Svenja Bremer

Förderkredite: Das System ist nicht für Gründer:innen gebaut

Die Geschäftsidee ist ausgereift, doch noch fehlen die finanziellen Mittel für die Umsetzung. Beraterin Svenja Bremer verrät, welche strategischen Fragen man beantworten können sollte, um sich beim Bankgespräch einen echten Vorteil zu verschaffen.

Svenja Bremer
Foto: Privat

Clara wollte loslegen. Ein kalkuliertes Konzept, ein Gespür für ihre Zielgruppe und ein Ladenlokal für Kunst in Köln. Ihr Businessplan war solide, der Kapitalbedarf realistisch. Ihre Bankberaterin erkannte das Potenzial sofort, die Förderung passte, der Antrag war reine Formsache. Wenige Wochen später war alles bewilligt.

Die Bank als unüberwindbare Hürde?

Doch solche Erfolgsgeschichten sind selten. Viele Solo-Selbstständige mit ebenso tragfähigen Plänen scheitern, bevor sie überhaupt den Antrag stellen.

Manchmal fehlt das Wissen über Fördermöglichkeiten, oft wirkt der Weg zur Bank wie eine unüberwindbare Hürde. Passt ein Geschäftsmodell nicht in etablierte Raster, führen fehlende Sicherheiten oder eine kurze Historie fast zwangsläufig zur Ablehnung.

Auch wenn ein Businessplan noch Lücken aufweist, sollten Bankgespräche Raum bieten, um nachzufragen und im besten Fall gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Svenja Bremer

Dabei existieren Programme wie das KfW StartGeld, die genau für diese frühen Phasen gedacht sind. Es deckt Gründungen bis 200.000 Euro ab, wobei die KfW 80 Prozent des Ausfallrisikos übernimmt.

Die klassische Risikoprüfung steht Gründer:innen im Weg

Trotz dieser staatlichen Haftungsfreistellung verharren viele Hausbanken in klassischen Risikoprüfungen und fordern Sicherheiten oder familiäre Bürgschaften, die Gründer:innen oft nicht leisten können.

Wie schnell das zur Stolperfalle wird, zeigt ein weiteres Beispiel: Eine erfahrene Wirtschaftspsychologin plante ihre eigene Coaching-Praxis. Der Plan war schlüssig, der Finanzbedarf nachvollziehbar. Und das Feedback darauf? Das Modell sei schwer einzuordnen, Sicherheiten nicht gegeben. Der Förderantrag scheiterte, der Start der Praxis wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Barriere beginnt oft schon vor dem Banktermin im Kopf: Wer sich keine Chancen auf einen Kredit ausrechnet, fragt gar nicht erst an. Die Sorge vor Ablehnung verhindert, dass überhaupt über Finanzierung gesprochen wird.

Es gibt mehr Institute als nur die Hausbank...

Hinzu kommt ein verbreiteter Irrtum: Viele wissen nicht, dass sie frei entscheiden können, bei welcher Bank sie den Antrag stellen. Es muss nicht zwingend das Institut sein, bei dem bereits ein Geschäftskonto besteht. Eine Bank mit echter Gründungsexpertise kann den entscheidenden Unterschied machen.

Damit Förderkredite keine Theorie bleiben, braucht es mehr als nur einen Plan. Wer diese vier Fragen präzise beantworten kann, verschafft sich einen echten Vorteil:

  • Investitionen: Was ist zwingend notwendig und warum?
  • Einnahmen: Welche Zuflüsse sind in welchem Zeitraum realistisch?
  • Liquidität: Wie entwickelt sich der Cashflow und wie groß ist der Puffer?
  • Privatbedarf: Welche Lebenshaltungskosten müssen gedeckt sein?

Förderprogramme sind vorhanden, Kapital auch. Doch es braucht einen Dialog auf Augenhöhe. Denn wenn Gründungen scheitern, liegt es oft nicht am Geschäftsmodell, sondern an mangelnder Kommunikation.

Ein Kredit ist keine reine Transaktion, sondern der Beginn einer Partnerschaft. Dafür braucht es Vertrauen, auf beiden Seiten. Auch dann, wenn ein Businessplan noch Lücken aufweist, sollten Bankgespräche Raum bieten, um nachzufragen, weiterzudenken und im besten Fall gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Gerade in frühen Phasen der Gründung ist ein zweiter Blick oft entscheidend. Es liegt an uns, Brücken zu bauen, mit besseren Informationen, passender Vorbereitung und dem Mut, das Bankgespräch dennoch zu suchen. Und es liegt an den Banken, offen zu bleiben für das, was nicht schon in Excel steht.

Portrait

Svenja Bremer

Gründungs-, Nachfolge- und Unternehmensberaterin

Svenja Bremer ist selbstständige Gründungs-, Nachfolge- und Unternehmensberaterin mit mehr als zehn Jahren Erfahrung.

Sie verfügt über einen Master in Business Consulting und Digital Management sowie einen Bachelor mit Schwerpunkt Financial Management. Zwölf Jahre Berufserfahrung bei der KfW, sowie ihre Arbeit als Unternehmensberaterin und Dozentin bei der Handwerkskammer Köln prägen ihren strategischen und finanzierungsorientierten Blick auf Gründungen, Nachfolgen und Wachstumsprozesse.

In ihrer Beratung unterstützt sie Gründer:innen, Nachfolger:innen und Unternehmer:innen dabei, Geschäftsmodelle tragfähig zu entwickeln, Marktbedürfnisse zu prüfen und Finanzierungskonzepte solide aufzubauen. Ihr Fokus liegt auf wirtschaftlicher Substanz, klar kalkulierten Zahlen und Strategien, die langfristig tragen.

Zudem ist sie Gründerin der Plattform WHO IN und I’M IN sowie Initiatorin des Female Founders Festival.

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