Fängt jemand neu in einem Unternehmen an, tun wir oft so, als wäre alles rein geschäftlich. Wir unterstellen einen einfachen Tauschhandel: Ab jetzt gibt es Arbeit gegen Geld, Leistung gegen Gehalt. Und damit ist alles geklärt.
Dabei übersehen wir, dass es neben dem offiziellen Arbeitsvertrag immer noch eine Art unsichtbare Abmachung gibt, die zwar nie unterschrieben wird, aber jeden Tag zählt: den psychologischen Vertrag.
Unsichtbar, aber entscheidend
Dieser psychologische Vertrag meint all die Dinge, die zwar nicht schriftlich festgehalten sind, aber trotzdem wichtig und entscheidend dafür sind, ob eine Zusammenarbeit langfristig für beide Seiten funktioniert. Dazu gehören Wertschätzung, Vertrauen, Fairness, die Chance zur Weiterentwicklung, Zugehörigkeit und der Sinn der Arbeit.
Er beantwortet Fragen wie:
- Werde ich hier als Mensch gesehen oder nur als Rädchen im Getriebe?
- Kann ich mich einbringen, wachsen, auch mal Fehler machen?
- Zählt, was in meinem Leben passiert, oder nur meine Job-Rolle?
Dieser psychologische Vertrag bestimmt,
- wie motiviert wir sind,
- wie loyal wir bleiben
- und ob wir bereit sind, uns mehr als nur „das Nötigste” einzubringen.
Arbeit ist wie eine Beziehung, kein einfacher Tauschhandel
Ob dieser psychologische Vertrag erfüllt wird, merken wir selten im normalen Alltag. Es sind eher die emotionalen Momente, die uns klar machen, dass ein psychologischer Vertrag, wie ein unsichtbares Band im Raum existiert.
In den sogenannten “Moments that Matter” oder “Moments of Truth” stellen wir fest, ob der psychologische Vertrag und somit unsere Erwartungen an diese Beziehung erfüllt werden. Das sind Situationen, in denen klar wird, wie sehr die Werte des Arbeitgebers (oder auch der Führungskraft) mit den eigenen übereinstimmen.
Das kann zum Beispiel eine Situation sein, in der ich als Arbeitnehmer:in Unterstützung benötige. Wenn ich statt Verständnis nur ein „Dafür gibt es keine Ausnahme” bekomme, ziehe ich etwas vom sozialen Konto ab. Häufen sich diese Momente der Wahrheit, gerät das Konto und damit die Beziehung in Schieflage. Irgendwann bricht der psychologische Vertrag, weil die Vertragsbestandteile nicht eingehalten wurden.
Momente, auf die es ankommt: Wenn der Vertrag platzt
Wenn der psychologische Vertrag einmal gebrochen ist, führt das selten sofort zur Kündigung. Oft entsteht etwas, das gefährlicher und betriebsschädlicher ist: die innere Kündigung oder auch häufig als Quiet Quitting bezeichnet.
Die Personen bleiben zwar im Unternehmen. Aber sie ziehen sich innerlich oder auch emotional zurück. Sie machen nur noch Dienst nach Vorschrift. Und die emotionale Bindung geht leise verloren.