Wolfgang Jenewein und Oliver Böhm

vor 5 Tagen

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Warum Führungskräfte jetzt Zuversicht vermitteln müssen

Die Stimmung in vielen Büros ist schlecht. Weniger als die Hälfte der Arbeitnehmenden denken, dass ihre Organisation ihre beste Zeit noch vor sich hat. Das ist Gift für die Leistungsfähigkeit und den Erfolg von Teams. Wie Chef:innen jetzt neue Zuversicht vermitteln - und warum das so wichtig ist.
Warum Führungskräfte jetzt Zuversicht vermitteln müssen
Wolfgang Jenewein ist Professor für Leadership und arbeitet als Coach mit Führungskräften großer Konzerne | Foto: Jenewein

Wir stehen als Wirtschaft und Gesellschaft vor gewaltigen Aufgaben. Eine aktuelle Befragung zeigt: Damit der Wandel gelingt, brauchen wir vor allem wieder mehr Zuversicht in Organisationen. Führungskräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Emotionen machen den Unterschied

Die Pandemie hat viele Menschen erschöpft zurückgelassen. Die Kriege in der Ukraine und in Palästina schüren Ängste. Der Vormarsch von KI birgt neben Chancen auch viele Unwägbarkeiten. In der Politik übertönen ein gereiztes Klima und erhitzte Gemüter den konstruktiven Dialog. Wenn Verantwortliche dann mehr übereinander als miteinander reden, sinken die Chancen für echten Aufbruch.

 

Bei vielen schleicht sich das Gefühl ein: Besser wird es nicht mehr. Nur 44 von 100 Beschäftigten sind zuversichtlich, dass die besten Zeiten für ihre Organisation noch vor ihnen liegen. Eine solche emotionale Stimmungslage ist Gift für jede positive Veränderung. Wer Führungsverantwortung hat, muss deshalb jetzt gegensteuern.

Wie Sie als Führungskraft Zuversicht vermitteln

Mit einigen beherzten Entscheidungen können Führungskräfte dazu beitragen, die Zuversicht in ihrem Team zu stärken.

 

Erstens: Fokussieren Sie sich im Change weniger auf den perfekten Masterplan, sondern auf die richtige Einstellung der Menschen in Ihrem Team. Selbst die beste Strategie greift nicht, wenn sie die Menschen emotional abhängt. Erfolgreiche Veränderung erfordert darum mehr als Zahlen, Daten und Fakten. Sie braucht vor allem ein positives, emotionales Momentum: Ein Gefühl der Zuversicht, die Zukunft aktiv gestalten und einen echten Unterschied machen zu können.

 

Zweitens: Begeistern Sie Ihr Team mit einer aktivierenden Vision. 56 Prozent der Beschäftigten geben an, dass ihr Unternehmen keine attraktive Vision für die Zukunft hat. Dabei steckt in einem bedeutsamen Zielbild ein großes motivatorisches Potenzial: Sie steigert die Zuversicht im Team um bis zu 33 Prozent. Die Absicht, auf Dauer im Unternehmen zu bleiben, sogar um 50 Prozent. Gehen Sie darum in den offenen Dialog mit Ihrem Team. Definieren Sie gemeinsam, wofür es sich auch in unsicheren Zeiten zu kämpfen lohnt.

 

Drittens: Machen Sie ein positives Miteinander zur Priorität. Nicht die perfekte Struktur oder der ausgereifteste Prozess führen am Ende zum Erfolg. Sondern das Ausmaß, in dem sich die Menschen in ihrem Team aufeinander verlassen können und sich persönlich miteinander verbunden fühlen. Wer sich in unsicheren Zeiten als Teil einer echten Gemeinschaft fühlt, ist um bis zu 20 Prozent zuversichtlicher. Nutzen Sie deshalb die Kraft eines starken Miteinanders. Setzen Sie weniger auf Zahlen, sondern auf Menschen und ihre Potenziale als Basis für langfristigen Erfolg.

Die besten Zeiten liegen noch vor uns

Wer als Sportler pessimistisch, frustriert und defensiv in einen Wettkampf geht, hat meist schon verloren, bevor das Match beginnt. So ist es auch in unserer Wirtschaft und unseren Unternehmen. Je schwieriger es wird und je anspruchsvoller das Umfeld, desto mehr gilt: Wer zuversichtlich ist, kommt trotz aller Unwägbarkeiten ins Tun und hat gute Chancen, sein volles Potenzial zu aktivieren.

 

Führungskräfte müssen darum den emotionalen Nährboden für erfolgreiche Transformation legen. Hoffnung und Optimismus allein machen noch keine erfolgreiche Strategie. Doch ein emotionales Momentum, das auf Zuversicht gründet, schafft genau dafür die Basis.

 

Wir sind überzeugt: Wenn wir jetzt zusammenhalten und Organisationen zu Orten der Zuversicht machen, dann liegen die besten Zeiten noch vor uns.

 

Über die Gastautoren

Prof. Dr. Wolfgang Jenewein (55) ist Gründer und Geschäftsführer der Jenewein AG sowie Titular-Professor für Leadership an der Universität St. Gallen. Er forscht und lehrt zu Themen wie positiver Führung und kultureller Transformation, berät als Coach internationale Großkonzerne auf Vorstandsebene und arbeitet mit diversen Hochleistungsteams aus dem Sport zusammen.

 

Dr. Oliver Böhm (32) ist Partner bei der Jenewein AG und Initiator des Zuversichtsindex. Zudem forscht er im Bereich Transformation und Organisationspsychologie.

 

| Foto: Jenewein

Oliver Böhm ist Co-Autor dieses Gastbeitrags für STRIVE und beschäftigt sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit dem Thema Zuversicht und welche Rolle Führungskräfte dabei spielen.

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