Dennis Niederhagen

vor 14 Tagen

6 Min. Lesedauer

Nachhaltige Innovation: Europas Weg zum Erfolg

Gastbeitrag | P. Dennis Niederhagen, Gründer und CEO von DigitalValley, skizziert für STRIVE Online die entscheidenden Schritte für Europas Zukunftssicherung. Lies nach, warum es notwendig ist, Innovationen in Prozessen und Geschäftsmodellen zu fördern, um einen nachhaltigen Wandel erfolgreich zu bewältigen – und welche Rolle Start-ups und Universitäten dabei spielen.

Nachhaltige Innovation: Europas Weg zum Erfolg
Nachhaltige Innovation: Europas Weg zum Erfolg

Endlich scheint das Thema Innovationen Gehör zu finden und (hoffentlich) Fahrt aufzunehmen. Kürzlich wurde von der Boston Consulting Group ein Whitepaper veröffentlicht – im Auftrag des Bundeskanzleramtes. Ziel des Paper ist es, herauszufinden, wie Deutschland sein zweifelsohne vorhandenes Innovationspotenzial freisetzen kann.

Guter Ansatz! Und doch zu klein gedacht. Ja, wir müssen Deutschlands Innovationslandschaft innovieren. Daran besteht kein Zweifel. Gleichwohl kann dies nur im europäischen Kontext gelingen. Und das muss es auch.

Wir leben, speziell nach COVID-19-Zeiten, in einer Welt, die man als „De-Clustering von Innovation“ beschreibt. Das bedeutet schlichtweg, dass kluge Köpfe dort innovieren und Start-ups gründen, wo sie es wollen. Meistens dort, wo sie leben. Ob Castrop-Rauxel, Heidelberg, Landshut, Neuss oder Solingen. History repeats itself. So auch hier, denn der klassische deutsche Mittelstand ist seinerzeit auch dort entstanden, wo die Gründer:Innen lebten. Deshalb sprechen wir so oft von „Hidden Champions“. Hidden nicht nur, weil diese Firmen Categoryleader in Nischen sind. Sondern – sind wir mal ehrlich – weil diese Firmen in Orten ansässig sind, welche nur echten Insider:innen bekannt sind. Grüße an dieser Stelle auf die Schwäbische Alb und Umgebung!

Nun stehen wir jedoch vor einem Rätsel: Innovieren – aber wie? Unser Mittelstand ist jahrzehntelang Feder und Ursprung von Innovationen gewesen. Diese waren inkrementeller Natur. Und darin sind Unternehmen aus Deutschland auch exzellent. Gutes zu perfektionieren. Sprunginnovationen kennen wir jedoch eher von der Olympischen Reiterstaffel.

Das Rückgrat der Wirtschaft benötigt jetzt jedoch Innovationen in Prozessen und Geschäftsmodellen. Und nicht „nur“ Produktinnovationen.

Wir wissen, uns fehlt häufig der Mut zu springen, ohne zu wissen, wo wir landen.

Diese Innovationskraft findet sich mit absteigendem Maße innerhalb der Firmen. Somit braucht es Zugang zu „externer“ Innovation. Zugang zu Start-ups. Zugang zu Universitäten. Genau: Kollaboration ist der Name des Spiels.

Doch, wenn Deutschland innovativ bleiben möchte, dann braucht es eine europäische Lösung. Eine innovative und vernetzte EU, um nicht nur in Rüstungsfragen, sondern ebenso in Innovationen eine EU-Souveränität (zurück) zu erlangen. Allerdings können sich Innovationen nur nachhaltig etablieren, wenn diese wirtschaftlich funktionieren. Das kann in der Quintessenz nur bedeuteten, dass wir einen wahrhaft europäischen Markt zugrundelegen müssen, um nicht zwischen dem US-amerikanischen und asiatischen Wirtschaftsraum in der Belanglosigkeit zu verschwinden.

Aber wie? Wir wissen, uns fehlt häufig der Mut zu springen, ohne zu wissen, wo wir landen. Das verhindert jedoch Sprunginnovationen. Diesmal nicht im Sinne der Springreiter, sondern im Sinne von Technologie. Ferner wissen wir, dass wir mit Blick einzig auf den deutschen Markt nicht ausreichend Kapital für Wachstums- und Skalierungsfinanzierungen zur Hand haben. Auch hier braucht es Mut und strukturelle Anpassungen, bspw. in Investment Policies.

Mittelständische Unternehmen müssen mit relevanten Beträgen in Innovationen investieren. Und zwar direkte Investitionen – nicht über Intermediäre. Denn wahre Innovation entsteht nur, wenn sich unterschiedliche Disziplinen treffen und kollaborieren. Ebenso sollten Versicherungen, Versorgungswerke, Pensionskassen und Stiftungen stärker in Skalierungs- und Wachstumsphasen investieren.

Ansonsten drohen wir echte (Deep-Tech-)Innovation in der Skalierungsphase aus Europa zu verabschieden, da wir das nötige Kapital nicht aufbringen können. Staatliche Fördermittel müssen leicht auffindbar und online beantragbar sein. Etablierte Fördertöpfe müssen auch umgewidmet werden können. Milliarden von Euro liegen ungenutzt in Fördertöpfen und können nicht abgerufen und ausgezahlt werden, da die damals verfassten Förderrichtlinien nicht getroffen werden. Totes Kapital! Muss man sich leisten können.

Lasst uns Innovation offen denken und inklusiv Leben. Also 3 P bedienen: People, Planet, Profit.

Es braucht Transparenz und Zugang. It's about access, stupid! Selbst in unserer ersten Welt geht es immer noch darum, niederschwellig und barrierefrei Zugang zu ermöglichen. Talente sitzen überall, Ideen entstehen überall, doch der Zugang ist limitiert. Lasst uns Innovation offen denken und inklusiv Leben, damit aus Ideen Produkte entstehen und aus guten Produkten neue Firmen erwachsen. Firmen, welche future-proof sind. Also 3 P bedienen: People, Planet, Profit.

Als Founder & CEO von DigitalValley bin ich überzeugt, dass Europa wirtschaftlich nur bestehen kann, wenn wir grenzenlose Innovation ermöglichen. Und dafür bauen wir das so notwendige digitale Innovationsökosystem – mit einem einfachen Leistungsversprechen: Zugang! Lasst uns die Innovatoren mit den notwendigen Stakeholdern auch endlich digital vernetzen, unterstützen und damit Zukunft nachhaltig ermöglichen.

Lasst uns gemeinsam nachhaltige Innovation finden, auf- und ausbauen: Damit Europa zum Kontinent der nachhaltigen Innovationen wird! „Future-Proof Europe“ muss das Ziel sein.

Über den Autor

P. Dennis Niederhagen, ist Founder & CEO von DigitalValley und Advisor in Themen (Sustainable) Innovation und Corporate Innovation. Außerdem ist er Steering Committee Member for Corporate Innovation bei London School of Economics (LSE Generate Accelerator) und Mitglied im Advisory Board bei ValiBerlin, dem Entrepreneurship Hub der ESMT Berlin. Hier findest Du P. Dennis Niederhagen auf LinkedIn!

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