Karen Falenius

vor 19 Tagen

4 Min. Lesedauer

Präsenzpflicht im Büro: "Ein Schlag ins Gesicht für alle Mütter"

Gastartikel | Menschen, die im Homeoffice arbeiten, sind unwichtig? Das sagte zumindest Trigema-Chef Wolfgang Grupp kürzlich in einem Interview. Und tatsächlich gibt es immer mehr Unternehmen, die zur Präsenzpflicht in Büros zurückkehren. Das erschwert allerdings unter anderem die Carearbeit, die vorrangig von Frauen getragen wird. Warum mehr Flexibilität am Arbeitsplatz nicht nur für Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch für Unternehmen von Vorteil sein kann, erklärt Karen Falenius, Senior Director of International Growth bei Remote, in diesem Gastartikel.

Präsenzpflicht im Büro: "Ein Schlag ins Gesicht für alle Mütter"
Präsenzpflicht im Büro: "Ein Schlag ins Gesicht für alle Mütter"

Carearbeit wird immer noch überwiegend von Frauen geleistet. Damit ist nicht nur die Kinderbetreuung gemeint, sondern auch die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger. Wenn Unternehmen nun dazu übergehen, ihre Mitarbeiter:innen wieder ins Büro zu beordern oder sie gar, wie Trigema-Chef Wolfgang Grupp, abzuwerten (er sagte in einem Interview mit dem Tagesspiegel „Wenn einer im Homeoffice arbeiten kann, ist er unwichtig“), wird der mühsame Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit noch schwieriger.

Präsenzpflicht nimmt wieder zu

Doch Grupp ist nicht der einzige, der seine Mitarbeiter:innen am liebsten im Büro sieht. Selbst viele große Technologie-Unternehmen wie Zoom setzen wieder verstärkt auf Anwesenheitspflicht. In meinen Augen ist das vor allem für Frauen und Menschen, die Carearbeit leisten, ein Schlag ins Gesicht.

Dabei führt gerade mangelnde Flexibilität dazu, dass Personen, die Carearbeit leisten, ihre beruflichen Tätigkeiten nicht mehr im gewünschten Umfang oder gar nicht mehr ausüben können. Ganz zu schweigen davon, dass sie von den vielen Vorteilen, die die Arbeit im Homeoffice mit sich bringt, nicht mehr profitieren können.

Mangelnde Flexibilität am Arbeitsplatz hat Folgen

Unternehmen sollten daher darüber nachdenken, ihren Beschäftigten mehr zeitliche und räumliche Freiheiten einzuräumen. Studien der Böckler-Stiftung zeigen, dass vor allem Frauen von einem Recht auf flexible und ortsungebundene Arbeit profitieren würden. Zum einen könnten sie in Teilzeit so mehr arbeiten, was sich auf den finanziellen Wohlstand und auch die Alterssicherung auswirkt. Zum anderen bieten flexiblere Modelle Frauen bessere Karrierechancen, da Arbeit und Privatleben besser vereint werden können und das eine dem anderen nicht übergeordnet stehen muss.

Doch gerade sie befinden sich in einer schwierigen Situation: Laut einer DGB-Umfrage haben Teilzeitbeschäftigte seltener die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. Dabei sind meistens Teilzeitstellen von Frauen besetzt, was bedeutet, dass Frauen seltener von zu Hause arbeiten können als Männer.

"Mit einem Recht auf flexible und ortsungebundene Arbeit könnten Frauen in Teilzeit mehr arbeiten, was sich auf den finanziellen Wohlstand und auch die Alterssicherung auswirkt."

Remote Work: Diese 3 Vorteile sollten Unternehmen kennen

Doch nicht nur Frauen können von mehr Flexibilität am Arbeitsplatz profitieren. Auch für Unternehmen und damit für die gesamte Volkswirtschaft ist diese Option positiv. Und zwar aus folgenden Gründen:

Für mich steht fest: Remote Work funktioniert – sehr gut sogar. Die positive Nachricht ist, dass es inzwischen viele großartige Beispiele von Unternehmen gibt, die Remote Work erfolgreich etabliert haben. Davon können auch andere Unternehmen lernen, die sich für mehr Flexibilität und damit für mehr Geschlechtergerechtigkeit einsetzen wollen.

Über die Autorin:

Karen Falenius ist seit Oktober 2021 als Senior Director of International Growth für das Unternehmens-wachstum von Remote verantwortlich. Dabei setzt sie vor allem auf agile Teamarbeit im Remote-Konzept. Zuvor war die Marketingexpertin bei der F-Secure Corporation tätig, zuletzt als Leiterin für Growth Marketing der Corporate Business Unit. Insgesamt verfügt Karen über rund 13 Jahre Marketing-Erfahrung.

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