Elisa Krebs

Karriere und Kinder: Warum innere Haltung wichtiger ist als die perfekte Planung

Elisa Krebs ist Teil der Geschäftsführung einer Schweizer Software-Firma – und Mutter von drei Kindern. Warum sie findet, dass wir ehrlicher über die Vereinbarkeit von Familie und High-Intensity-Jobs sprechen müssen und warum manches trotz bester Planung nicht vereinbar bleibt, erklärt sie in ihrem Gastbeitrag. 

Karriere und Kinder: Warum innere Haltung wichtiger ist als die perfekte Planung
Foto: Privat

Wenn wir über die Vereinbarkeit von Karriere und Kindern sprechen, geht es oft um Planung und Routinen. Dabei hält sich das Leben selten an Pläne. Wir verkaufen Frauen bis heute zwar die Illusion, dass sie alles gleichzeitig erreichen könnten, wenn sie denn nur gut genug planen. Doch wer das schon einmal versucht hat, weiß: Lebensphasen haben unterschiedliche Kapazitäten.

Meine heutige Rolle als CHRO etwa hätte ich mit drei Kleinkindern zuhause nie ausüben können. Nicht weil meine Planung nicht gut genug wäre, sondern weil Kleinkind-Realität unverhandelbar ist. Wer allen beruflichen und privaten Rollen gleichzeitig gerecht werden will, rutscht schnell in eine Überforderung, die zu Erschöpfung führt. Und das hilft wirklich niemandem.

Ich kann nicht alles gleichzeitig tragen.
Die Wahrheit ist: Es gibt berufliche und private Hochphasen und beides darf sich abwechseln. Eine der prägendsten Entscheidungen in diesem Kontext war für mich die Scheidung von meinem Mann, dem Vater meiner Kinder, vor fünf Jahren. Er blieb mit den Kindern im Haus, ich zog aus. Das war kein Bruch mit der Mutterrolle, sondern eine bewusste Entscheidung und ein Eingeständnis: Ich kann nicht alles gleichzeitig tragen.

„Mit 21 war ich auf Jobsuche und alleinerziehend. Ich spürte, dass ich keine Traumkandidatin war. Seitdem will ich selbst am Entscheidungstisch sitzen. Damit Mütter selbstverständlich die Chance haben, sich weiterzuentwickeln, ohne sich entschuldigen zu müssen.“

Elisa Krebs

Diese Klarheit hat mir innerhalb von fünf Jahren Türen geöffnet, die ich zuvor nicht erreichen konnte. Sie hat mir den Raum für meinen Executive MBA und meine Karriere gegeben. Alles, was ich früher organisiert habe, übernimmt heute mein Ex-Mann. An vielen Terminen nehmen wir nach wie vor gemeinsam teil. Wir haben unsere Rollen bewusst neu verteilt.

Ich liebe meine Kinder, und ich liebe meine Arbeit
Ich habe verstanden, dass mich ein klassisches Familienmodell nicht erfüllt. Für mich braucht es die Kombination aus Muttersein und beruflicher Wirksamkeit. Ich liebe meine Kinder, und ich liebe meine Arbeit. Und ich weiß heute: Jede Frau darf definieren, was für sie stimmig ist. Und das in ihrem Tempo und Rhythmus.

Was mich bis heute leitet, ist ein einfacher Gedanke: Am Ende ist Erfolg zwischen Karriere und Kindern keine Frage der gearbeiteten Stunden. Es ist eine Frage der Haltung und des Muts, den eigenen Weg zu gehen, Erwartungen zu hinterfragen und Entscheidungen zu treffen, die nicht allen gefallen, aber notwendig sind, um uns selbst treu zu bleiben.

Wir müssen aufhören, Frauen zu erzählen, sie könnten in jeder Lebensphase alles parallel erreichen.

Portrait

Elisa Krebs

Chief Human Resources Officer

Elisa Krebs ist Chief Human Resources Officer und Mitglied der Geschäftsführung der Löwenfels Partner AG. Bei dem Software-Unternehmen verantwortet sie die strategische Planung des HR-Bereichs sowie die Weiterentwicklung der insgesamt 90 Mitarbeitenden. Krebs ist Mutter von drei Kindern und lebt bei Zug in der Schweiz.

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