Ihr hattet alle sichere Positionen in einem etablierten Umfeld. Gab es einen Moment, in dem ihr gemerkt habt: Wir wollen nicht nur in einem System arbeiten, sondern eines selbst gestalten?
Vanessa:
Unsere Vorstellungen davon, wie sich die Branche entwickeln sollte, wie Partnerschaften entstehen und wie wir arbeiten möchten, haben sich verändert. Nicht, weil etwas schlecht war. Wir haben unseren Job viele Jahre sehr gern gemacht. Aber wir wollten Dinge künftig menschlicher, moderner und mutiger gestalten. Irgendwann wurde uns klar: Der Job erfüllt uns weiterhin. Also wollten wir ihn unter eigener Flagge weiterführen.
Was war größer: Vorfreude oder Angst?
Vanessa:
Ganz klar die Vorfreude. Natürlich gehört Respekt dazu, wenn man etwas Neues wagt. Gründen stand nie auf meiner persönlichen Lebensplanung, weil ich eigentlich ein Sicherheitsmensch bin. Entscheidend waren die Menschen. Mit Katharina und Kim arbeite ich seit vielen Jahren eng und erfolgreich zusammen. Die gemeinsame Vision und das Vertrauen zueinander haben viel Mut freigesetzt.
Katharina:
Mir ging es ähnlich. Gründen stand auch bei mir nicht auf der Bingokarte. Aber mit den richtigen Menschen an der Seite traut man sich plötzlich Dinge zu, die vorher unvorstellbar waren.
Was war die Realität hinter eurer Entscheidung zu gründen?
Katharina:
Als Angestellte bewegt man sich innerhalb bestehender Strukturen. Irgendwann hatten wir aber eine sehr klare Vorstellung davon, wie wir arbeiten und gestalten wollten. Und dafür gab es keinen Ort. Deshalb fühlte sich Gründen weniger wie ein Karrieresprung an als wie der nächste logische Schritt.
Wann merkt man, dass ein System nicht mehr funktioniert?
Vanessa:
Wenn Menschen Dinge nur noch tun, weil sie schon immer so gemacht wurden. Oder wenn Prozesse mehr Energie kosten, als sie schaffen. Systeme müssen hinterfragt und weiterentwickelt werden. Sonst entsteht irgendwann mehr Reibung als Fortschritt.
Was habt ihr über Ambition gelernt?
Katharina:
Früher habe ich Erfolg stärker mit Titeln, Verantwortung und Aufstieg verbunden. Heute bedeutet Erfolg für mich vor allem Freiheit und Gestaltungsspielraum. Mich beeindrucken Menschen, die ihren eigenen Weg gehen und etwas Eigenes aufbauen.
Kim:
Ich habe Erfolg nie stark mit Titeln verbunden. Verantwortung, Freiheit und die Möglichkeit, selbst etwas aufzubauen, waren für mich immer wichtiger. Ambition heißt für mich, etwas bewegen und eigene Ideen umsetzen zu können.
Worüber diskutiert ihr am häufigsten?
Katharina:
Über Nuancen. Wir bringen unterschiedliche Perspektiven mit und sehen dieselbe Sache manchmal unterschiedlich. Genau daraus entstehen oft die besten Ideen.
Was ist schwieriger: die Geschäftsidee oder die richtigen Menschen?
Vanessa:
Ganz klar die richtigen Menschen. Gute Ideen gibt es viele. Vertrauen, gemeinsame Werte und ein respektvoller Umgang auch unter Druck sind viel seltener und am Ende oft der entscheidende Erfolgsfaktor.
Warum unterschätzen wir persönliche Passung im Job?
Kim:
Weil sie schwerer messbar ist als Erfahrung oder Lebenslauf. Ob Menschen wirklich gut zusammenarbeiten, zeigt sich meist erst mit der Zeit. Langfristig erfolgreiche Beziehungen basieren selten nur auf Leistung, sondern darauf, wie Menschen denken, kommunizieren und zusammenarbeiten.