Noemi Eggenberger

vor 12 Tagen

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Ghosting im Job: Macht man das jetzt so?

Wenn jemand plötzlich nicht mehr antwortet, nennt man das Ghosting. Viele kennen das vom Dating. Unternehmerin Noemi Eggenberger erlebt Ghosting inzwischen auch im Job – und findet es respektlos, wie sie in ihrem Gastbeitrag für STRIVE Online schreibt.
Ghosting im Job: Macht man das jetzt so?
"Geschäftsbeziehungen sind auch Beziehungen. Sie basieren auf Kommunikation, Vertrauen und ja, auch auf Anstand", sagt Eggenberger | Foto: Nora Brumm/foundbyheart

Ghosting ist ein Phänomen, das wir aus der Dating-Welt nur zu gut kennen. Plötzlich hört die Kommunikation auf und man fragt sich, was schiefgelaufen ist. Aber kennt ihr Ghosting auch schon im Business-Kontext? 

 

Manchmal fühle ich mich wie in einer schlechten Dating-Show. Nicht bei "Der Bachelor" oder "Love Island", nein, eher wie bei "Die Geister der Geschäftswelt". Es scheint, als ob wir eine neue Form von Dating-Erfahrung machen – diesmal mit Kund:innen und anderen Menschen, mit denen wir im Job zu tun haben. 

Ein kurzes Feedback ist doch nicht zu viel verlangt!

Stellt euch vor: Ihr seid voller Tatendrang, taucht in ein erstes Gespräch ein, die Energie matcht, die Möglichkeiten scheinen endlos. Ihr investiert Zeit, Kreativität und sogar ein zweites Gespräch. Ihr habt eine großartige Konversation, der Kunde ist anscheinend begeistert: "Ja, das klingt super. Wir melden uns bald." Und dann... das große Schweigen. Keine Rückmeldung mehr. Nicht einmal nach dem charmanten zweiten Follow-up per E-Mail. Nichts. Nada. Niente. Ihr beginnt euch zu fragen, ob euer E-Mail-Posteingang von Geistern heimgesucht wird, die jede Antwort verschlucken. Ist das das neue Ghosting?

 

Wir alle kennen das. Geschäfte laufen nicht immer wie geplant, und das ist völlig in Ordnung. Kein Budget? Kein Problem! Eine Absage? Überhaupt kein Weltuntergang. Aber ein einfaches Feedback? Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder? 

Geschäftsbeziehungen sind auch Beziehungen

Geschäftsbeziehungen sind auch Beziehungen. Sie basieren auf Kommunikation, Vertrauen und ja, auch auf Anstand. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich finde, ein wenig Respekt und Dankbarkeit verdient jeder, der seine Zeit und Energie in ein Projekt steckt. 

| Foto: Nora Brumm/foundbyheart

 

Es ist fast schon absurd, dass wir im Jahr 2024 über so etwas wie "Business-Etikette" sprechen müssen. Wir leben in einer Welt, in der es Apps gibt, die uns daran erinnern, genug Wasser zu trinken, aber anscheinend brauchen wir auch eine App, die uns daran erinnert, höflich zu sein und auf E-Mails zu antworten. 

 

In einer Welt, die immer digitaler wird, sollten wir nicht vergessen, dass hinter jeder E-Mail ein Mensch steht. Ein wenig Freundlichkeit und Respekt kann da viel bewirken. Und wer weiß, vielleicht begegnet ihr diesem „geghosteten“ Kontakt eines Tages wieder. Dann wäre es doch schön, wenn man sich in die Augen sehen könnte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

 

Am Ende des Tages zählt, wie wir miteinander umgehen. Freundliche Worte und klare Kommunikation sind die Grundlagen für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen und ein harmonisches Miteinander. Lasst uns deswegen gemeinsam dafür sorgen, dass Ghosting da bleibt, wo es hingehört: in Geistergeschichten und nicht in unseren E-Mail-Postfächern und am besten auch in keiner Dating-App. 

 

 

Zur Person

Noemi Eggenberger ist Gründerin und Inhaberin der Schweizer Marketing-Agentur "Sinnfluencers".

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