Christina Pallmann

Job-Hugging, Boomerang Hiring, KI: Diese Recruiting-Trends solltest Du kennen

Die Wechselbereitschaft vieler Beschäftigter sinkt. Warum immer mehr Mitarbeitende trotz Unzufriedenheit im Job bleiben, was das für Unternehmen bedeutet und welche Recruiting-Trends HR-Expertin Christina Pallmann noch beobachtet, verrät sie hier.

Job-Hugging, Boomerang Hiring, KI: Diese Recruiting-Trends solltest Du kennen
Foto: Carolin Ries

Während man noch vor zwei bis drei Jahren vor allem unter den jüngeren Mitarbeitenden viele Job-Hopper beobachten konnte, also viele kurze Stationen im Lebenslauf, wandelt sich dieser Trend aktuell immer mehr zum Job-Hugging.

Was sich im ersten Moment gut für Unternehmen anhört, weil Menschen tendenziell wieder länger bei einem Arbeitgeber bleiben, kann zur ernsten Gefahr werden, wenn im Unternehmen nicht drauf reagiert wird.

Viele Menschen halten heute eher an ihren Jobs fest, auch wenn diese nicht mehr zu ihnen passen. Der Hauptgrund dafür ist die Angst vor dem aktuellen Arbeitsmarkt. Überall wird gespart und gekürzt, Probezeiten bedeuten Unsicherheiten, die man vermeiden möchte.

Wird aber zu lange in einem ungeliebten Job ausgeharrt, färbt dies nicht nur auf die eigene Motivation, sondern aufs gesamte Team ab. Plötzlich entstehen deutlich mehr Konflikte, die Leistungsbereitschaft nimmt ab und auch das Employer Branding leidet, denn diese Menschen erzählen anderen nicht mehr begeistert von ihrem Arbeitgeber, sondern dass sie bleiben, weil es gerade nichts Besseres gibt.

Damit diese Situation erst gar nicht entsteht, sollten Führungskräfte und Personalentwicklung gemeinschaftlich ansetzen:

Welche Perspektiven gibt es im Unternehmen?

Wie kann man die Menschen weiterentwickeln und sie motiviert im Unternehmen halten?

Welche neuen Karrierepfade braucht es dafür?

„Viele Menschen halten heute eher an ihren Jobs fest, auch wenn diese nicht mehr zu ihnen passen. Der Hauptgrund ist die Angst vor dem aktuellen Arbeitsmarkt.“

Christina Pallmann

Bewerben sich Menschen doch, erhalten Personalabteilungen immer häufiger KI-generierte Lebensläufe und Anschreiben. Wer aus der Masse herausstechen möchte, sollte deshalb keinen 0815-ChatGPT Text verwenden, sondern ganz klar benennen, was er bisher geleistet hat. Je konkreter, desto besser.

Jobtitel werden dabei gerade bei vielen Unternehmen immer unwichtiger, da sie nicht eindeutig erkennen lassen, was das Aufgabenfeld der Person wirklich beinhaltet hat. Skill-based Hiring ist der Trend der Stunde, da immer mehr neue Jobs geschaffen werden, die es bisher noch nicht gab. Tatsächliche Fähigkeiten und Kompetenzen stehen künftig immer stärker im Vordergrund, während der klassische Lebenslauf an Bedeutung verliert.

Es reicht nicht aus bisherige Jobtitel in einem Lebenslauf zu betrachten. Recruiter:innen müssen künftig noch stärker verstehen, was eine Person gemacht hat, welche Fähigkeiten sie ggf. auch außerhalb des Jobs erlangt hat und wohin sie sich weiterentwickeln möchte.

Zusätzlich wird das Thema Boomerang Hiring in vielen Bereichen immer bedeutsamer, da qualifizierte Fachkräfte seltener zu finden sind. Wichtigste Voraussetzung dafür, dass ehemalige Mitarbeitende wieder zurückkommen, ist neben einem wertschätzenden Miteinander während der Anstellungszeit ein gutes Offboarding, damit der Arbeitgeber bis zum letzten Moment in guter Erinnerung bleibt.

Ebenso relevant bleibt ein gepflegtes Linkedin- oder Xing-Profil, da viele Stellen heute nicht mehr ausgeschrieben werden und rein über Inhouse-Active-Sourcing besetzt werden. Immer mehr Unternehmen haben ihre Recruiter:innen in diesem Bereich qualifiziert, um sich Headhuntingkosten zu sparen.

Zusätzlich sollte man das Thema Netzwerkaufbau aktiv angehen, unabhängig davon, ob man plant seinen Job in nächster Zeit zu wechseln oder nicht. Gute interne und externe Netzwerke tragen, sei es bei Fachfragen oder in Zeiten von beruflicher Neuorientierung.

Portrait

Christina Pallmann

Head of Employer Branding and Recruiting bei GLOBUS Markthallen

Christina Pallmann ist Head of Employer Branding and Recruiting bei GLOBUS Markthallen. Sie hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in verschiedenen HR-Rollen, ist Dozentin für Kommunikations- und Führungstechniken u.a. am Zentrum für Fernstudien im Hochschulverband und spricht als Speakerin über eine bessere Arbeitswelt, lebenslanges Lernen, Vereinbarkeit, Diversity und Ehrenamt. Sie lebt in Zweibrücken in Rheinland-Pfalz.

Foto: Carolin Ries