Auch Sophie Chung hat diese Phase zwischen dem alten und dem neuen Geschäftsmodell als hochemotional erlebt. „Zwei Jahre, eine lange Zeit, waren wir während Corona im Überbrückungsmodus. Immer mit dem Hintergedanken, zum alten Business zurückzukehren, sobald sich alles normalisiert hat“, sagt sie. Im Herbst 2022 fiel dann die Entscheidung, dauerhaft im B2B zu bleiben. „Das war, als würde ich mit einer Person Schluss machen.
Doch ich musste mir eingestehen, dass ich so den größten Beitrag für ein besseres Gesundheitssystem leisten kann“, sagt Breuer. Die Vision, Menschen direkt zu helfen, blieb wichtig. Auch wenn ihre Kunden jetzt Krankenhäuser sind, die mit ihren Patient:innen digital besser kommunizieren und effizienter arbeiten. Manchmal muss man sich von geliebten Ideen trennen, damit das große Ganze wieder stimmt. Die Vision bleibt, auch wenn der Weg sich ändert.
Team und Kommunikation: Sind alle an Bord?
Der Pivot betrifft nie nur die Gründer:innen, sondern das gesamte Team. Die Umstellung von B2C auf B2B etwa bedeutet völlig neue Rollen, andere Anforderungen, oft auch einen Kulturwandel. „Repetition is key“, meint Sophie Chung. Die neue Story muss also immer wieder erzählt werden, bis sie im Team ankommt. In ihrem Fall wurden etwa aus Patient:innen Kund:innen, eine ganz andere Perspektive. Der interne Change zog sich über Monate. Auch nach außen braucht es nach einem Pivot ein anderes Narrativ.
Kimberly Breuer rekapituliert: „Rückblickend hätten wir es uns wahrscheinlich leichter gemacht, wenn wir beim Pivot direkt ein komplett neues Branding entwickelt hätten.“ 2024 kam ein neuer Name für Likeminded, bedingt durch die Fusion mit dem einstigen Wettbewerber Nilo.
Durch den Zusammenschluss wurde deutlich, wie sich die unterschiedlichen Erfahrungen der beiden Teams ergänzten. Während Nilo Health von Beginn an stark auf Geschäftskund:innen ausgerichtet war, brachte das ehemalige Likeminded-Team wertvolle Erfahrungen aus dem B2CBereich mit.
Aus beiden Perspektiven konnte ein neues Branding entstehen. Hinzu kommt: Auch Investor:innen müssen überzeugt werden. Gerade für VC-finanzierte Startups wie Qunomedical ist das nächste Fundraising entscheidend. „Mal ganz ehrlich: Die meisten Geldgeber:innen hätten wahrscheinlich getippt, dass wir Corona als Unternehmen überhaupt nicht überleben“, sagt Gründerin Chung. Sie ist überzeugt: „Mit der alten Story wäre das Fundraising nicht erfolgreich gewesen.“ Auch Kimberly Breuer konnte ihre Investor:innen überzeugen, weil sich schnell zeigte, dass viele Unternehmen ihren Angestellten Mental-Health-Angebote zur Verfügung stellen wollten.