Grenzen setzen: 8 Tipps, mit denen es klappt

Gastbeitrag | Der Spagat zwischen Karriere und Privatleben ist oft nur mit großer Anstrengung zu bewältigen. Damit diese nicht allzu belastend wird, ist es wichtig, vorher Grenzlinien zu ziehen. Wie das geht, erklärt Ihnen Melanie Lohmann, psychologische Beraterin und Hypnose-Coach in ihrem Gastbeitrag.


Grenzen zu ziehen ist vorallem für die psychische Gesundheit wichtig (Symbolbild)

Feierabend bedeutet für viele nicht, dass sie nach Hause kommen und dann Zeit für sich oder die Familie haben. Da sind noch Mails, die beantwortet werden müssen, das Geschäftshandy klingelt. Und dann ist da noch der Haushalt… Wirklich zur Ruhe kommen und Zeit für sich allein zu finden, ist für viele schwer. Sie wollen allen gerecht werden und bleiben dabei oft selbst auf der Strecke. Hier ist es unerlässlich, Grenzen zu setzen – auch im Hinblick auf die psychische Gesundheit.


Es ist dabei in erster Linie wichtig, sich genau zu überlegen, was einem persönlich wichtig ist. Denn nur wer sich darüber klar ist, was er oder sie will, kann das klar kommunizieren und somit Grenzen setzen. Das gilt sowohl für das Berufs- als auch das Privatleben. Weder Familie noch Kolleg:innen können erraten, was stört und was in Ordnung ist – einfach, weil jeder Mensch anders tickt. Während es für die einen völlig normal ist, auch am Wochenende zu arbeiten, sind für andere Wochenenden heilige Familienzeit. Das gilt auch für den Umgang mit Familie und Kindern. Das Wichtigste für das Setzen von Grenzen ist deshalb immer erst die eigene Klarheit.

Um stark und gesund zu bleiben und sich dem Stress nicht völlig ausgeliefert zu fühlen, empfiehlt es sich, Strategien zu entwickeln, um sich besser durchzusetzen.


Diese 8 Tipps machen einen Anfang

1. Feierabend und Wochenende

Kommunizieren Sie klar, wann und über welchem Weg Sie erreichbar sind.

Wer um 21 Uhr noch eine Mail schreibt, kann auch bis zum nächsten Tag auf die Beantwortung warten. Wer nach 17 Uhr nicht mehr angerufen werden will, geht entweder nicht mehr ans Handy oder richtet direkt einen Anrufbeantworter ein.


2. Nein sagen

Vielen fällt es schwer, Aufgaben oder Termine abzulehnen. Wer klar kommuniziert, warum es aktuell nicht möglich ist, Aufgaben oder Termine anzunehmen, sagt ja zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen.


3. Unterstützung suchen

Um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen. Das kann eine Haushaltshilfe sein oder auch eine Assistenz im Büro. In jedem Business- und Lebensmodell gibt es Aufgaben, die ausgelagert werden können. Wichtig ist nur, diese zu identifizieren und abzugeben – wenn es die finanziellen Ressourcen zulassen.


„Prioritäten lassen sich monatlich, wöchentlich und täglich setzen." - Melanie Lohmann

4. Prioritäten setzen

Prioritäten lassen sich monatlich, wöchentlich und täglich setzen. Hier muss jeder selbst entscheiden, was am zielführendsten ist. Was muss heute erledigt werden, was hat bis Ende der Woche Zeit und was kann vielleicht tatsächlich gestrichen werden? Hier lohnt sich auch ein Blick darauf, welche Aktivitäten zielführend und wichtig sind und welche nicht. Je nach Umfang der Aufgaben empfiehlt es sich, Listen zu führen und abzuarbeiten oder mit Tools wie Asana oder Trello zu arbeiten.


5. Zeit für Hobbies, Entspannung und Familie

Wer Prioritäten setzt, den Feierabend freihält und sich Unterstützung holt, hat automatisch Zeit gewonnen. Die gewonnene Zeit so einzusetzen, dass es für einen selbst Sinn macht, ist der nächste Schritt. Mein Tipp: Für Hobbies, Familie, Sport und Pausen Termine machen. Ab in den Kalender und Schluss. Termine und Treffen sind nicht verhandelbar.

Melanie Lohmann (Foto: Daniela Furchner)

6. Bedenkzeit einfordern

Wir sind es gewohnt, immer direkt zu antworten. Viel zu oft sagen wir vorschnell „Ja“. Im Anschluss folgt dann oft der Ärger. Denn immer wieder sagen wir Dingen zu, für die keine Zeit ist. Mein Tipp: Einen Moment Bedenkzeit erbitten. Fragen, die helfen können, die Antwort zu überdenken, könnten z.B. sein:

- Möchte ich das wirklich tun?

- Wie viel Zeit, Kraft und auch Lust habe ich wirklich?

- Bringt mich ein „Ja“ hier weiter?


7. Eigene Grenzen akzeptieren

Die eigenen Grenzen zu erkennen ist das Eine- – sie auch zu akzeptieren, das Andere.

Wer gibt schon gerne zu, dass die Leistungsgrenze erreicht ist? Schließlich kommt bekanntlich weiter, wer am meisten leistet, oder? Zum Glück weiß man heute, dass diejenigen, die auf eine gesunde Work-Life-Balance achten, am leistungsfähigsten sind. Wer also ständig über die eigenen Grenzen geht, ist weder leistungsfähiger noch erfolgreicher. Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen dürfen lernen, ehrlich sich selbst gegenüber zu sein. Denn nur, wenn es ihnen gut geht, können sie auch für andere da sein und dauerhaft im Job bestehen.


8. Klären, warum ein „Nein“ so schwerfällt

Welche Bedenken, oder Ängste habe ich, wenn ich etwas ablehne? Ist es die Angst vor Ablehnung oder nicht gemocht zu werden? Vielleicht die Angst vor den Konsequenzen?

Ich gebe zu bedenken: Die Angst vor den Reaktionen der anderen, bringt Sie in eine Abhängigkeit. Machen Sie sich klar, wie viele Konflikte und Entscheidungen Sie getroffen und bewältigt haben. Sehen Sie die Situationen objektiv und realistisch.


Wer Grenzen und Prioritäten setzt, kann Business- und Privatleben besser miteinander kombinieren. Kleine Schritte machen oft schon einen großen Unterschied. Vergessen Sie nicht, dass nicht alles direkt funktioniert. Deshalb gilt auch hier: Probieren Sie die Tipps aus, schauen Sie wie es Ihnen geht und welcher Tipp für Sie am besten funktioniert.


Über die Autorin:

Melanie Lohmann ist psychologische Beraterin und Hypnose-Coach. Sie lebt mit ihren drei Kindern in Hildesheim. Als ausgebildete Erzieherin brachte sie die Frage nach dem tieferen Sinn des Lebens dazu, eine Ausbildung in der Psychotherapie nach dem Heilpraktiker-Gesetz zu absolvieren. Im Rahmen dieser Ausbildung befasste sie sich intensiv mit Hypnose und lernte Hypnose als Veränderungstool kennen und lieben. Seit zehn Jahren führt sie ihre eigene Praxis und hat bereits über 5000 Menschen in ein glücklicheres, entspannteres und erfolgreicheres Leben begleitet. Besonders häufig unterstützt sie selbstständige Mütter dabei, die Balance zwischen Privatleben und Beruf zu finden. Ihre Website: https://lohmann-mentoring.de/