KRISTINA KREISEL
1 Min. Lesedauer

„Für mich ist Langeweile viel gefährlicher als Überarbeitung“

Nicht nur chronische Überlastung, auch permanente Unterforderung im Job kann krankmachen: Expert:innen nennen dieses Phänomen Boreout. Warum es Snocks-CEO Rehan Choudhry deutlich mehr fürchtet und was ihm hilft, trotz eines hohen Pensums leistungsfähig zu bleiben.

„Für mich ist Langeweile viel gefährlicher als Überarbeitung“

STRIVE: Als Gesellschaft sprechen wir endlich offener über Überlastung und Burnout. Jetzt sagst Du, Du fürchtest den Boreout, also das Gegenteil, viel mehr. Warum?

Rehan Choudhry:
Burnout ist ein Zustand, der entsteht, wenn man zu viel macht, zu lange, zu intensiv – und irgendwann leer läuft. Das ist real und es ist wichtig, das ernst zu nehmen. Aber für mich persönlich liegt die größere Gefahr tatsächlich im Boreout.

Dabei legen Studien nahe, dass das Burnout-Risiko gerade im Startup-Bereich besonders hoch ist.
 

Choudhry: Ich brauche ständig Herausforderungen, neue Projekte, Wachstum. Wenn ich merke, dass Dinge zu routiniert oder zu vorhersehbar werden, verliere ich Energie. Dann fällt es mir schwer, motiviert zu bleiben. Für mich ist Langeweile ein viel gefährlicherer Zustand als Überarbeitung, weil sie meine Kreativität und meinen Antrieb lähmt. Deshalb suche ich bewusst nach neuen Impulsen, nach komplexen Aufgaben.

Gab es mal eine Zeit, in der Du das Gefühl hattest, nicht genügend gefordert zu sein? 

Choudhry: Früher habe ich eine Zeit lang als Controller gearbeitet. Anfangs fand ich die Rolle spannend, aber nach ein paar Monaten wurde es ziemlich monoton. Die Aufgaben waren immer ähnlich, hauptsächlich manuelle Reportings. Ich war oft schon nach drei bis vier Stunden mit allem fertig und hatte danach Leerlauf. Gleichzeitig gab es wenig Freiheit, eigene Impulse einzubringen oder Dinge zu verbessern. Das hat sich nach Stagnation angefühlt. Man hat nicht wirklich verstanden, welchen Impact die Arbeit hat, und ich habe mich dabei ehrlich gesagt nicht gebraucht gefühlt. Diese Langeweile war für mich ein Schlüsselmoment.

„Für mich ist Langeweile ein viel gefährlicherer Zustand als Überarbeitung, weil sie meine Kreativität und meinen Antrieb lähmt.“

Rehan Choudhry

Wie definierst Du für Dich gute und sinnvolle Arbeit, die sich nicht nach Stagnation anfühlt?

Choudhry:
Sinnvolle Arbeit heißt für mich, dass ich einen direkten Beitrag leisten kann und den Effekt meiner Tätigkeit sehe. Es geht nicht darum, dass jede Aufgabe immer spannend oder kreativ ist, es gibt in jedem Job Routinen. Aber wenn ich spüre, dass das, was ich tue, Teil von etwas Größerem ist, dann bekommt auch die Routine einen Sinn. Für mich bedeutet sinnvolle Arbeit außerdem, die Freiheit zu haben, Dinge zu gestalten, Entscheidungen zu treffen und neue Impulse zu setzen. Ich brauche dieses Gefühl, dass mein Einsatz etwas bewegt – im Team, im Unternehmen oder für die Kundschaft. Ein gutes Beispiel dafür ist das Ende des vergangenen Jahres.

Damals hat Eure Firma eine weitere Mode-Marke übernommen.

Choudhry:
Genau. Ich habe die Übernahme als Projekt geleitet und Anfang dieses Jahres auch die Integration von femtis. Das war unglaublich viel Arbeit, mit vielen Nachtschichten. Aber es hat mir einen klaren Sinn gegeben: die Vision, ein großes House of Brands aufzubauen. Damit schaffen wir nicht nur Wachstum für uns als Marke, sondern auch neue Chancen für unsere Mitarbeitenden, in ihrer Karriere und persönlichen Entwicklung. Und für mich selbst ist das Wichtigste dabei, ständig Neues zu lernen und mich weiterzuentwickeln.

Klingt nachvollziehbar und doch bleibt bei viel Arbeit das Risiko, eigene Grenzen zu überschreiten. Was tust Du, um langfristig leistungsfähig zu bleiben?

Choudhry:
Natürlich gibt es Phasen, in denen der Druck hoch ist. Um langfristig leistungsfähig zu bleiben und nicht auszubrennen, setze ich daher auf klare Routinen: genug Schlaf, täglicher Sport – das ist für mich ein wichtiger Ausgleich. Sport in der Natur hilft mir dabei besonders: Snowboarden im Winter, Surfen im Sommer. Ich glaube, dass körperliche Aktivität extrem wichtig ist, um die Intensität der Arbeit gut ausbalancieren zu können und den Kopf freizubekommen. Gleichzeitig nehme ich mir bewusst regelmäßig Auszeiten mit meiner Familie. 

Portrait

Rehan Choudhry

CEO von Snocks, Oceansapart und Femtis

Rehan Choudhry ist CEO der E-Commerce-Unternehmen Snocks, Oceansapart sowie der Periodenunterwäsche-Brand Femtis. Er stieß 2019 zum Mannheimer Unternehmen, war zunächst Teamlead Finance, später Chief Financial Officer. Seit Dezember 2023 verantwortet Choudhry das ehemals reine Socken- und Wäschelabel als Geschäftsführer. Er studierte Finance und Accounting an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen.