Ika Amonath

100 Bewerbungen, kein Job: Headhunterin erklärt, wie du trotz Krise überzeugst

Mehr als jede dritte Firma will dieses Jahr Stellen streichen oder hat es bereits getan. Entsprechend zäh ist die Jobsuche geworden. Hier verrät Headhunterin Ika Amonath, wie Du Deine Chancen signifikant steigerst und welche drei Fragen Du Dir vor der nächsten Bewerbung stellen solltest.

100 Bewerbungen, kein Job: Headhunterin erklärt, wie du trotz Krise überzeugst

Der Arbeitsmarkt derzeit ist schwierig. Das stimmt. Aber weißt Du, was ich in meiner Inbox täglich lese? Menschen, die sich vorab schon entschuldigen. Das klingt dann in etwa so:

„Hallo Ika, ich bin leider schon über 50."

„Hallo Ika, ich weiß der Markt ist gerade schwierig, aber..."

„Hallo Ika, bei mir klappte es bislang nicht, weil…"

Bitte macht das nicht. Das größte Problem, warum gute Leute derzeit keinen Job finden, besteht meistens nicht im Lebenslauf, sondern im Kopf. Wer die 18. Bewerbung nach 17 Absagen mit der Haltung „Wird eh nichts“ schreibt, sendet das auch aus. Man liest es zwischen den Zeilen. Das ist wie ein Lächeln am Telefon. Man sieht es nicht, aber man spürt es.

Warum Deine Haltung die Grundlage einer guten Bewerbung ist

Der Gegenentwurf? „Die werden sich freuen, meinen Lebenslauf zu lesen. Ich passe genau auf diese Stelle.“

Klingt ungewohnt? Vielleicht. Funktioniert trotzdem. Denn diese Haltung verändert, wie Du schreibst, wie Du auftrittst, wie Du Dich präsentierst. Und damit bist Du vielen bereits einen Schritt voraus.

Funktioniert Dein Lebenslauf?

Der zweite große Fehler, den ich aktuell häufig beobachte: Der Lebenslauf erzählt die falsche Geschichte. Teste Deinen CV einmal ehrlich: Kann jemand innerhalb von zwei Minuten verstehen, was Du beruflich kannst, wofür Du stehst und welchen Mehrwert Du bringst? Wenn nicht, ist er zu kompliziert.

Außerdem wichtig: Priorisiere Deine Aufgabenbereiche und zeig, welche Wirkung Du in Deinen letzten beruflichen Stationen hattest.

Schreib nicht: „Zuständig für Vertrieb.“

Sondern: „Neukundengeschäft Bereich X aufgebaut und Umsatz um 18 Prozent gesteigert.“

Recruiting funktioniert heute extrem schnell. Erst liest HR, danach die Fachabteilung. Es muss in den ersten 120 Sekunden klar werden, was Du kannst und was Du bewegt hast. Benenne also Deinen Impact, Deine Tools und wenn Du Führungskraft bist, auch Deine Teamgröße klar.

„Teste Deinen CV einmal ehrlich: Kann jemand innerhalb von zwei Minuten verstehen, was Du beruflich kannst, wofür Du stehst und welchen Mehrwert Du bringst? Wenn nicht, ist er zu kompliziert.”

Ika Amonath

„Schnell bewerben" ist nicht dein Freund

LinkedIn zeigt 457 Bewerber:innen und Du drückst auch mal eben schnell auf den Knopf? Das könnte tricky werden.

Schau Dir das Unternehmen lieber etwas ausführlicher an. Lies zwischen den Zeilen. Schau, wer dort arbeitet. Schreib wenigstens einen Satz, der zeigt: Ich habe mich wirklich mit Euch beschäftigt. Ja, auch wenn kein Anschreiben gefordert ist. Mach Dich sichtbar! Das machen die wenigsten. Und genau deshalb wirkt es.

Trotzdem nur Absagen? 3 Dinge solltest Du checken

Wenn Du aktuell nur Absagen bekommst, stell Dir zuerst eine wichtige Frage: Wirst Du erst im Gespräch aussortiert oder kommst Du gar nicht erst hinein? Wenn Letzteres der Fall ist, solltest Du Deinen Lebenslauf kritisch prüfen:

Ist Dein Wissen sichtbar?
Ist Dein Profil schnell erfassbar?
Sind Deine Erfolge konkret formuliert?

Zusätzlich lohnt sich fast immer ein Update des LinkedIn-Profils: aktuelles Foto, klare Zusammenfassung, aktuelle Stationen. Um zu signalisieren, dass Du „Open to Work“ bist, musst Du nicht zwingend den grünen Banner aktivieren. Aber sei auffindbar für Recruiter:innen, das ist ein einfacher erster Schritt.

Und dann, vor allem, ich wiederhole mich: Denk positiv. Du bist eine Fachkraft. Du wirst gesucht. Der Markt ist zäh, aber du bist zäher. Morgen ist ein neuer Tag. Leg los.

Portrait

Ika Amonath

Headhunterin

Ika Amonath ist selbstständige Headhunterin und Geschäftsführerin der Personalvermittlung KarriereKomplizen. Ihr Fokus liegt auf Active Sourcing, also der Direktansprache von passenden Kandidat:innen ohne vorherige Bewerbung. Amonath lebt und arbeitet in Eckernförde in Schleswig-Holstein.