Du kommst aus über 20 Jahren Markenwelt. Wie landet man beim Thema Erben und Tod?
Ich möchte komplexe Themen zugänglich machen, auch das Erben. Wir optimieren Karriere, Depot und Schlaf, beim Nachlass hoffen wir auf Magie. Es geht um Beziehungen, Verantwortung und das, was bleibt. Ich glaube, Erben kann unsere Gesellschaft retten, wenn wir Vermögen als Gestaltungsmacht begreifen. Für mich ist Erben deshalb zuerst ein Kommunikationsthema.
Was genau ist Will Last?
Will Last ist Dein digitaler Nachlass-Concierge: Du kannst zu Lebzeiten „probesterben“, erkennst offene Fragen, ordnest Deinen Nachlass und erstellst einen ersten Testamentsentwurf. Marie Kondo für das, was andere später ordnen müssen.
Du hast das Thema selbst lange verdrängt. Was hat sich verändert?
Ich habe es nicht verdrängt, sondern prokrastiniert. Zwischen Selbstständigkeit und Kindern fehlte mir eine klare Anleitung. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Zeit Nachlassfragen Menschen gerade in tiefster Trauer kosten. Heute erlebe ich große Offenheit für Gespräche darüber.
Dein erster Probe(st)erben-Post erreichte 15.000 Impressions. War das der Startschuss?
Die Idee stand vorher. Der Post zeigte das Problem: Viele wissen, dass sie handeln müssen, tun es jedoch nicht. Die Aufgabe ist, daraus ein Geschäft zu machen, das Menschen ins Handeln bringt. Nachlassplanung muss raus aus der grauen Juristen- und Todeswelt.
Du sagst: „Vorsorge braucht nicht mehr Angst, sondern mehr Schönheit.“ Warum?
Wenn etwas schön ist, beschäftigen wir uns lieber damit. Amorelie hat Sex aus der Schmuddelecke geholt. Vorsorge braucht keine weiteren Warnungen, sondern einen Zugang, der sich klar und selbstverständlich anfühlt. Schönheit verändert Verhalten.
Du hast mit über 40 Menschen Probe(st)erben durchgespielt. Was hat Dich überrascht?
Vor allem die Bereitschaft. Neun von zehn Gefragten wollten direkt einen Termin. In der Simulation sprechen Menschen schnell über offene Fragen. Sobald es konkret wird, wollen viele wirklich etwas regeln.
Über Tod und Geld spricht man nicht. Wie reagieren die Menschen?
Positiv und erleichtert. Der Tod ist der Moment, ab dem keine Entscheidung mehr möglich ist. Jährlich werden etwa 400 Milliarden Euro weitergegeben. Ob man 1.000 oder 100.000 Euro erbt: Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Dafür brauchen wir Finanzwissen und Verantwortungsbewusstsein. Sobald wir darüber reden, wird aus Tod und Geld Zukunft.
Wie sieht Euer Geschäftsmodell aus?
Wir validieren ein skalierbares digitales Produkt. Noch dieses Jahr startet Will Last Starter inklusive Probe(st)erben Premium: Nutzer simulieren ihren Nachlass, erkennen offene Punkte und werden bis zum ersten Testamentsentwurf begleitet. Eher Taxfix als Onlinekurs. Es soll auf juristische Beratung vorbereiten, sie nicht ersetzen. Weil sich Lebensumstände ändern, soll Will Last langfristig begleiten und an Aktualisierungen erinnern. Darauf bauen weitere B2C- und B2B-Angebote auf.
Warum hast Du den Launch bewusst verlangsamt?
Weil das Thema zu sensibel für „schneller, größer, raus damit“ ist. Wir bewegen uns zwischen Recht, persönlichen Daten und KI. Vertrauen, Transparenz und Sicherheit sind Produktanforderungen.
Was macht Dir beim Aufbau am meisten Respekt?
Ein komplexes Thema so zu übersetzen, dass Menschen handeln. Wir müssen Klarheit schaffen, ohne Sicherheit vorzutäuschen, und Orientierung geben, ohne zu bevormunden. Wir wollen Fachleute ergänzen, nicht ersetzen.
Wie gehen Menschen in fünf bis zehn Jahren mit dem Erben um, wenn Deine Vision aufgeht?
Mein Wunsch: 50 Prozent der Menschen ab 30 haben ein Testament und mindestens eine Person befähigt, im Ernstfall Entscheidungen zu treffen. Über Erben sprechen wir so selbstverständlich wie über Geldanlage. Denn Vermögen ist gespeicherte Gestaltungsmacht. Es geht nicht nur darum, wer etwas bekommt, sondern welche Zukunft wir damit ermöglichen.
Mehr Informationen: www.willlast.de bietet kostenloses Probesterben Basic und eine Testamentscheckliste.