Britta Behrens

Linkedin-Reichweiten brechen ein: Was Du zum neuen Algorithmus wissen musst

Viele, die LinkedIn als strategisches Business-Tool nutzen, berichten von stark gesunkenen Reichweiten. Warum sich das zeitnah ändern könnte, welche Rolle der neue Algorithmus dabei spielt und wieso Personal Branding in Zeiten glattgebügelten KI-Massen-Contents wichtiger wird als je zuvor, erklärt Expertin Britta Behrens in ihrem STRIVE-Gastbetrag.

Britta Behrens
Foto: privat

Hand aufs Herz: Der Start in das LinkedIn-Jahr 2026 war etwas holprig. Vielleicht habt ihr auch sehnsüchtig auf euren „LinkedIn Wrapped“-Jahresrückblick gewartet, nur um festzustellen, dass dieses Feature mit der heißen Nadel gestrickt war und nur für Top-Accounts mit englischen Spracheinstellungen funktionierte.

Doch statt uns über verpasste Sharing-Momente zu ärgern, sollten wir den Blick nach vorne richten. Denn hinter den Kulissen der Plattform passiert gerade Gewaltiges, das unsere Sichtbarkeit und Strategie grundlegend verändert.

Was Du wissen musst, um 2026 auf Linkedin erfolgreich zu sein

1. Das Ende der Gießkanne

Die Zeiten von viralen Hits sind vorbei. Und das ist gut so. Viele von uns beobachten Reichweiteneinbrüche von 50 bis 80 Prozent. Aber keine Panik: Das ist ein Feature, kein Bug. LinkedIn rollt gerade sein neues KI-Sprachmodell aus.

Was bedeutet das konkret? Früher wurde euer Content primär eurem Netzwerk ausgespielt und hat durch die Engagements weitere Netzwerkeffekte erzeugt. Heute analysiert die KI semantisch, worum es in eurem Beitrag geht, und sucht gezielt nach Nutzer:innen, die genau daran Interesse haben. Völlig unabhängig davon, ob sie euch folgen oder nicht. Das Ziel ist ein relevanterer Feed.

Ein „guter“ Post liegt heute im Durchschnitt bei 1.200 bis 1.800 Impressionen laut dem Algorithm Insights Report von Richard van der Blom. Das klingt im ersten Augenblick nach wenig, doch der Content wird einer relevanten Zielgruppe ausgespielt. Das bedeutet, dass die Wirkung der Postings steigt. Ihr erreicht die richtigen Menschen. Und wenn die relevanten Menschen auch starke Engagements zeigen, hebt dies die Sichtbarkeit weit über die Durchschnittswerte hinaus.

Wer auf Linkedin nur noch KI-Agenten für sich posten lässt, verliert das Wichtigste: das Vertrauen. Der Gegentrend 2026 ist das Unperfekte. Menschen wollen mit Menschen kommunizieren, nicht mit KI-Avataren.

Britta Behrens

2. Profil-Hygiene: Eure Landingpage für die KI

Damit der neue Algorithmus euch als Expert:innen erkennt, müsst ihr eure Hausaufgaben machen. Euer Profil ist nicht mehr nur ein Lebenslauf, sondern eine GEO-optimierte Landingpage für den Algorithmus.

Wenn ich als LinkedIn-Expertin plötzlich über Meta-Ads schreibe, reagiert die KI mit einer geringeren Verbreitung, weil das Thema nicht zu meiner sichtbaren Expertise im Profil passt.

Also: Überarbeitet eure Profile. Füttert die Maschine mit den richtigen Keywords, Projekten und Inhalten, damit klar ist, wofür ihr steht. Eine klare Positionierung und Themen-Fokussierung sind für die Einordnung essenziell. Und hilft natürlich auch bei der menschlichen Kommunikation. In erster Linie schreiben und kommunizieren wir immer noch mit Menschen und nicht für Maschinen.

Seit kurzem stellt uns LinkedIn auch Profil-Analytics zur Verfügung. Hier sehen, wir wie häufig einzelne Bereiche des Profils eingeblendet und geklickt wurden.

3. Schluss mit „AI Slop“: Es lebe das Unperfekte

Wir ertrinken gerade in einer Flut aus KI-generiertem Content auf der Plattform, dem sogenannten „AI Slop“. Glattgebügelte Texte, generische Grafiken und automatisierte Kommentare, denen die Seele fehlt.

