Kennen Sie das? Eine Kollegin erzählt, wie sie in einem Meeting einfach aufgestanden und gegangen ist, weil ein Kollege fragte, ob sie überhaupt noch anwesend sein müsse. Oder eine Führungskraft, kurz vor der Beförderung zur ersten weiblichen Teilhaberin, wird gefragt: „Wie haben Sie denn vor, sich einzubringen?” und bleibt sprachlos.
Im Nachhinein empören uns oft, verständlicherweise. Doch genau darin liegt das Problem: Empörung lähmt. Sie hält uns in einer passiven Rolle und verhindert, was eigentlich nötig wäre, nämlich im Moment unseren Mund aufzumachen und zu handeln.
Das Problem mit der Empörung
Während wir Wut meistens besser in etwas Produktives umwandeln können, vermag uns Empörung oftmals zu lähmen. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt unbequem daherkomme: Meine Theorie ist, dass es uns Frauen häufiger als Männern am Selbstverständnis fehlt, um aus dieser passiven Empörung herauszukommen.
Wer innerlich zweifelt, ob er wirklich noch im Raum sein darf oder Zweifel hegt, ob sie sich schon genügend eingebracht hat, den bringt ein einziger Windhauch zum Wanken. Daher ist der erste Schritt, um raus aus der Empörung zu kommen: Rein ins Selbstverständnis!
Mit dieser Haltung kommt die schlagfertige Antwort oft von allein. Auf ein „Wie haben Sie sich denn vor einzubringen“ folgt dann ein „Was halten Sie vom Apfelkuchen zum Einstand?“
Wer weiß, wofür er steht, kann einfach sprechen
Nach dem Selbstverständnis kommt die Frage nach dem „Was will ich?”. Erst, wenn diese Basis steht, kommen Sprache, Schlagfertigkeit und der Mut zur Konfrontation. Tacheles reden bedeutet für mich nicht, laut zu sein oder Fronten zu verhärten. Tacheles ist kein Synonym für „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“
Tacheles reden bedeutet, klar zu sein, immer mit Liebe im Gepäck, aber unmissverständlich. Denn wer weiß, wer er ist und wofür er steht, muss nicht kämpfen. Der kann einfach sprechen.