Warum wir nicht alles alleine schaffen müssen

What's your Story | Christine Theodorovics ist Mitglied im Europäischen Management Team der AXA Gruppe. Sie war bereits in drei Ländern in der Vorstandsetage tätig und blickt auf eine ausgeprägt internationale Karriere zurück. Außerdem setzt sich für Diversität & Inklusion ein und unterstützt die Sichtbarkeit sowie die Stimmen von Frauen. Mit uns spricht sie über ihre Visionen und Learnings, sowie ihren größten Fehler.

Christine Theodorovics st Mitglied im Europäischen Management Team der AXA Gruppe

Frau Theodorovics, was ist Ihr Job, wie und mit was beeinflussen Sie die Ausrichtung Ihres Unternehmens? Ich bin Chief Strategic Development Officer, und Mitglied des Europäischen Management Teams. Meinen Job verstehe ich in erster Linie als Sparringspartnerin der CEOs. Das bedeutet, dass ich diese bei der Entwicklung und Implementierung der Strategie von Anfang an unterstütze und aktiv mitgestalte. Außerdem habe ich einen Zuständigkeitsbereich über drei Länder, bei denen ich auch AXA als Shareholderin in den diversen Aufsichtsräten vertrete. Der Job ist sehr international, vielfältig und mit einem hohen Maß an Verantwortung, was ich sehr schätze.


Was muss eingetreten sein, damit Sie sagen Sie waren erfolgreich? Wenn durch positives Engagement aller und in guter Teamarbeit die gemeinsamen Ziele erreicht werden, war ich, meiner Auffassung nach, erfolgreich. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass Ziele nur erreicht werden können, wenn Visionen auch aktiv gelebt werden.


Was ist Ihre Vision für Ihr Unternehmen? Eine Versicherung schützt. Das ist das Grundprinzip. Bei AXA ist unsere Purpose: “Act for human progress by protecting what matters”- das treibt mich an. Vor allem in den Bereichen ESG, Digitalisierung sowie Diversität & Inklusion stehen wir noch vor großen Herausforderungen. Unsere Aufgabe besteht darin, sich rechtzeitig und proaktiv mit diesen relevanten Themen auseinander zu setzen.


Wie würde Ihr Team Sie beschreiben? Meine Kolleg:innen beschreiben mich als aktiv, ehrlich und authentisch. Das sind auch alles Eigenschaften, die mir viel bedeuten.


Wann haben Sie Mal „nein“ gesagt? Als ich z.B. die Niederlassung in Singapur aufgebaut habe. Mir wurde danach die Leitung dort angeboten, aber gemeinsam mit meinem Partner habe ich mich letzten Endes dagegen entschieden.


Was sind die ersten drei Dinge, die Sie im Büro (oder Home-Office) machen? Wenn ich im Home-Office bin, dann starte ich meinen Tag oft mit einer Yoga-Session oder ich gehe laufen. Danach schmeckt der Kaffee noch besser und der Computer lässt sich geschmeidiger hochfahren, um die ersten Mails zu checken. Sport erdet mich und macht den Kopf frei.


Was hat Sie fachlich am meisten erstaunt? Die Vielseitigkeit der Versicherungsbranche hat mich wirklich überrascht: Sie ist nicht nur sehr spannend, sondern vor allem extrem vielseitig und facettenreich. Bei Versicherung denkt man oft zuerst vor allem an Versicherungsvertreter:innen, aber in der Branche steckt so viel mehr.


Was war die größte Herausforderung, die Sie dabei überwinden mussten? Bei der ersten CEO-Position musste ich mir in sehr kurzer Zeit die technischen Kompetenzen aneignen, um entscheidungsfähig zu sein. Damals habe ich viele Stunden mit Aktuar:innen und Versicherungsmathematiker:innen verbracht.


