Stopp mit der Selbstsabotage

Gastbeitrag | Wer kennt das nicht: Schon bei Kleinigkeiten im Alltag fällt uns Veränderung schwer – oder funktioniert gar nicht. Wie erst kann ich dann meine großen Herzensanliegen umsetzen? Wie kommt es, dass wir trotz all der Bemühungen und guten Vorsätze scheinbar immer wieder an uns selber scheitern? Muss das so sein? Transformations-Coach Elke Sander sagt: Nein!


Selbstsabotage kann uns im Alltag stark behindern (Symbolbild)

Es gilt ein paar Zusammenhänge unseres Gehirns und unserer Psyche zu verstehen, um selber an Steuer zu kommen. Zum Fahrtraining und als Navi unterstützen uns Achtsamkeit und leicht anwendbare Übungen im Alltag. Parallel zeigen die ersten kleinen Schritte, was bereits alles in uns steckt und ermutigen uns zu ersten Sprüngen. Wann ist ein guter Zeitpunkt damit anzufangen? Wie immer: am besten JETZT!


Achtung Selbstboykott: Die Geschichten, die wir uns über uns selber erzählen

Und spätestens jetzt setzen sie ein: erst eine innere Stimme, dann die nächste, bis wir uns in einem Chorkonzert befinden: Dafür bist du nicht gut genug! In dem Bereich kennst du dich doch gar nicht aus! Dafür bist du jetzt zu alt! Selbständig machen mit deinem mathematischen Loch im Kopf? Wer bezahlt das Studium der Kinder? Was werden deine Mitarbeiter/Chef:in/Partner:in/Freunde etc. sagen? Wer kennt sie nicht, die Tyrannen im Kopf, die erst Ruhe geben, wenn auch der letzte Funke Mut erloschen ist? Das schlimme daran ist, dass Gedanken nicht nur unseren Kopf blockieren, sondern viel tiefer in unseren Alltag und unsere Veränderungsfähigkeit eingreifen. So auch mir passiert: Jahrelang habe ich über die Schließung meiner Agentur nachgedacht, aber den Schritt nie gewagt. Erst als alle Lämpchen auf rot umgesprungen waren und ich nicht mehr wegschauen konnte, habe ich mich Anfang 2020 gen kühnen Absprung katapultiert. Aber warum fällt uns Veränderung so schwer?


Woher kommen diese inneren Widersacher und sind sie für irgendetwas gut?

Bei diesen inneren Stimmen, u. a. auch Glaubenssätze genannt, handelt es sich um alte Überzeugungen, die wir im Laufe des Lebens über uns und die Welt gesammelt haben. Entstanden sind sie durch bewusste und unbewusste Erfahrungen, über Werte unserer Familie, unseres Umfelds, der Gesellschaft etc. Ein Großteil davon stammt aus der Kindheit und Jugend, einige sogar aus den ersten Monaten, was es besonders schwierig macht sie zu erinnern. Der Interpretation des Erlebten entspringen Glaubenssätze darüber, was wir nicht dürfen, niemals können, nicht verdient haben, woran wir schuld sind, wie wertvoll oder -los wird sind. Daraus entsteht eine oftmals unbewusste, emotionale Kodierung, die uns bis ins Erwachsenenalter begleitet und sich weiterhin wie die ultimative Wahrheit anfühlt. Diese Überzeugungen haben uns in jungen Jahren vor negativen Sanktionen durch unsere Umwelt bewahrt, soziale Integration ermöglicht oder in extremen Fällen sogar das Überleben gesichert. Auch wenn seitdem viele Jahre vergangen sind, greift unser Mechanismus aus automatisiertem Selbstschutz weiterhin darauf zurück. Sind wir dem für alle Zeit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert? Nein, das sind wir nicht!


Stop mit dem Selbstboykott – wie Veränderung gelingen kann

Auch wenn die alten Überzeugungen über eine ganze Klaviatur an Erscheinungsformen verfügen, können wir unsere Wahrnehmung ihnen gegenüber schärfen und ihnen dadurch ihr Druckpotenzial nehmen. Also aufgepasst wie sich Selbstboykott im Alltag oft äußert und Sie ihn ggfs. sogar noch vorantreiben:


Glaubenssätze: Achten Sie auf plötzlich auftauchende negative Einstellungen gegenüber und Aussagen zu dir. Hinterfrage Sie indem Sie hinein fühlen: „Ist das wirklich wahr?“, „Gibt es Situationen oder Personen, in/mit denen es sich schon anders verhielt?“ etc.


Opferhaltung: Auf den ersten Blick kann sie als der einfachere Weg erscheinen, da man ja keine Schuld hat, einem die Hände gebunden sind, selber an der Situation nichts verändern kann etc. Leider nehmen Sie sich damit auch jede Möglichkeit für Veränderung. Also schauen Sie hin und suchen Sie den kleinen, ersten Schritt, den Sie doch bereits gehen können.


Die Geschichten, die wir uns über uns selber erzählen: Oftmals werden wir mit einer detaillierten Erinnerung an ähnliche Versuche in der Vergangenheit, schlimmste Zukunftsprognosen, das Schicksal von Kollege XY eingelullt und niedergeschmettert. Achtung, auch hier geht es nicht um die ultimative Wahrheit, sondern um einen von vielen Gedankenläufen. Machen Sie bewusst, was dahinter steht und entziehen Sie den Geschichten Ihre Aufmerksamkeit.


