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Warum drei Frauen sichere Karrieren gegen eine gemeinsame Vision eintauschten

Für viele klingt Gründen nach ganz viel Mut. Für die drei Gründerinnen von Harvest Consulting war es vor allem die Konsequenz aus einer klaren Überzeugung: dass Zusammenarbeit, Partnerschaften und Karriere heute anders gedacht werden müssen. Im Interview sprechen wir mit Vanessa Seibicke, Katharina Kübler und Kim Andresen über den Schritt aus sicheren Strukturen und darüber, warum die richtigen Menschen oft wichtiger sind als die beste Idee. 

Warum drei Frauen sichere Karrieren gegen eine gemeinsame Vision eintauschten
Foto: Harvest Consulting

Ihr hattet alle sichere Positionen in einem etablierten Umfeld. Gab es einen Moment, in dem ihr gemerkt habt: Wir wollen nicht nur in einem System arbeiten, sondern eines selbst gestalten?

Vanessa:
Unsere Vorstellungen davon, wie sich die Branche entwickeln sollte, wie Partnerschaften entstehen und wie wir arbeiten möchten, haben sich verändert. Nicht, weil etwas schlecht war. Wir haben unseren Job viele Jahre sehr gern gemacht. Aber wir wollten Dinge künftig menschlicher, moderner und mutiger gestalten. Irgendwann wurde uns klar: Der Job erfüllt uns weiterhin. Also wollten wir ihn unter eigener Flagge weiterführen.

Was war größer: Vorfreude oder Angst?

Vanessa:
Ganz klar die Vorfreude. Natürlich gehört Respekt dazu, wenn man etwas Neues wagt. Gründen stand nie auf meiner persönlichen Lebensplanung, weil ich eigentlich ein Sicherheitsmensch bin. Entscheidend waren die Menschen. Mit Katharina und Kim arbeite ich seit vielen Jahren eng und erfolgreich zusammen. Die gemeinsame Vision und das Vertrauen zueinander haben viel Mut freigesetzt.

Katharina:
Mir ging es ähnlich. Gründen stand auch bei mir nicht auf der Bingokarte. Aber mit den richtigen Menschen an der Seite traut man sich plötzlich Dinge zu, die vorher unvorstellbar waren.

Was war die Realität hinter eurer Entscheidung zu gründen?

Katharina:
Als Angestellte bewegt man sich innerhalb bestehender Strukturen. Irgendwann hatten wir aber eine sehr klare Vorstellung davon, wie wir arbeiten und gestalten wollten. Und dafür gab es keinen Ort. Deshalb fühlte sich Gründen weniger wie ein Karrieresprung an als wie der nächste logische Schritt.

Wann merkt man, dass ein System nicht mehr funktioniert?

Vanessa:
Wenn Menschen Dinge nur noch tun, weil sie schon immer so gemacht wurden. Oder wenn Prozesse mehr Energie kosten, als sie schaffen. Systeme müssen hinterfragt und weiterentwickelt werden. Sonst entsteht irgendwann mehr Reibung als Fortschritt.

Was habt ihr über Ambition gelernt?

Katharina:
Früher habe ich Erfolg stärker mit Titeln, Verantwortung und Aufstieg verbunden. Heute bedeutet Erfolg für mich vor allem Freiheit und Gestaltungsspielraum. Mich beeindrucken Menschen, die ihren eigenen Weg gehen und etwas Eigenes aufbauen.

Kim:
Ich habe Erfolg nie stark mit Titeln verbunden. Verantwortung, Freiheit und die Möglichkeit, selbst etwas aufzubauen, waren für mich immer wichtiger. Ambition heißt für mich, etwas bewegen und eigene Ideen umsetzen zu können.

Worüber diskutiert ihr am häufigsten?

Katharina:
Über Nuancen. Wir bringen unterschiedliche Perspektiven mit und sehen dieselbe Sache manchmal unterschiedlich. Genau daraus entstehen oft die besten Ideen.

Was ist schwieriger: die Geschäftsidee oder die richtigen Menschen?

Vanessa:
Ganz klar die richtigen Menschen. Gute Ideen gibt es viele. Vertrauen, gemeinsame Werte und ein respektvoller Umgang auch unter Druck sind viel seltener und am Ende oft der entscheidende Erfolgsfaktor.

