1. Schafft Wiederholung und nutzt den Mere-Exposure-Effekt für Euer Team
Dieser beschreibt ein simples Phänomen: Wir mögen Menschen umso mehr, je öfter wir ihnen begegnen. Nicht, weil wir tiefe Gespräche führen, sondern weil bloße Regelmäßigkeit Sympathie erzeugt. Genau das passiert im Remote-Setup immer weniger.
Heißt: feste Bürotage für ganze Teams statt individueller Wahlfreiheit, kleine Runden in stabiler Besetzung. Wiederholung ist zwar unspektakulär und auch mal unbequem, aber die Grundlage von allem. Schließlich nervt es auch irgendwie, jede Ostern nach Hause zu fahren, ist dann aber doch immer nett.
2. Soziale Fähigkeiten sind eine Kompetenz, also behandelt sie auch so
Wir erwarten nicht, dass jeder Excel oder N8N aus dem Stehgreif kann. Bei sozialen Fähigkeiten tun wir aber genau das. „Reden kann ja jeder” ist ein Trugschluss, den ich oft höre. Wir setzen voraus, dass jemand schwierige Gespräche führen, um Hilfe bitten oder Konflikte ansprechen kann, und wundern uns, wenn es nicht passiert. Wie groß der Wunsch nach Lösung hierfür ist, erlebe ich gerade am einigen Leib: Unsere App zum Training von sozialen Fähigkeiten erreicht in den ersten Monaten +30,000 Downloads.
Soziale Kompetenz ist trainierbar, messbar und entwickelbar, wie andere Fähigkeiten auch. Also plant sie ein: als Budgetposten, als Trainingsangebot, als wiederkehrende Übungsmomente.
3. Lebt Fragenstellen vor
Auch in Eurem Alltag als Führungskräfte gibt es Fragen, die ihr erst einer Kollegin stellen könnten, bevor ihr Claude zurate zieht. Das wirkt auf den ersten Blick ineffizient. Aber das Geschäftsmodell, Zeit konsequent gegen menschlichen Kontakt einzutauschen, hat uns überhaupt erst hierher gebracht.
Und es gibt einen zweiten Effekt: Wenn Führungskräfte sichtbar nicht alles wissen, sinkt für alle anderen die Hürde, auch mal zu fragen. Nichtwissen zu zeigen ist ein Privileg, das man nach unten weitergeben sollte.
4. Gestaltet Räume, in denen etwas passieren kann
Der Soziologe Ray Oldenburg nannte sie Third Places: Orte, die weder Zuhause noch Arbeitsplatz sind und an denen Begegnung ohne Anlass stattfindet. Im öffentlichen Raum verschwinden sie gerade, im Büro haben wir sie oft gleich mit wegoptimiert.
Ein Großraumbüro mit Kopfhörerpflicht ist kein sozialer Raum. Die gute alte Kaffeeküche schon, wenn sie groß genug ist, dass zwei Menschen sich dort begegnen, ohne dass es peinlich wird. Fragt Euch bei Eurer Bürofläche einmal ganz konkret: Wo kann hier ein Gespräch entstehen, das niemand geplant hat?
5. Stellt Fragen
Einsamkeit ist extrem schambehaftet. Niemand meldet sich in der Retro und sagt: Mir fehlt hier Anschluss. Also müsst ihr als Führungskräfte fragen, und zwar so, dass die Antwort nicht peinlich ist. Ein paar Vorschläge, die funktionieren:
• Welche Frage sollte ich Dir öfter stellen?
• Wenn eine Fee käme und sie würde unsere Arbeit ein bisschen sozialer und verbundener machen: Was würde sie ändern?
• Bei welchem Thema bist Du besser als Claude und wir sollten Dich alle dazu zurate ziehen?
• Mit wem im Team hattest Du in den letzten zwei Wochen am wenigsten zu tun?
• Was war zuletzt ein Moment hier, bei dem Du Dich wirklich als Teil von etwas gefühlt hast?
Ich weiß, es klingt ein bisschen verrückt, dass Teile von uns wieder lernen müssen „menschlich“ zu sein. Aber ist das in Zeiten von KI wirklich so verwunderlich? Wer das Thema jetzt versteht und ernst nimmt, macht damit nicht nur langfristig Mitarbeitende, sondern auch das Unternehmen glücklich.