass die Branche stark von Männern dominiert wird und den Ruf hat, mit einem Familienleben unvereinbar zu sein. Viele sagen sich: ‚Wenn ich 10 Jahre lang schufte und dann mit Mitte 30 eine Familie gründen will, was bringt es mir, wenn ich diese Karriere dann aufgeben muss?‘


Ist es denn so?

Es gibt inzwischen viele Private Equity Unternehmen, in denen man Arbeit und Familie gut miteinander vereinen kann. Dieses alte Modell, bei dem die Mitarbeiter:innen wie Sklav:innen behandelt werden, hat ausgedient. Die jüngere Generation will so nicht mehr arbeiten. Sie sind sich bewusster, dass das Leben kurz ist, und räumen ihrer Gesundheit und Dingen außerhalb der Arbeit einen höheren Stellenwert ein. Sie sind nicht mehr bereit, alles aufzugeben. Arbeitgeber:innen erkennen diesen Wandel und passen sich entsprechend an, um am Ende der ‘employer of choice’ zu werden.


Wie einfach ist es als Frau in den Private Equity Bereich zu kommen?

Ich mache oft Witze darüber, dass es in der Geschichte der Unternehmensfinanzierung nicht viele Zeiten gab, in denen es ein Vorteil war, eine Frau zu sein. Aktuell ist es das. Wenn Sie gut sind und als Frau im Private Equity Bereich arbeiten wollen, wird sich der Markt auf Sie stürzen. Unsere Kund:innen, die mit Recruiting-Wünschen zu uns kommen, sagen oft ausdrücklich dazu, dass für die Stelle eine Frau bevorzugt wird. Manchmal sagen sie es auch etwas mehr durch die Blume: ‚Wir hätten gerne ein diverses Feld an Kandidat:innen‘. Vor allem die amerikanischen Firmen haben große Angst davor, diskriminierend zu erscheinen. Wir als Headhunter:innen müssen dann zwischen den Zeilen lesen.


Geben Sie Frauen bei Vorstellungsgesprächen andere Tipps als Männern?

Eigentlich nicht. Die größere Arbeit passiert tatsächlich im Vorfeld, also, bevor das Jobinterview stattfindet. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Frauen und Männer da ganz anders auf Angebote reagieren. Wenn wir einen jungen Mann anrufen und ihm sagen, dass wir eine tolle Chance haben, wird er in der Regel an seinem Schreibtisch sitzend ans Telefon gehen und ziemlich laut sprechen, damit auch alle seine Kolleg:innen von seinem Angebot hören. Er geht davon aus, dass er gut genug für den Job ist und wird einem Gespräch oft direkt zustimmen. Bei einer Frauen braucht es im Schnitt acht Versuche, bis sie überhaupt auf eine E-Mail antwortet, geschweige denn einen Anruf von uns annimmt.


"Bei einer Frau braucht es im Schnitt acht Versuche, bis sie überhaupt auf eine E-Mail antwortet, geschweige denn einen Anruf von uns annimmt." - Rupert Bell

Spannend. Warum denken Sie ist das so?

Wir kennen die Antwort nicht, aber ich denke, es hat etwas mit Bescheidenheit, Demut, Loyalität dem aktuellen Arbeitgeber gegenüber oder auch mit der Konzentration auf den aktuellen Job zu tun – höchst wünschenswerte Qualitäten für Arbeitgeber:innen. So hatten wir zum Beispiel vor ein paar Monaten ein Gespräch, in dem eine Frau sagte‚ sie sei sehr beschäftigt und müsse ein wichtiges Projekt für einen Kunden fertig machen. In vier Monaten könne sie gerne mit mir telefonieren. Die weiblichen Bewerberinnen sind häufig sehr fleißig und professionell. Aber sie wollen sich eben nicht unbedingt nach dem Zeitplan unserer Kund:innen richten, die oft eine Short List bis morgen wollen. Es braucht Zeit, das nötige Vertrauen aufzubauen. Möchte man gute Frauen rekrutieren, braucht das Geduld.


Sie sind seit 11 Jahren beim Headhunting-Spezialisten PER tätig und haben seitdem tiefe Einsichten in den Venture-Capital-Bereich. Was denken Sie, wie werden die nächsten fünf bis zehn Jahre aussehen?

Früher waren es in erster Linie die großen Unternehmen, zu denen junge Talente strömten. Aber es gibt immer mehr kleine Unternehmen in dem Bereich, mehr Diversifikation. Ich denke, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Zudem glaube ich, dass es mehr Spezialisierung geben wird. Früher war man schon ein Experte zum Beispiel im Gesundheitswesen, wenn man einmal ein Geschäft in dem Bereich getätigt hat. Aber um bessere Entscheidungen treffen zu können, werden Venture-Capital-Firmen mehr und mehr auf echte Expert:innen setzen. Das ist eine große Chance für Quereinsteiger:innen.


"Das entscheidende Skill-Set wird soft sein." – Rupert Bell

Was sind wichtige Skills, die man als Investor:in braucht?

Natürlich braucht es zunächst die Basics. Also das Wissen, wie man Finanzprojekte managet oder mathematische Modelle aufsetzt. Aber es geht nicht nur darum. Ich glaube, dass Einfühlungsvermögen, Bescheidenheit, Kreativität und die Fähigkeit, langfristige Beziehungen aufzubauen kritische Skills für Investor:innen sind. Wenn man ein Unternehmen kauft, ist es beispielsweise wichtig, den Eigentümer:innen ein:e gute:r Partner:in zu sein, selbst wenn man die volle Kontrolle über das Unternehmen übernehmen will. Das entscheidende Skill-Set wird soft sein.


Die Qualitäten, die Sie beschrieben haben, klingen wie Qualitäten, die man oft als „weiche“ oder gar „weibliche“ Qualitäten bezeichnet.

Das ist richtig. Und das ist ein weiterer Grund, warum es mehr Frauen in dem Bereich braucht. Bei Unternehmen werden es diejenigen mit einer starken Kultur und starken Werten sein, die gewinnen werden. Und unter Investor:innen diejenigen mit ausgefeilten Soft Skills. Ich will damit nicht sagen, dass die harten Fähigkeiten nicht mehr wichtig sind. Das sind sie. Aber letztendlich geht es immer um Menschen, die mit Menschen Geschäfte machen.