Erfolgreich im Ehrenamt

What’s your story, Natalya Nepomnyashcha? | Natalya Nepomnyashcha steht für Changengleichheit, Bildungsaufstieg und Diversität. Und sie möchte verhindern, dass jungen Menschen der soziale Aufstieg erschwert wird – so wie ihr. Deswegen gründete die Unternehmensberaterin 2016 das „Netzwerk Chancen“, dass junge Erwachsene und die Chancengleichheit fördert. Mit uns spricht Natalya über ihre größten Herausforderungen, Fehler und Erfolge und darüber, wie es ist, nicht ernst genommen zu werden.

Natalya Nepomnyashcha gründete 2016 das "Netzwerk Chancen"

Frau Nepomnyashcha, was genau ist Ihr Job, wie und mit was beeinflussen Sie die Ausrichtung Ihres Unternehmens? Ich bin die Gründerin und ehrenamtliche Geschäftsführerin von „Netzwerk Chancen“. Als soziales Unternehmen fördern wir junge Erwachsene bei ihrem sozialen Aufstieg und bringen sie mit potentiellen Arbeitgeber:innen zusammen. Ich selbst bin vor allem für die Strategie und den Auftritt nach außen zuständig. Was war die größte Herausforderung, die Sie überwinden mussten? Ich wurde anfangs oft nicht ernst genommen. Man hat uns nicht zugetraut, dass wir als ehrenamtliches Team viel bewegen können. Ich habe immer an uns geglaubt. Mittlerweile fördern wir über 1.200 junge Menschen und haben ein Team aus 4 Hauptamtlichen und 30 Ehrenamtlichen.


Was hat Sie auf Ihrem Weg bislang immer weitergebracht? Nicht auf die Neider:innen und Zweifler:innen zu hören. Ratschläge sollte man vor allem von Menschen annehmen, die das Beste für einen wollen.


Was hat Sie immer behindert? Ich bin sehr direkt und ungeduldig. Viele Menschen kommunizieren eher subtil. Deshalb ist es wichtig, sich auf das Gegenüber einzustellen. Das musste ich erst lernen.


Was werten Sie als Ihren größten Erfolg? Wir haben seit 2018 dafür gekämpft, dass die soziale Herkunft als eine Diversity-Dimension anerkannt wird. Anfangs wurden wir ausgelacht. 2021 hat die ‘“Charta der Vielfalt” die Dimension aufgenommen. Das ist ein Riesenfortschritt für unsere Sache. Nun interessieren sich viel mehr Arbeitgeber:innen dafür, wie sie soziale Aufsteiger:innen für sich gewinnen.


Was war der größte Fehler, den Sie während Ihrer Karriere gemacht haben? Manchmal keine Entscheidung zu treffen oder diese aufzuschieben. Mir passiert es besonders dann, wenn ich mir keine Zeit nehme, über eine Sache gut nachzudenken. Das ist sehr wichtig, gerade bei wichtigen Entscheidungen sollte man alles abwägen.

Wie gehen Sie mit Dingen um, die Sie nicht gut können? Ich suche Leute fürs Team, die es besser können als ich. Und ich spreche offen darüber. Kein Mensch kann in allem gut sein. Es ist wichtig, die eigenen Stärken zu kennen, diese einzusetzen und offen mit Sachen umzugehen, die andere besser können. Das ganze Team gewinnt, wenn alle das machen, worin sie gut sind.


Wann haben Sie das letzte Mal „Nein“ gesagt? Gestern. Ich wurde angeschrieben und nach einem Austausch gefragt. Das passiert mir mehrmals die Woche. Da ich Netzwerk Chancen neben einem Job als Unternehmensberaterin leite, ist meine Zeit sehr knapp. Ich schaffe das nur, da ich stark priorisiere und zu einem Austausch ohne konkretes Anliegen meist Nein sage.


Wenn Sie eine Zeitreise zu Ihrem 18-jährigen Ich machen könnten, welchen Karrieretipp würden Sie sich geben? Such Dir ein kostenfreies bzw. staatlich gefördertes Coaching und finde heraus, was Deine Stärken sind und worin Du richtig gut bist. Mach’ gute Praktika und vernetze Dich so früh wie möglich.


Was ist der beste Tipp, den Sie je bekommen haben? Wenn eine Tür zugeht, geht irgendwo eine andere auf.


Was ist Ihr Tipp für Verhandlungen? Immer nach win-win Situationen zu suchen. Die Interessen und Wünsche der anderen Seite müssen einbezogen werden. Im besten Fall gehen beide Seiten glücklich aus einer Verhandlung raus.


Welches Buch/Podcast hatte am meisten Einfluss auf Ihre Karriere? “Martin Eden” von Jack London. Die Titelfigur kommt wie ich aus sehr armen Verhältnissen. Er kämpft sich durch wie ein Löwe und wird erfolgreich. Das Buch hat mich sehr inspiriert.