Habt keine Angst vor Fehlern!

Micha Fritz ist Mitgründer von Viva con Agua, einer internationalen Organisation, die sich weltweit für den Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt.

Er ist aber vor allem Konzeptionsaktivist und Freies Radikal, er lebt soziales Engagement, zeigt Haltung und ist der Meinung, dass es in der heutigen Zeit überhaupt keinen Sinn mehr macht, etwas zu gründen, das keinen Impact oder gesellschaftlichen Mehrwert hat. Welche Lehren er aus der Gründung von Viva con Agua vor 15 Jahren gezogen hat und wie er es heute angehen würde, das erzählt er in drei Teilen in dieser Kolumne.

Micha Fritz ist Mitgründer von Viva con Agua. Die Organisation setzt sich seit 15 Jahren dafür ein, Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen.

Im ersten Teil hatte ich schon darauf hingewiesen mit dem Zitat des alten Beckett, an dieser Stelle wiederhole ich es nochmal, weil es so wichtig ist: Habt keine Angst vor Fehlern, zweifelt nicht zu viel. Ich weiß, das lässt sich einfach sagen, wenn man ein soziales Unternehmen mit aufgebaut hat, das nach den bekannten (und öffentlichkeitswirksamen) Kriterien als erfolgreich gilt. Und es entspricht auch nicht der Mentalität aller Gründer:innen und Initiator:innen. Es hilft aber trotzdem.

Von unseren Rückschlägen und Fails hat kaum jemand etwas mitbekommen, weil sie nicht populär wurden (weil sie ziemlich mies waren), aber es gab sie zahlreich. Erinnert sich jemand an die Idee, auf Festivals nicht bloß Pfandbecher zu sammeln, sondern auch Müll? Genau. Über die ersten Projektreisen nach Äthiopien reden wir besser auch nicht. Und obwohl wir (vor allem auch ich persönlich) schon so manchen Bock geschossen haben, haben wir uns 2010 nicht davon abbringen lassen, den Grundstein für das erfolgreiche Social Business Viva con Agua zu legen: Die Gründung der Wasser GmbH, die heute jedes Jahr dutzende Millionen Flaschen Mineralwasser unter die Leute bringt und als „flüssiger Flyer“ dient, wurde von erheblichen Widerständen und Bedenken begleitet. Doch wir waren schon damals sicher: Wenn es schief geht, stehen wir wieder auf. Fehler und Scheitern gehören dazu. Klar, ist nie geil, aber es hilft schonmal zu versuchen, darüber zu lachen – und es dann besser zu machen.


Holt euch Unterstützung Auch Unwissenheit ist vollkommen okay. Am Anfang hatte ich keinen Plan von nichts. Also von wirklich nichts. Wie treffe ich den richtigen Ton in Mails? Wie schreibe ich Projektpläne? Wie strukturiert man Prozesse? Wie führt man Mitarbeiter*innen, wenn man mit sich selbst nicht klarkommt? Wie zieht man Grenzen? Wo endet Arbeit, wo beginnt das Privatleben? Wie soll unsere Arbeitskultur sein? Die Fragen ändern sich mit der Zeit, Unwissenheit wird in gewissem Maße immer bleiben. Wir freuen uns darüber, denn was wir nicht wollen: aufhören zu lernen.


Wie funktioniert das am besten? Indem man Sachen ausprobiert, sich voll reinhaut und sich das Wesentliche selbst beibringt. Und wie funktioniert es am allerbesten? Indem man sich Unterstützung sucht und mit Leuten spricht, die sich auskennen. Bei uns war es das Start-Social-Programm, das uns am Anfang aufs Gleis gesetzt hat. Obwohl wir erst gar nicht wussten, was das genau ist, kamen wir unter die Top 100 – und gewannen ein Coaching. Damals war ich noch keine 25, ich wusste natürlich nicht, wie man ein Unternehmen führt, welche Prozesse es da gibt und wie man das strukturiert. Und damals gab es kein Social Business, das wir uns als Vorbild hätten nehmen können. Es gab noch nicht mal einen Namen dafür. Die Unterstützung von einer kompetenten Stelle war buchstäblich Gold wert.

Also: macht euch schlau, was es so gibt an Anlaufstellen. Hier eine erste, unvollständige Liste:

· Förderdatenbank des Bundes https://www.foerderdatenbank.de

· Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland https://www.send-ev.de/positionen

· Social Venture Fund https://ananda.vc

· Bon Venture https://bonventure.de

· Ashoka https://www.ashoka.org/de-de

· Schwab Stiftung www.schwabfound.org

· Reset https://reset.org/green-impact-finance

· Die Social Entrepreneurship Akademie (SEA) https://seakademie.org

· Social Impact Start https://socialimpactstart.eu

· Social Impact Lab Frankfurt https://frankfurt.socialimpactlab.eu

· Social Impact Lab Stuttgart https://stuttgart.socialimpactlab.eu/

· Social Impact Lap Leipzig https://leipzig.socialimpactlab.eu/


Über Micha Fritz

Micha Fritz ist Mitgründer von Viva con Agua, einer internationalen Organisation, die sich weltweit für den Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt. Er ist aber vor allem Konzeptionsaktivist und Freies Radikal, er lebt soziales Engagement, zeigt Haltung und ist der Meinung, dass es in der heutigen Zeit überhaupt keinen Sinn mehr macht, etwas zu gründen, das keinen Impact oder gesellschaftlichen Mehrwert hat. Welche Lehren er aus der Gründung von Viva con Agua vor 15 Jahren gezogen hat und wie er es heute angehen würde, das erzählt er jeden Monat in dieser Kolumne.


Über das Buch:

Diese Kolumne ist inspiriert von dem Buch „Water is Life – 15 Jahre Viva con Agua“. Darin geht es um die Grundlage allen Lebens: Wasser. Um gemeinwohlorientiertes Wirtschaften, Aktivismus und: um ein paar unkonventionelle Tipps für den Start eines eigenen Projekts, die Micha Fritz an dieser Stelle in erweiterter Form vorstellt.

In dem Buch erzählen außerdem prominente Unterstützer wie Bela B, Clueso, Carolin Kebekus, Max Herre und Joy Denalane, Bosse oder Fynn Kliemann in Gastbeiträgen, was sie mit Viva con Agua verbindet. Aufgeschrieben hat das Ganze der Journalist und Romanautor Friedemann Karig. Das Buch gibt es u.a. im Shop der Millerntor Gallery.


Über Viva con Agua:

Viva con Agua ist eine gemeinnützige Organisation, die weltweit Wasserprojekte finanziert und sich für den Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Menschen einsetzt. Darüber hinaus fördert Viva con Agua soziales Engagement und motiviert Menschen sich an einem Prozess positiver und nachhaltiger Veränderungen zu beteiligen. Du möchtest VcA unterstützen? Mehr unter www.vivaconagua.org