Strategisch ist das eine Sackgasse. Wer nur noch KI-Agenten für sich posten lässt, verliert das Wichtigste: das Vertrauen. Der Gegentrend für 2026 ist das Unperfekte. Menschen wollen mit Menschen kommunizieren, nicht mit KI-Avataren.

LinkedIn ist in erster Linie kein Marketing- oder Salesfunnel, wo wir alle bloß „Lead” auf der Stirn stehen haben. Es ist eine Begegnungsplattform. Natürlich um gemeinsam Business zu betreiben und Erfolg zu haben. Doch dafür müssen wir echt kommunizieren und auf LinkedIn präsent sein.

4. Sicherheitswarnung: LinkedIn Scammer

Bevor wir zu den Predictions kommen, ein Warnhinweis: Es kursieren derzeit viele Scammer, die sich als „LinkedIn Security“ ausgeben. Sie nutzen gefälschte Unternehmensseiten und drohen mit Kontosperrungen.

Bitte klickt niemals auf diese Links und gebt keine Daten eures Accounts ein. Im Zweifel direkt den echten LinkedIn-Support kontaktieren. Auf diese Weise haben schon viele Menschen den Zugriff auf Ihren Account verloren.

Euer LinkedIn-Account ist ein wertvolles Business-Asset, das ihr gut schützen solltet. Sichert euren Account immer mit der 2-Faktor-Authentifizierung ab.

Meine 4 Predictions für LinkedIn 2026

1. Die „AI Slop“-Flut nimmt zu: Wir werden noch mehr schlechten, automatisierten Content sehen. Das führt zu einer „LinkedIn Fatigue“ bei vielen Nutzer:innen. Die Konsequenz: Wir müssen alle zu Kurator:innen unseres eigenen Feeds werden. Entfolgt gnadenlos Accounts, die nur Müll produzieren, und interagiert mit den echten Perlen, um der KI zu zeigen, was ihr wirklich sehen wollt. Lasst euch nicht von Rage Bait provozieren und meldet dies, anstatt mit einem Gegenkommentar mehr Reichweite zu erzeugen.

2. Renaissance des Personal Branding: Weil der Feed voller Rauschen ist, wird echte, einzigartige Expertise zur Währung. Thought Leadership ist in aller Munde. Wir müssen sie auch zeigen. Eine KI kann generisches Wissen repetieren, aber kein Handlungs- und Erfahrungswissen erzeugen. Genau dieses Wissen gilt es auf LinkedIn zu teilen. Dies ist ein unverwechselbarer USP.

3. Stabilisierung der Reichweiten: Meine Hoffnung ist, dass wir nach den volatilen Ausschlägen durch die Einführung vom neuen Algorithmus nun in ruhigeres Fahrwasser kommen. Die Algorithmen lernen dazu, und die Ausspielung sollte sich auf einem verlässlichen Niveau einpendeln. Die Reichweiten gewinnen an Relevanz.

4. Das Comeback des Video-Feeds: Auch wenn ich selbst noch an meiner Video-Disziplin arbeite: Der dedizierte Video-Feed wird zurückkommen, vermutlich in der zweiten Jahreshälfte. LinkedIn pusht jetzt schon Video als das neue B2B-Marketing-Format mit dem stärksten Engagement und der stärksten Wirkung. Aber auch hier gilt: Bitte keine sterilen Imagefilme, sondern authentische Short-Form-Videos.

Lasst euch von den technischen Änderungen nicht lähmen. Relevanz schlägt zukünftig Viralität. Nutzt auch die Kommentarfunktion, um sichtbar zu werden und schaltet euch in Fachgespräche ein.

Finaler Tipp: Startet endlich euren LinkedIn-Newsletter, um eure Community unabhängiger vom Algorithmus zu erreichen. Denn die Abonnent:innen erhalten ihn direkt in der Inbox.

Wir sehen uns im Feed. Hoffentlich mit echten Erfahrungen und Gedanken und weniger KI-Einheitsbrei.

Portrait

Britta Behrens

LinkedIn-Expertin

Britta Behrens ist eine der führenden LinkedIn-Expert:innen in Deutschland. Ihre Herzblut-Themen sind Social Selling, Thought Leadership und Content-Strategien. Sie berät Unternehmen bei der Implementierung von Social Selling und Corporate Influencer-Programmen und schult Marketing und Vertriebsteams.

Daneben gibt sie ihr Wissen als Keynote-Speakerin und Autorin in diversen Fachmagazinen, Podcasts und Workshops weiter. In Ihrer Freizeit ist sie verrückt nach Golf und lässt den Abend gerne bei einem guten Gin Tonic ausklingen.

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