Was hat Sie auf Ihrem Weg bisher immer weitergebracht? Meine uneingeschränkte Neugier, Offenheit und mein proaktives Verhalten. Hinzukommt die Freude, neue Herausforderungen anzunehmen und es fällt mir leicht, mich auf neue Realitäten und ein unbekanntes Umfeld einzulassen. Das ist ein großer Vorteil in meinem Bereich.


Was werten Sie als Ihren größten Erfolg? Für mich ist alles ein Erfolg, wenn es meinem Team und mir gelingt, die gewünschten Ziele zu erreichen, und zwar auf faire Art und Weise. Ein persönlicher Erfolg ist für mich, dass ich es immer geschafft habe, trotz meiner anspruchsvollen Karriere, mein Privatleben zu erhalten - mit ausgleichenden Interessen und natürlich auch Freunden und Familie.


Was war der größte Fehler, den Sie während Ihrer Karriere gemacht haben? Zu Beginn meiner Karriere war ich fest davon überzeugt, dass ich alles alleine schaffen muss. Dass ich nicht um Hilfe oder Unterstützung fragen sollte. Erst als ich begonnen habe, um Rat zu fragen, habe ich gemerkt wie offen Kolleg:innen sind und wie gerne sie ihr Wissen teilen. Hinzukommt kommt: Wenn man als Team Visionen erfolgreich realisiert, kann man auch den Erfolg teilen. Das ist ein gutes Gefühl.


Welche drei Apps sind am nützlichsten für Ihren Job? Pre COVID auf jeden Fall: Die App «Wallet» für meine Boarding Pässe und die Wetter App, damit meine Koffer immer richtig gepackt sind. Jetzt sind es auf jeden Fall Teams, OneDrive und seitdem ich wieder mehr unterwegs bin auch die COVID Vac App.


Wie organisieren Sie sich und Ihre To-Dos? Ganz klassisch: Mit täglichen To-Do-Listen in einem eigenen kleinen Heft für private als auch berufliche To-Dos, das ich immer bei mir habe. Ich notiere mir hier auch spontane Ideen oder schreibe mir selbst Reminder.


Wenn Sie eine Zeitreise zu Ihrem 20-jährigen ich machen könnten, welchen Karrieretipp würden Sie sich geben? Sei mutig und schöpfe deine Möglichkeiten aus – vor allem in jungen Jahren! Nimm neue Herausforderungen an. Wenn du die Möglichkeit hast, ins Ausland zu gehen, nutze sie und sammle dort so viele Erfahrungen wie du nur kannst. So frei und unabhängig wie mit 20 ist man nie wieder. Außerdem hätte ich mir geraten, sehr früh und sehr viel in Yahoo und Bitcoin zu investieren.


Was ist der beste Tipp, den Sie je bekommen haben? Der beste Tipp kam definitiv von meinem ersten Chef: Lasse dich niemals von Titeln, Positionen oder dem Alter einschüchtern. Am Ende kochen alle nur mit Wasser.


Was ist Ihr Tipp für Verhandlungen? Ganz grundsätzlich: Weich im Ton. Hart in der Sache. Eine Eigenschaft, die mir als Wienerin glaube ich ziemlich liegt. Und auch ganz wichtig: Genau Zuhören und das Gegenüber und den Standpunkt gut versuchen zu verstehen.


Welches Buch hatte am meisten Einfluss auf Ihre Karriere? Das war auf jeden Fall „Riding the Wave of Nations” von Fons Trompenaars und Charles Hampden-Turner. Das Buch hat mein Verständnis für die unterschiedlichsten Kulturen und deren individuellen Verhaltensweisen extrem geprägt.


Haben Sie Vorbilder? Ein Vorbild im klassischen Sinne habe ich nicht, eher ist es so, dass mich immer wieder ganz unterschiedliche Leute in verschiedenen Bereichen und Situationen beeindrucken. Mich interessiert ganz konkret, wie sie schwierige Situationen für sich lösen oder mit Herausforderungen umgehen.


Vielen Dank fürs Gespräch, Frau Theodorovics.