Besonders genau schaut beim Thema Geld offenbar die Generation Z hin. „Es herrscht das Klischee vor, dass junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt vor allem nach sinnstiftender Arbeit streben“, sagt Dr. Julian Stahl (36) vom Karriere-Netzwerk Xing. Umfragen zeigten jedoch, dass gerade bei Jüngeren harte Faktoren wie das Gehalt entscheiden. „Der Glaubenssatz, dass man mit Fleiß allein Wohlstand erlangt, wird von ihnen angezweifelt; und das meiner Meinung nach zu Recht.“
Jugendforscher Simon Schnetzer (46) führt das auf die multiplen Krisen der vergangenen Jahre zurück. Jahrelang sei es so gewesen, dass Spaß an der eigenen Tätigkeit und eine gewisse Erfüllung durch den Beruf für viele an erster Stelle standen. „Aber genährt zunächst durch die Corona-Pandemie, später dann auch durch die starke Inflation ab 2022, haben junge Menschen immer stärker das Gefühl, es reicht nicht“, erklärt der Leiter der Trendstudie „Jugend in Deutschland“ im Interview mit der Tagesschau. Ähnliche Entwicklungen habe es nach der globalen Finanzkrise 2008 gegeben. „Wenn es nicht reicht, dann ist Geld zunächst das Wichtigste, um Sicherheit zu haben“, konstatiert der Wissenschaftler.
Anastasia Barner (26) kann das gut nachvollziehen. Die Berlinerin gilt als eine der prominentesten Stimmen der Generation Z, jener Jahrgänge also, die zwischen 1997 und 2010 geboren sind. „Meine Mutter zahlte als Babyboomerin 60 D-Mark für ihr WG-Zimmer. Heute zahlst Du in vielen Städten mindestens 600 Euro“, erklärt die Gründerin der Mentoring-Plattform FeMentor. „Das Leben wird einfach immer teurer.“
Hinzu kommt: Die Gen Z habe nicht nur hohe Ansprüche an sich selbst, sondern auch an ihren Lebensstandard. „Jeden Monat gibt es auf Social Media einen neuen Trend. Da will man natürlich dabei sein. Und ganz ehrlich: Der Clean-Girl-Lifestyle mit Pilates, Superfoods und nachhaltiger Mode ist einfach extrem expensive“, meint Anastasia Barner.
Entsprechend extrem expensive sind auch die Gehaltswünsche der jüngsten Generation, die in den Arbeitsmarkt drängt: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren in Deutschland wünscht sich ein Netto-Monatsgehalt von mehr als 5.000 Euro. Das geht aus der repräsentativen Studie „Jugend ungeschminkt“ von Psychologin Ines Imdahl (58) hervor. Knapp ein Viertel strebt demnach 9.000 Euro oder mehr an. Junge Männer stellen sich mit rund 8.200 Euro im Schnitt sogar noch etwas mehr vor als junge Frauen, die für eine 40-Stunden-Woche „nur“ knapp 6.400 Euro anpeilen.