CO2-Reduktion an den Bonus koppeln

Kolumne: Nachhaltigkeit | Als Unternehmerin weiß ich: Was wir nicht messen können, können wir nicht managen. Für genau diesen Zweck gibt es die so genannten KPI, die Key Performance Indicator. Sie dienen als Maß, um zu messen, wie gut wir unsere Unternehmensziele erreichen. Um die Zukunft unseres Planeten zu managen, müssen wir also zuerst einmal messen, welche Auswirkungen unser Handeln hat.


Windenergie als CO2-freundlichere Alternative (Symboldbild)

Der CO2-Fußabdruck ist für uns als Menschheit in diesem Jahrhundert die wichtigste KPI. Laut einer Umfrage der Vereinten Nationen (UN) und Accenture aus dem Jahr 2019 sind 71% der CEOs der Meinung, dass die Wirtschaft – bei verstärktem Engagement und Handeln – eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung spielen kann. Und das zeigt sich auch in ihren Taten: Immer mehr Unternehmen definieren ihre Klimaziele und rücken Klimaschutz in den Fokus. Globale Player wie Google, Ikea oder Microsoft haben im vergangenen Jahr ihre Klimaaktivitäten sogar noch mal verstärkt und sind echte Vorbilder im Corporate Klimaschutz. Und ich glaube, dass das, was diese Pioniere momentan machen, in einigen Jahren die Norm sein wird: Unternehmen werden ihren CO2-Fußabdruck genau so selbstverständlich messen und managen wie ihre finanziellen KPIs.


Klimaschutz als Business Case


Jedes Unternehmen hat einen messbaren CO2-Fußabdruck. Sobald dieser ermittelt ist, können Vorstände die Reduzierung des Fußabdrucks zu einer Kennzahl für ihre Organisationen machen und diese regelmäßig tracken und reporten lassen. Der CO2-Fußabdruck wird somit zur KPI. Auf Basis einer Klimastrategie werden Ziele definiert, die es zu erreichen gilt. Die Ziele können unternehmensübergreifend definiert und dann auf einzelne Bereiche heruntergebrochen werden. Wichtig ist, dass realistische und zugleich ambitionierte Maßnahmen zur Reduktion definiert werden. Mit dem sogenannten „internal carbon pricing“ wird dann intern pro Tonne CO2 ein Preis gesetzt. Auf dieser Basis erhält jede/r Manager:in für den eigenen Fachbereich ein CO2-Budget, mit dem er oder sie haushalten muss, immer mit dem Ziel: je mehr CO2 eingespart wird, desto besser.


So wird es für C-Level Executives in Zukunft auch selbstverständlich sein, über den CO2-Fußabdruck genauso zu sprechen wie über den Umsatz. Und auch in Einkaufs-Entscheidungen wird dieser neben Preis und Qualität ein entscheidender Faktor sein.


CO2-Emissionen werden an den Bonus gekoppelt


Ein weiterer logischer Schritt ist dann, die Auszahlung der Boni von Manager:innen an die Reduktion des Fußabdrucks zu hängen. Und nicht nur auf Management Ebene, sondern auch bei Mitarbeiter:innen-Boni. Je mehr Menschen im Unternehmen aktiv an der Reduktion der CO2-Emissionen mitwirken, desto effektiver kann diese umgesetzt werden.


Das Konzept, die CO2-Reduktion an Boni zu koppeln, kann allerdings nur dann funktionieren, wenn diese einen signifikanten Anteil ausmachen. Das wahrscheinlich prominenteste Beispiel in diesem Kontext liefert Blackrocks Larry Fink, der nun schon einigen Managern die Entlastung verweigert hat, die ihre Ziele nicht erfüllt haben.

Diese Entwicklungen sind spannend, wichtig und richtig. Und genau so sehen das auch Banken und Investoren, die Klimaneutralität zunehmend als Proxy für umsichtiges Wirtschaften verstehen. Wer es schafft, über die eigene Nasenspitze hinauszuschauen, einige Jahre in die Zukunft zu denken und die Auswirkungen des eigenen Handelns auf den Planeten zu sehen, dem traue ich auch zu, ein Unternehmen durch alle anderen Herausforderungen zu navigieren.


Über die Autorin:

Anna Alex ist Serial Entrepreneurin und CCO des Startups Planetly, das Firmen das nachhaltige CO2-Management erleichtert. Web: www.planetly.org


Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 03/2021. Die gesamte Ausgabe können Sie als Einzelausgabe hier kaufen.