Susanna Riethmüller

"Gesund ist das neue Schön"

Die Zukunft – sie hat es Tina Müller (52) angetan. Die meisten kennen sie als CEO von Douglas und reformfreudige Managerin. Was man nicht unbedingt über sie weiß: Sie ist eine begeisterte Futuristin, vor allem das Thema Longevity – Langlebigkeit – fasziniert sie. Sehr alt werden oder zumindest lange jung bleiben? Darauf will sie vorbereitet sein. Privat und beruflich.

Sie postet auf LinkedIn begeistert über David Sinclairs Rejuvenation-Klassiker „Das Ende des Alterns“ oder tauscht sich in ihrem Podcast „Beauty & Beyond“ mit Expert:innen aus. Vor einigen Jahren hat sie sogar selbst ein Buch dazu geschrieben: „Zum Jungbleiben ist es nie zu spät“ (Südwest Verlag). Der „neueste Stand der Forschung“, die Suche nach technischen und medizinischen Innovationen: Das ewige Leben oder zumindest die Aussicht auf ein sehr langes – es ist das Lieblingsthema von Tina Müller.

"Gesund ist das neue Schön"
"Gesund ist das neue Schön"

Dass das für sie auch beruflich Relevanz hat, empfindet sie als, Achtung, schönes Privileg. Ob KI-Kosmetik oder Jugend-Pillen, die CEO möchte, dass Douglas in der Beauty-Branche der Zukunft mithalten kann. Futuristische Produkte kommen dabei übrigens nicht einfach so ins Sortiment. Tina Müller muss überzeugt sein. Und probiert sie deshalb vorher selbst aus.

Tina Müller im Douglas-Headquarter in Düsseldorf

Frau Müller, die Vorstellung, sehr alt zu werden oder sogar ewig zu leben – ist das ein schöner Gedanke für Sie?

Ich würde sagen: Da habe ich gemischte Gefühle. Nach heutigem Stand, zumindest medizinisch betrachtet, können wir das Altern nicht verhindern, sondern nur aufhalten. Für mich bedeutet das, dass ich vielleicht 120 Jahre alt werden könnte. Das klingt verlockend. Es kommt für mich aber vor allem darauf an, wie man sich dann fühlt. Bin ich gesund und fit, ist das Leben noch lebenswert? Generell interessiert mich das Thema aber sehr. Wobei sich Berufliches und Privates dabei natürlich vermischen.

Fangen wir doch beim Privaten an. Was tun Sie, um möglichst gut möglichst alt zu werden?

Meine Generation ist die Generation der Selbstoptimierung und geht da ins volle Risiko. Ich kann jetzt ganz viel machen – zum Beispiel Intervallfasten oder Kryotherapie, weiß aber erst in zehn, 20 Jahren, was wirklich den größten Effekt hat. Vielleicht merke ich auch mit 80, dass ich mir die Mühe und Entbehrung hätte sparen können. Ich spekuliere also, mit unsicherem Return. Zum Glück wissen wir bei bestimmten Themen heute sicher, dass sie helfen. Ich nehme zum Beispiel Kollagen ein, was nachweislich Haut und Knochen jung hält. Außerdem Hyaluron und L-Carnosin, das ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das Zucker neutralisiert.

 

Tina Müller

Testen Sie auch futuristischer anmutende Therapien?

Generell probiere ich viel aus und beobachte den Markt. Vor allem auch, was die Startups in diesem Bereich entwickeln. Seit einigen Wochen nehme ich die Nahrungsergänzungsmittel von Twendee X aus Japan und von Juvicell. Eine Kombination aus Wirkstoffen soll erreichen, dass das Altern verzögert wird und man länger gesund und vital bleibt. Um die Wirkung im Blick zu behalten, lasse ich regelmäßig mein Blut analysieren.

 

Wie weit geht Ihre Fantasie in Sachen ewiges Leben: Können Sie sich vorstellen, Ihr Gehirn hochzuladen und dann als Avatar weiterzuleben?

