Führungsverantwortung: Diese drei Fehler sollte man vermeiden

Kolumne First-Time Leader | Wer das erste Mal eine Führungsrolle innehat, macht zwangsläufig Fehler. Aber es gibt Dinge, die man unbedingt vermeiden sollte. First-Time Leader Coach Katrin Grunwald teilt in ihrer 12. und letzten Kolumne noch einmal ihre Do’s und Don’ts für die ersten Monate als First-Time Leader.


Wer die Do's and Don'ts beachtet, hat es als First-Time-Leader leichter. Foto: Unsplash

Das sollten Sie tun:


1. Selbstreflektion

Auch diese Kolumne startet wieder mit dem eigenen Reflektieren vor dem Start: Welche Art von Führungskraft möchte ich sein? Von welchen bisherigen Führungs-Vorbildern in meiner Vergangenheit kann ich einzelne Verhaltensweisen abschauen beziehungsweise welches Verhalten fand ich schrecklich, dass ich so definitiv nicht mit meinem Team zusammenarbeiten möchte? Welche Werte sind mir wichtig in der Zusammenarbeit mit meinem Team und durch welche Taten kann mein Team sehen, dass ich diese Werte auch wirklich lebe? Die Antworten auf diese Fragen geben Ihnen ein besseres Selbstbild von sich als zukünftiger Führungskraft. Elemente dieser Reflektion können Sie auch gut bei Ihrer Vorstellung mit dem Team teilen!


2. Planung für den ersten Monat

Planen Sie im ersten Monat folgende Termine ein, um Ihr Team kennenzulernen: Ihre Vorstellung am ersten Tag, Kennenlerngespräche mit Ihren Teammitgliedern und Gespräche mit Ihrer Führungskraft sowie Kollegen. Dass Sie sich explizit Zeit nehmen für jede:n Einzelne:n wird sicher gut ankommen und ist eine wichtige Grundlage für Vertrauen und eine langfristig gute Zusammenarbeit. Weitere Tipps für die Vorbereitung und Durchführung der Gespräche gibt es in dieser Kolumne.


Jetzt geht es darum, Ihre Vision der zukünftigen Teamerfolge mit dem Team zu teilen und zu diskutieren.

3. Zuhören, Verstehen, Handeln

Im ersten Monat geht es darum, den Teammitgliedern zuzuhören und sie kennenzulernen. Auch Fragen wie „Welche Veränderungen würden Sie sich in der Zusammenarbeit im Team wünschen und was sollte auf alle Fälle so bleiben, wie es ist?“ sind eine Möglichkeit für Sie, mehr Infos über das Team zu bekommen. Im zweiten Monat geht es darum, Zusammenhänge besser zu verstehen: wie kommt es, dass bestimmte Prozesse und Arbeitsweisen so aufgebaut sind, wie sie sind? Vielleicht haben Sie schon im Kopf, das ein oder andere zu ändern im Team. Hier ist es jedoch sinnvoll, erstmal noch die Hintergründe besser zu verstehen. Auch als eine Art der Wertschätzung für das bisher Geleistete im Team ist es wichtig, nicht sofort von einem Tag auf den anderen alles zu ändern, ohne zu verstehen, was dahintersteckt.

Das Motto des dritten Monats ist dann „Handeln“. Inzwischen haben Sie sicher einen guten Einblick in die Zusammenarbeit im Team und auch die Performance der einzelnen Teammitglieder bekommen. Jetzt geht es darum, Ihre Vision der zukünftigen Teamerfolge mit dem Team zu teilen und zu diskutieren, um alle an Bord zu bekommen und gemeinsam Änderungen am Status quo anzugehen.


Das sollten Sie lassen:


1. Fokus nur auf den Inhalt

Wahrscheinlich nehmen inhaltliche Themen schnell nach Ihrem Antritt Fahrt auf. Hier ist es wichtig, nicht zu denken „Das ist inhaltlich so wichtig, mich hier einzuarbeiten. Das Team lerne ich einfach später kennen“. Das zeitliche Investment, gleich zu Beginn ein gutes zwischenmenschliches Verhältnis zum Team aufzubauen, wird sich später sicher auszahlen!


2. Angst zu haben, zu viel zu kommunizieren

Selten ist der Satz zu hören: „Ich wünsche, mein:e neue:r Chef:in kommuniziert weniger“. Sie können davon ausgehen, dass Ihre Teammitglieder Sie kennenlernen möchten und mehr darüber erfahren möchten, was Ihnen wichtig ist, Ihre Meinung etc. Daher vor allem am Anfang keine Scheu vor mehr Kommunikation und Austausch, als Sie vielleicht sonst haben würden!


Nachfragen und offen darüber sprechen, welche Art der Unterstützung Ihre Teammitglieder sich von Ihnen wünschen!

3. Davon ausgehen, dass alle sind wie man selbst

Von sich automatisch auf Andere zu schließen ist keine gute Idee. Zum Beispiel beim Thema Motivation: Vielleicht sind Sie selbst motiviert von Führungskräften, die Ihnen viel Freiraum gegeben haben und wollen dies dann auch ihrem Team ermöglichen. Allerdings kann es sein, dass das nach hinten losgeht, zum Beispiel wenn es Leute in ihrem Team gibt, die noch nicht so viel Erfahrung bei einer Aufgabe haben und eher davon motiviert sind, sich regelmäßig mit Ihnen auszutauschen und auch klare Inputs von Ihnen zu bekommen. Hier gilt es nachzufragen und offen darüber zu sprechen, welche Art der Unterstützung Ihre Teammitglieder sich von Ihnen wünschen! Ich hoffe, dass diese sechs Tipps das Bild nochmals rund gemacht haben, wieviel man als First-Time Leader eigentlich in der Hand hat für einen erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle. Mit einem Mix aus Reflektieren, Planen und Dinge ausprobieren fahren Sie sicher gut und ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude dabei!


Über die Autorin:

Katrin Grunwald ist Teamentwicklerin und Coach für First-Time Leader. Als Gründerin der Beratung „The Globe Team“ in München begleitet sie angehende Führungskräfte bei einem erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle und Teams weltweit dabei, besser zusammenzuarbeiten. Sie teilt in ihrer Kolumne konkrete Tipps und Tricks aus ihrer Erfahung in europäischen Konzernen, Start-Ups, Regierungsorganisationen und NGOs. Für alle, die auf dem Sprung in die erste Führungsrolle und darüber hinaus sind.