Paulina Stricker

Linkedin-Reichweiten brechen ein: 4 Tipps, was noch funktioniert

Paulina Stricker ist Co-Gründerin der Personal-Branding-Agentur Napoleonfour. Reichweite auf Linkedin zu generieren, ist ihr Job. Warum die bei vielen gerade einbricht und was hilft, wieder mehr Menschen mit dem eigenen Content zu erreichen, verrät sie hier.

Linkedin-Reichweiten brechen ein: 4 Tipps, was noch funktioniert
Foto: Ramiro Simone

In fast jeder Founder-Runde der letzten Monate fällt früher oder später derselbe Satz: „Linkedin funktioniert nicht mehr." Reichweite halbiert, Engagement weggebrochen, Posts versacken im Nichts. Der Frust ist groß.

Wir haben das schon oft gehört, beobachten auf unserer Seite aber das Gegenteil. Bei unseren Kund:innen wachsen die Accounts, die Performance wird besser, nicht schlechter. Wie passt das zusammen?

Warum mittelmäßige Posts auf Linkedin untergehen

Was wir sehen, ist keine Plattform-Krise, sondern klassische Marktdynamik: Stell Dir LinkedIn wie einen Marktplatz vor, auf dem Zeitungen verteilt werden. Vor sieben Jahren standen dort fünf Verleger:innen. Wer druckte, wurde gelesen. Der Algorithmus musste die Feeds füllen, also wurde fast jeder halbwegs ordentliche Post großzügig ausgespielt. Auch mittelmäßige Beiträge bekamen viel Reichweite, einfach weil es nichts Besseres gab.

Heute ist es umgekehrt: Es gibt viel mehr Content als Aufmerksamkeit. Jeder Post kämpft gegen tausend andere um Sekundenbruchteile der Aufmerksamkeit. Mittelmäßige Posts gehen in diesem Umfeld unter. Nicht, weil sie schlechter geworden sind, vielmehr weil die durchschnittliche Qualität auf der Plattform gestiegen ist.

„61 Prozent der Reichweite unserer Kund:innen kommen aus nur zehn Prozent der Posts. Es geht nicht darum, dass jeder Post läuft, sondern darum, dass genug Posts ins obere Zehntel gelangen.“

Paulina Stricker

Analyse von mehr als 1.300 Posts

Wie man sich in diesem Umfeld noch abhebt und seine Reichweite steigert? Wir haben über 1.300 Posts unserer Kund:innen mit mehr als 22 Millionen Impressions aus den letzten zwölf Monaten ausgewertet. Vier Learnings daraus möchten wir Dir gerne mitgeben:

1. Das Thema entscheidet 80 Prozent

Wie im Journalismus gilt: Welcher Artikel wird viel gelesen? Die Antwort, ob ein Post funktioniert, liegt zu 80 Prozent darin, ob das Thema überhaupt interessiert. Wenn es nicht zieht, hilft auch der beste Text nichts.

Über drei Viertel der Top-Posts unserer Kund:innen sind persönliche Geschichten. Fachliche Posts gehen seltener viral, dafür dann aber richtig. Für die meisten heißt das: weniger Corporate-Stimme, mehr Tagebuch.

2. Die Hook ist eine eigene Disziplin

Hooks in der Ich-Form performen 24 Prozent über dem Schnitt. Also Posts, die direkt mit „Ich habe gerade..." oder „Ich war 28 und..." anfangen. Persönlich, sofort, ohne Umweg.

Konkrete Zahlen im ersten Satz bringen zusätzlich 16 Prozent. Ein typisches Muster wäre: „Letztes Jahr habe ich 47 Bewerbungsgespräche geführt. Diese eine Frage kam in jedem einzelnen vor.“

Was nicht funktioniert: Fragen als Hook. Posts, die mit einer Frage anfangen, performen 18 Prozent schlechter. Eine Frage am Anfang nimmt die Spannung raus, bevor sie überhaupt da sein konnte.

3. Sweet Spot bei der Länge: 500 bis 1.000 Zeichen

Alles über 1.500 Zeichen performt im Median 27 Prozent schlechter. Der Klassiker: Das Thema ist gut, der Text ist es nicht. Keine gute Hook (erste Zeile), zu viel künstlicher Aufbau im Mittelteil, die Pointe kommt nicht durch. Der Post versinkt im Nirvana.

4. Frage am Schluss: Das Textbuch stimmt hier wirklich

Diesen Tipp kennt jede:r, und deshalb fragt man sich oft, ob man ihn ernst nehmen soll. Antwort: ja. Drei Viertel unserer Top-Posts enden mit einer Frage, sie performen 17 Prozent besser. Eine Frage am Ende gibt den Leuten einen konkreten Grund zu reagieren. Manchmal funktioniert Schulbuchwissen dann doch.

Eine Zahl hat uns bei unsere Auswertung selbst überrascht: 61 Prozent der gesamten Reichweite unserer Kund:innen kommen aus nur zehn Prozent der Posts. Pareto auf Steroiden. Es geht nicht darum, dass jeder Post läuft, sondern darum, dass genug Posts ins obere Zehntel gelangen.

Was bleibt zum Mitnehmen? 
 
80 Prozent der Arbeit liegen im Thema, 20 Prozent im Handwerk. Wer das richtige Thema erwischt, kann sich beim Handwerk Stück für Stück verbessern und sieht den Effekt sofort. Irgendwann kippt einer dieser Posts ins obere Zehntel. Und dann ist plötzlich auch wieder Reichweite da. 

Portrait

Paulina Stricker

Linkedin-Expertin und Co-Gründerin von Napoleonfour 

Paulina Stricker, geboren 1998, ist Co-Gründerin und Co-CEO der Linkedin-Agentur Napoleonfour. Das Unternehmen, das sie 2025 mit Nils Grammerstorf gegründet hat, unterstützt Unternehmer:innen dabei, strategisch auf LinkedIn sichtbar zu werden und neue Kund:innen über die Plattform zu generieren. Ihr selbst folgen auf LinkedIn rund 35.000 Menschen. Stricker hat internationale Betriebswirtschaft sowie Mode- und Designmanagement studiert und lebt derzeit in Spanien.

Foto: Nils Grammerstorf