Ich würde schon gerne ich selbst bleiben, als Avatar möchte ich eigentlich nicht enden (lacht). Aber ich bin sehr experimentierfreudig und neugierig. Wenn etwas medizinisch durch Studien belegt ist, probiere ich das aus. Allerdings nie, ohne dazu mindestens drei Meinungen aus meinem Netzwerk gehört zu haben, denen ich vertraue.

 

Welche Rolle spielen Zukunftsthemen wie das ewige Leben schon heute bei Douglas? In den Strategien für morgen?

Eine große. Da gibt es vieles, an dem wir arbeiten. Die Grenzen zwischen Kosmetik und dem Gesundheitsmarkt zum Beispiel werden immer fließender. Wir bieten bereits sehr erfolgreich Nahrungsergänzungsmittel an und haben die Absicht, den Bereich der OTC-Produkte, also der rezeptfreien Medikamente, deutlich auszubauen. Ich könnte mir sogar eine Douglas-Apotheke vorstellen. Nicht in den nächsten Monaten, aber grundsätzlich sehen wir, wie die Themen Schönheit und Gesundheit immer weiter zusammenwachsen. Wir möchten dabei mit Douglas eine relevante Rolle spielen, das Leben unserer Kund:innen nicht nur schöner, sondern auch besser machen. Das ist auch meine persönliche Vision für das Unternehmen.

"Die Grenzen zwischen Kosmetik und Gesundheitsmarkt werden immer fließender. Ich könnte mir sogar eine Douglas-Apotheke vorstellen." - Tina Müller

 

Wenn wir immer älter werden – ist Gesund das neue Schön?

Das ist meine These. Am Äußeren kann ich optimieren, das geht ja ganz gut. Die richtigen Kosmetikprodukte helfen mir dabei. Aber ob ich wirklich gut aussehe, innerlich leuchte, attraktiv bin – das hat vor allem mit einem gesunden Körper zu tun, mit mentaler Stärke, mit Ausstrahlung. Schönheit ist immer ein Gesamtpaket. Wenn wir immer älter werden, wird das immer wichtiger.

 

Welche Anti-Aging-Trends werden sich durchsetzen?

Für uns Frauen ist im medizinischen Bereich sicher das Thema Hormone ein ganz großer AntiAging-Hebel. Wir Frauen altern ja später als Männer – aber wenn der Hormonspiegel bei uns erst einmal sinkt, dann viel schneller. Eine Hormonersatztherapie, nicht mit den künstlichen Hormonen der Generation unserer Mütter, sondern den bioidentischen, kann angeblich einen riesigen Effekt auf die Themen Arthrose, Osteoporose und Alzheimer haben.

 

Und im Bereich Beauty-Tech? Es gibt inzwischen 3-D-Drucker für Make-up oder Haut zum Aufsprühen …

Der wichtigste Trend ist die Personalisierung von Kosmetik. Die Rezeptur, die meinem individuellen Hautzustand und meinen Lebensumständen gerecht wird. Das gibt es bereits auf Basis einer DNA-Analyse oder auf Basis von künstlicher Intelligenz und der Auswertung von Millionen von Datenpunkten. Im Moment ist das aber noch sehr teuer. Was boomt, sind auch die Beauty-Tools, wie zum Beispiel LED-Masken, die mit Infrarotoder Blaulicht arbeiten. Echte Zukunftsmusik sind spezielle Tools, mit denen ich meine Gehirnströme in einen gesunden, ausgeglichenen Mental-Health-Zustand bringen kann. Das wird vermutlich kommen. Der wichtigste Trend ist für mich allerdings das Thema Individualisierung von Pflege und Gesundheit durch künstliche Intelligenz. Wir screenen permanent den Markt, und ich schaue mir viele neue Konzepte an.

"Der wichtigste Trend ist die Individualisierung von Gesundheit durch KI." - Tina Müller

 

Hat es davon schon etwas ins Douglas-Sortiment geschafft?