Warum unterschätzen wir persönliche Passung im Job?

Kim:
Weil sie schwerer messbar ist als Erfahrung oder Lebenslauf. Ob Menschen wirklich gut zusammenarbeiten, zeigt sich meist erst mit der Zeit. Langfristig erfolgreiche Beziehungen basieren selten nur auf Leistung, sondern darauf, wie Menschen denken, kommunizieren und zusammenarbeiten.

Gibt es etwas, das euch früher als Karriereerfolg verkauft wurde und das ihr heute kritisch seht?

Katharina:
Dass Karriere automatisch Aufstieg bedeutet. Nicht jeder möchte führen, und nicht jede Führungskraft ist besser als jemand mit fachlicher Expertise. Viele spannende Wege entstehen, wenn Menschen ihren Stärken folgen statt einer klassischen Karriereleiter.

Welchen Rat konntet ihr irgendwann nicht mehr hören?

Vanessa:
„Zu dritt? Das geht nicht lange gut.“ Tatsächlich war genau diese Konstellation für uns immer eine Stärke. Wir kennen unsere unterschiedlichen Stärken, haben klare Rollen und ergänzen uns hervorragend. Für uns war die Dreierkonstellation nie ein Risiko.

Was hat Euch nach der Gründung überrascht?

Vanessa:
Wie wenig Konfliktpotenzial wir bisher hatten. Natürlich diskutieren wir. Aber selbst schwierige Situationen haben wir immer als Team gelöst. Das hat uns gezeigt, wie stark die Kombination aus den richtigen Menschen und gemeinsamen Werten sein kann.

Welche Gespräche über Geld musstet ihr führen?

Katharina:
Die Gespräche selbst waren nicht schwierig. Uns war von Anfang an klar, dass wir offen über Gehälter, Erwartungen und Sorgen sprechen müssen. Geld darf kein Tabuthema sein. Der Unterschied ist: Heute treffen wir diese Entscheidungen selbst und können die Transparenz leben, die wir uns immer gewünscht haben.

Wann lohnt es sich, etwas Eigenes aufzubauen?

Vanessa:
Nicht immer. Wenn ein System offen für neue Perspektiven ist und man mitgestalten kann, kann es sinnvoll sein zu bleiben. Wenn die eigenen Vorstellungen dauerhaft nicht mehr zusammenpassen, entsteht irgendwann der Wunsch, selbst Verantwortung zu übernehmen. Genau an diesem Punkt waren wir.

Was würdet ihr einer 28-jährigen Frau sagen, die mehr will, aber nicht weiß, ob sie bereit ist?

Kim:
Man wartet oft darauf, sich komplett bereit zu fühlen. Ich glaube, dieses Gefühl kommt selten vorher. Wenn sich etwas richtig anfühlt, lass dich nicht zu sehr von der Angst ausbremsen. Meist bereut man eher die Dinge, die man nie ausprobiert hat.

Vanessa:
Niemand fühlt sich vollständig bereit für große Veränderungen. Wenn sich etwas dauerhaft falsch anfühlt, darf man es verlassen. Und wenn sich etwas richtig anfühlt, lohnt es sich meist trotzdem zu springen. Mut wird langfristig oft belohnt.

Was würdet ihr eurem jüngeren Ich sagen?

Katharina:
Man muss nicht in allem gut sein. Viel wichtiger ist es, die eigenen Stärken zu kennen und darauf zu setzen. Die besten Entscheidungen waren oft die, bei denen ich meinen Stärken gefolgt bin statt Erwartungen.

Vanessa:
Nicht jeder Weg muss geradlinig sein. Viele wichtige Entscheidungen entstehen erst unterwegs. Umwege, Zweifel und Richtungswechsel sind oft genau die Erfahrungen, die einen später stark machen.

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Über Harvest Consulting


Harvest Consulting ist eine unabhängige Beratung aus Hamburg, die Unternehmen dabei unterstützt, die richtigen Partner für Kommunikation, Marketing und Markenentwicklung zu finden und erfolgreiche Zusammenarbeit langfristig zu gestalten. Dabei verbindet Harvest KI-gestützte Marktanalyse mit menschlicher Erfahrung aus zahlreichen realen Auswahlprozessen.

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