Nicole Staudinger

Nie mehr sprachlos: 4 Regeln machen Dich im Job sofort schlagfertiger

Im Nachhinein fällt einem meistens eine gute Antwort ein. Aber im Meeting, wenn man überrumpelt wird? Da bleiben viele Menschen still. Welche Techniken helfen, beim nächsten Mal schlagfertiger zu reagieren und warum non-verbale Zeichen oft reichen, erklärt Expertin Nicole Staudinger hier.

Nie mehr sprachlos: 4 Regeln machen Dich im Job sofort schlagfertiger
Foto: Teresa Rothwangl

Kennen Sie das? Eine Kollegin erzählt, wie sie in einem Meeting einfach aufgestanden und gegangen ist, weil ein Kollege fragte, ob sie überhaupt noch anwesend sein müsse. Oder eine Führungskraft, kurz vor der Beförderung zur ersten weiblichen Teilhaberin, wird gefragt: „Wie haben Sie denn vor, sich einzubringen?” und bleibt sprachlos.

Im Nachhinein empören uns oft, verständlicherweise. Doch genau darin liegt das Problem: Empörung lähmt. Sie hält uns in einer passiven Rolle und verhindert, was eigentlich nötig wäre, nämlich im Moment unseren Mund aufzumachen und zu handeln.

Das Problem mit der Empörung

Während wir Wut meistens besser in etwas Produktives umwandeln können, vermag uns Empörung oftmals zu lähmen. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt unbequem daherkomme: Meine Theorie ist, dass es uns Frauen häufiger als Männern am Selbstverständnis fehlt, um aus dieser passiven Empörung herauszukommen.

Wer innerlich zweifelt, ob er wirklich noch im Raum sein darf oder Zweifel hegt, ob sie sich schon genügend eingebracht hat, den bringt ein einziger Windhauch zum Wanken. Daher ist der erste Schritt, um raus aus der Empörung zu kommen: Rein ins Selbstverständnis!

Mit dieser Haltung kommt die schlagfertige Antwort oft von allein. Auf ein „Wie haben Sie sich denn vor einzubringen“ folgt dann ein „Was halten Sie vom Apfelkuchen zum Einstand?“

Wer weiß, wofür er steht, kann einfach sprechen

Nach dem Selbstverständnis kommt die Frage nach dem „Was will ich?”. Erst, wenn diese Basis steht, kommen Sprache, Schlagfertigkeit und der Mut zur Konfrontation. Tacheles reden bedeutet für mich nicht, laut zu sein oder Fronten zu verhärten. Tacheles ist kein Synonym für „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“

Tacheles reden bedeutet, klar zu sein, immer mit Liebe im Gepäck, aber unmissverständlich. Denn wer weiß, wer er ist und wofür er steht, muss nicht kämpfen. Der kann einfach sprechen.

„Ich habe die Theorie, dass Menschen, die weniger denken, besser schlagfertig antworten können, weil sie nicht so sehr in Gedanken verharren wie „Was wird derjenige jetzt von mir denken?“

Nicole Staudinger

Drei Tipps für mehr Schlagfertigkeit im Job

Die Schlagfertigkeit rettet Ihnen die Situation. Sie sorgt dafür, dass Sie binnen drei Sekunden Ihre Souveränität zurückerobern können. Damit Sie direkt heute damit starten können, hier drei Tipps, wie Sie insbesondere im Job sofort schlagfertiger werden:

Tipp 1: Nonverbale Opposition

Um schlagfertig zu sein, müssen Sie nicht immer sofort eine rasende kluge Antwort parat haben. Oft reichen auch non-verbale Zeichen:

• ein tiefer Atemzug 
• die Augenbraue hochziehen oder auch 
• ein nachdenklicher Schritt zurück.

Auch dadurch können Sie zeigen: „Ich habe Dich gehört und ich nehme mir eine Sekunde, um darüber nachzudenken“. Die non-verbale Antwort ist kein perplexes Erschrocken sein, es ist eine Haltung und eine Entscheidung.

Tipp 2: Notfall-2-Silben-Antwort

Ehe Ihnen nichts einfällt, bedienen Sie sich gerne Loriots „Ach was?" oder „Schau an“, „Du Fuchs!“.

Achtung: Der Ton macht die Musik. Bleiben Sie lässig und souverän. Humor ist immer unser erster Versuch.

Tipp 3: Denken Sie weniger!

Ich habe die Theorie, dass Menschen, die weniger denken, besser schlagfertig antworten können. Weil sie nicht so sehr in Gedanken verharren wie „Was wird derjenige jetzt von mir denken“ oder „Was folgen für Konsequenzen?“ Und wenn Sie schon denken, dann gehen Sie bitte immer vom besten aus (das hilft nicht nur in der Schlagfertigkeit!).

Mit dieser Technik kommen die Antworten von ganz allein:

„Das nennen Sie vorbereitet?“ – „Ja!“ (Sie deuten in das Gehörte eben nicht rein, dass irgendwas gefehlt hat.)

„Hast du schon wieder Urlaub?“ – „Ja!“

„Das Outfit ist ganz schön mutig.“ – „Danke. Für Mut bin ich ja bekannt.“

Die Grenzen von Schlagfertigkeit

Wenn eine Person ständig Ihre Grenzen überschreitet, reicht Schlagfertigkeit allein nicht mehr aus. Dann werden Sie um ein Gespräch nicht herumkommen. Um in die Konfliktlösung zu gehen, überlegen Sie sich vorher gut: Was will ich von diesem Gespräch erreichen? Für Sie persönlich und auch für die Beziehung. Ein „Ich will ihm mal sagen, dass er so nicht mit mir reden soll“, ist nicht genug! Gehen Sie tief in sich und seien Sie ehrlich zu sich.

Letzter Tipp: Wenn das alles nicht gefruchtet hat, wenn die Person nicht aufhört, Ihre Grenzen zu überschreiten oder wenn unser gutes Miteinander in Gefahr ist, dann ist „Time for Tacheles“.

Beispiel: Sie bekommen mit, wie sich ein Kollege schwurbelig äußert. Er gibt Parolen von sich, die Sie so nicht stehen lassen können. „Seit der Merkel ist hier ja auch nichts mehr so, wie es mal war…" Auch Tacheles müssen wir so wählen, dass wir Menschen nicht mit dem Rücken zur Wand stellen. Zum Beispiel: „Ich kenne Dich seit so vielen Jahren und nehme Dich als umsichtigen, demokratischen Menschen wahr. Bitte sag mir, wie mein Eindruck von Dir mit dem gerade Gesagten zusammenpasst?“

Es ist keine Garantie, dass das Gegenüber sich ändert oder reflektiert. Aber es ist besser als ein „Das geht mich nichts an". Und es ist der Hebel, den wir haben.

Portrait

Nicole Staudinger

Bestsellerautorin und Expertin für Schlagfertigkeit

Nicole Staudinger ist Expertin für Schlagfertigkeit, Speakerin und Bestsellerautorin. Sie ist Gründerin der Akademe und gibt unter dem Leitbild “Alles, was Frauen stark macht” Seminare zu verschiedensten Themen von Kommunikation bis Resilienz. Vor Kurzem ist ihr neues Buch “Time for Tacheles” im Knaur-Verlag erschienen.

Foto: Paul Hüttemann