Das innere Drama: Alte Glaubenssätze tauchen oftmals im tosenden Drama und mit einem großen Sog auf. Da ist richtig was los, dem kann man sich nur schwer entziehen. Achtung also: Wo großes Drama und ein Gefühl von „ich muss“, „jetzt sofort“, „nur das ist die Lösung“ u. ä. aufkommt, genau hinschauen, wer da spricht?!


Urplötzliche, negative Stimmungsschwankungen: Vor kurzem noch alles im grünen Bereich doch plötzlich und ohne besondere Vorkommnisse geht stimmungsmäßig die Welt unter? Forschen Sie nach, welche alte Überzeugung hier unbemerkt eingeschlagen hat. Lassen Sie sie ziehen und befähigen Sie sich somit zu weiterem Handeln in Ihrem Sinn – und zu guter Laune.


Negative Selbstkonditionierung durch Sprache: Achten Sie darauf, wie Sie mit sich und über sich selbst sprichen. Pflegen Sie ein liebevolles, wertschätzendes Vokabular? Wenn Sie es sich nicht selber wert sind, sich gut zu behandeln, wie soll dann Gutes von außen kommen? Außerdem sabotiert negative Sprache permanent Ihre Stimmung und nimmt Ihnen somit Mut und Kraft für Veränderung.


Wert- & Zielkonflikte: Sie haben ein Ziel vor Augen, aber immer wieder bekommen Sie Druck von innen, dass doch anderes viel wichtiger ist, Sie im Leben doch eigentlich X oder Y erreichen wollten. Machen Sie einen Status quo Abgleich mit sich hinsichtlich Ihrer heutigen Werte & Ziele. Was sind wirklich die Ihres erwachsenen Ichs? Welche sind die Übernommenen und nicht mehr Zutreffenden Ihrer Sozialisation, sprich Kindheit, Eltern etc.?


Gehen Sie auf los & probieren Sie es selber aus: Weitere Hilfestellung für den Changeprozess

Das sind nur einige der Erscheinungsformen unseres Selbstboykotts, aber arbeiten Sie konsequent an ihnen, tut sich ein ganz neues Handlungsspektrum auf, das Veränderung möglich macht! Wie können Sie Ihren Weg zusätzlich stützen? Anbei erste Stichworte, Vertiefungen finden Sie in Coachings, der Literatur oder in meinem Blog exit-blog.com


Meditation ist ein guter Weg, Ihnen Ihre permanenten inneren Stimmen gegenüber klarer zu werden und zu lernen, sie zu lenken – ja, das geht nämlich!


Positive Affirmationen: Sie haben sich negative Glaubenssätze geschaffen, warum sollte Ihnen das Ganze nicht in Form von positiven Affirmationen gelingen? Üben Sie sie regelmäßig und legen Sie damit neue neuronale Vernetzungen.


Ressourcen-Check: Trauen Sie sich einen Status quo zu all Ihren Fähigkeiten und dem zu, was Sie noch lernen möchten. Sie werden erstaunt sein, was Sie alles schon auf der Habenseite haben und wozu Sie das befähigt! Kleiner Tipp: nehmen Sie eine weitere Person hinzu. Sie hat meistens einen breiteren, großzügigeren Blick auf Sie.


Aufbau von Resilienz: Beschäftigen Sie sich mit Möglichkeiten, Ihre Resilienz aufzubauen und somit die Fähigkeit, auch schwierige Situationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu bestehen und an ihnen zu wachsen.


Was kann Ihnen im schlimmsten Fall passieren? Fragen Sie sich das, wann immer im Innen ein NEIN aufkommt. Beim genauen Hinschauen wird oft aus dem Elefanten eine Mücke und dann …:


… trauen Sie sich in Bewegung zu kommen! Schon erste, kleine Schritte schaffen neue, positive Erfahrungen, die die Grundlage für den nächsten Abschnitt des Weges bilden.


Last but not least: Letztendlich gehört immer eine große Portion Mut dazu – der größte wohl sich endlich anzunehmen mit all dem Wundervollen, das Sie ausmacht, all Ihren Fähigkeiten. Und wer sich raus wagt, macht sich angreifbar, aber da ist so viel, was Ihnen das Leben noch schenken will und was Sie der Welt zu geben haben. Trauen Sie sich: Springen Sie ab und haben Sie Mut zu sich selbst!


Über die Autorin:

Nach gut 20 Jahren Beratung der internationalen Filmbranche hat Elke Sander den Absprung ins Neue gewagt. Inspiriert von ihrem eigenen Changeprozess und dem Weg dorthin, hat sie nun die multimediale Plattform und Initiative „EXit! – Vom Aussteigen, Umsteigen und Mut zu Dir selbst!“ ins Leben gerufen: www.exit-blog.com. EXit! macht Mut zu Veränderung und vermittelt Know-how zu allen wichtigen Phasen des Changeprozesses. Die Vision von EXit! ist es, Menschen zu motivieren ihren ganz eigenen Weg zu entdecken und sich zu erlauben ihn auch wirklich zu gehen. Dabei liegt der Fokus auf Chancen und Möglichkeiten, dem Herausführen aus dem Grübeln, hin gen Bewegung und schrittweisen Umsetzung des Neuen im Hier und Jetzt. Am Start sind bereits der EXit! Blog und Podcast, Networkingfunktionen, Video-Tutorials und Webinare sind in Arbeit.