Ja, denn ich möchte unseren Kund:innen möglichst viel anbieten in diesem Bereich und sie an unseren Erfahrungen teilhaben lassen. Neulich haben wir ein Startup namens Reset Yourself ins Sortiment aufgenommen. Das sind zwei Gründerinnen, die anhand einer Haarsträhne eine komplette Analyse mit allen entscheidenden Werten machen und darauf aufbauend individuelle Konzepte für Gesundheit und Schönheit entwickeln. Das habe ich vorher selbst ausprobiert, da von bin ich ziemlich überzeugt. Außerdem haben wir sogenannte DNA-Kosmetik im Sortiment, DNA4you. Hier wird mit einem Speicheltest analysiert, ob man zum Beispiel in der Sonne aufpassen muss oder mehr Kollagen braucht – und bekommt dann ein individuelles Programm aus Pflege und Nahrungsergänzungsmittel zusammengestellt.

 

Mit einem Preis von rund 1.000 Euro sprechen wir hier aber noch von einem Nischenprodukt …Unbedingt, das ist nichts von der Stange. Das ist High End. Aber das ist bei den großen Innovationswellen immer so. Anfangs sind die Produkte teuer, dann gehen sie in die Masse über und werden bezahlbarer. Die auf KI basierende Kosmetik wird demnächst in ein günstigeres Preissegment übergehen. Und der angesprochene Haartest kostet 298 Euro, das ist schon mal ein Stück erschwinglicher.

 

Wie groß ist der Anteil, den KI und Beauty-Tech in Ihrem Sortiment heute ausmachen?

Das ist noch unter 10%. Das geht jetzt langsam in die Breite und wird, wenn sich das Preisniveau reguliert hat, zu einem entscheidenden Wachstumsfaktor.

 

Funktioniert dieser Zukunftsmarkt vor allem über Startups? Sind die weiter als die klassische Industrie?

Sie sind zumindest sehr aktiv und, meiner Erfahrung nach, innovativ und mutig. Die großen Unternehmen haben das aber auch erkannt und ziehen jetzt nach, zum Beispiel L’Oréal oder Beiersdorf. KI wird auf jeden Fall für alle in der Branche immer wichtiger, das ist ein riesiger Trend.

 

Wie viel Tech steckt bereits in Ihren Douglas-Eigenmarken?

Wir arbeiten intensiv daran. Als Händler:innen haben wir viel mehr Daten als jeder Kosmetikhersteller. Wir haben 44 Millionen „Douglas Beauty Cards“, also Kundenkarten. Wir wissen, was unsere Kund:innen kaufen, wann, wo, wie viel und wie. Wo sie leben, wie alt sie sind. Stellen Sie sich vor, wir würden diesen Datensatz nehmen und ihn mit Informationen anreichern wie zum Beispiel: Wie ist am Wohnort die Luftfeuchtigkeit, wie hart das Leitungswasser, wie oft scheint dort die Sonne … Alles wichtige Faktoren für den Zustand der Haut. Kombiniert mit einer individuellen Skin-Analyse, die man längst per App machen kann. Aus diesem Zusammenspiel ließe sich eine Gesichtscreme herstellen, die viel gezielter wirkt als alles, was ich standardmäßig im Handel finde.

 

Tina Müller (52) studierte BWL und VWL und begann ihre Karriere bei L’Oreal. Später arbeitete sie u.a. für Henkel, ab 2007 als Corporate Senior Vice President. 2013 wechselte sie als Verantwortliche für Marketing und Produkt in den Vorstand von Opel. Seit November 2017 ist Müller Vorsitzende der Geschäftsführung von Douglas.

 

Douglas, gegründet 1821, sitzt in Düsseldorf, hat 20.000 Mitarbeiter und rund 2.400 Filialen in Europa. Unter Tina Müller entwickelt man sich weg vom stationären Handel hin zur digitalen Beautyplattform. Jahresumsatz: 3,2 Mrd. Euro. Der E-Commerce-Anteil stieg zuletzt erstmals auf über 50%.

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