STRIVE-Redaktion

vor 17 Tagen

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Welche 3 Eigenschaften Top-Führungskräfte heute brauchen

Alle reden von exzellentem Leadership. Doch was ist das eigentlich? Führungskräfte-Coach Steffen Elbert erklärt, was herausragende Chef:innen ausmacht und warum "Innere Fesseln" der Schlüssel dafür sind.
Welche 3 Eigenschaften Top-Führungskräfte heute brauchen
Die Anforderungen an Führungskräfte sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen

STRIVE: Herr Elbert, noch nie wurde Führungskräften so sehr auf die Finger geschaut wie heute. Alle erwarten exzellentes Leadership. Selbst Chef:in sein wollen dagegen immer weniger. Woran liegt das? 

 

Steffen Elbert: Dazu kann ich leider nichts Allgemeingültiges sagen. Meine Erfahrung ist zudem eine andere: Ich erlebe eine nachhaltig große Begeisterung für Führungsaufgaben, insbesondere für die Rolle an der Spitze von Organisationen. Hier wirken die vielfältigen Einschränkungen und Rahmenbedingungen, die es manchen Führenden im Mittelmanagement – in den sogenannten “Sandwich-Positionen” – schwer machen, natürlich aber auch immer weniger. An der Spitze haben Führende maximalen kreativen Gestaltungsspielraum, und das motiviert viele.

 

Was sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die herausragende Führungskräfte auf Top-Ebene heute brauchen?

 

Die Personalberatung "Egon Zehnder" hat in einer weltweiten Umfrage unter rund 1000 CEOs herausgefunden, dass die wichtigsten Kompetenzen von Top-Führungskräften heute – und in Zukunft – Beziehungsorientierung, Selbstreflexion und Anpassungsfähigkeit sind. Es geht also zunehmend darum, sich als Führungskraft auch als Mensch „hinter“ der Rolle zu zeigen, anstatt sich hinter organisatorischer Autorität oder reiner Sachlichkeit zu verstecken.

 

Es geht darum, seinen eigenen Beitrag zu dem, was vielleicht nicht so gut läuft, zu erkennen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Und es geht darum, lebendig und flexibel eine sich ständig verändernde Welt aktiv zu gestalten, in guter Balance zwischen Altem und Neuem. Herausragende Führung auf Top-Ebene bedeutet also vor allem das Gestalten von Beziehungen – zu anderen, aber vor allem auch zu sich selbst und zu allen eigenen inneren Anteilen. 

 

Was unterscheidet eine gute Führungskraft von einer exzellenten? 

 

Insbesondere auf den obersten Führungsebenen sind die meisten Führungskonzepte in der Regel hinlänglich bekannt und differenzieren Führende nicht mehr voneinander. Der Weg zur Führungsexzellenz führt dann nur noch über die Arbeit an sich selbst: Wo stehe ich mir mit meinen Denk- und Verhaltensmustern selbst im Weg? Wo verfalle ich beispielsweise in Perfektionismus oder Mikromanagement, wo behandele ich die Mitarbeitenden wie Maschinen, wo bin ich selbst getrieben von einem Höher-Schneller-Weiter und kenne keine Grenzen? Wo reagiere ich emotional über oder will es unbedingt allen recht machen? Nur nach Bearbeitung dieser „Inneren Fesseln“ kann ich wirklich exzellent führen. 

| Foto: privat

 

Kann jede:r diese „Inneren Fesseln“ lösen und damit exzellente Führung lernen? Oder gibt es Talente, die ich einfach haben muss, die kein Training der Welt wett machen kann? 

 

Prinzipiell kann jede:r an den „Inneren Fesseln” arbeiten. Voraussetzung ist, dass ich diese erkennen und einschätzen kann – es braucht also eine zumindest grundlegende Fähigkeit zur Selbstreflexion.

 

Häufig sind wir uns tief in uns unserer „Inneren Fesseln” bewusst, haben aber im Laufe unserer Karriere „work-arounds“ geschaffen, die die Fesseln verdecken, verniedlichen, relativieren. Hier braucht es einen klaren, unverschleierten Blick auf uns selbst – der nicht immer leichtfällt. Denn die Schwierigkeit zur Selbstreflexion kann selbst eine sehr machtvolle „Innere Fessel” sein.  

 

Bei „Becoming CEO“, unserem hochkarätig besetzten Weiterbildungsprogramm für weibliche Führungskräfte, lernen unsere Teilnehmerinnen im Modul „Leadership“ in intensiven Vor-Ort-Sessions direkt von Ihnen. Worauf darf ich mich als Teilnehmerin einstellen? Was nehme ich aus dem Workshop mit Ihnen mit?  

 

Im Workshop „Leadership” werden die Teilnehmerinnen eingeladen, sich zunächst einmal grundlegend mit ihren „Inneren Fesseln” vertraut zu machen, diese zu erkennen und einzuordnen. Zudem erforschen wir gemeinsam mögliche Wurzeln dieser oft sehr hartnäckigen und veränderungsresistenten Muster.

 

In meinem Ansatz der trauma-sensiblen Führungskraftentwicklung gehe ich davon aus, dass die „Inneren Fesseln” Überlebensstrategien aus frühen, traumatischen Erfahrungen in unserem Leben sind. Dieser Ansatz führt häufig zu einer tatsächlich nachhaltigen Veränderung der Muster. Deshalb ist der „Becoming CEO“-Workshop ein sehr guter, erster Einstieg, um mich mit meinen „Inneren Fesseln” zu beschäftigen und danach mein volles Führungspotenzial zeigen und anwenden zu können. 

 

Warum lohnt es sich, die Extrameile zu gehen und als Führungskraft an sich zu arbeiten?

 

Meine Klient:innen berichten regelmäßig davon, dass sie durch die Arbeit an ihren „Inneren Fesseln” viel gelassener, in sich ruhender, ausgeglichener und souveräner geworden seien. Sie haben eine deutlich ausgeprägtere Führungspräsenz entwickelt und gehen achtsamer, liebevoller, versöhnlicher mit sich und anderen um. Für viele hat die Arbeit massive Auswirkungen auf Beruf und Privatleben – die sie dem Ziel eines „Guten Lebens“ ein ganzes Stück näherkommen hat lassen. 
 

Über den Experten:

Dr. Steffen Elbert (Jahrgang 1964) begleitet Führungskräfte der obersten Führungsebenen insbesondere dort, wo diese sich auf dem Weg zur Führungsexzellenz selbst im Weg stehen. Er ist seit 2014 in selbstständiger Praxis in Hamburg tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf der traumasensiblen Führungskräftentwicklung.

 

Vor seiner Selbstständigkeit war der promovierte (Bio-)Chemiker über zwei Jahrzehnte als Berater und Partner bei zwei internationalen Marktführern der Strategie- und Personalberatung tätig (The Boston Consulting Group, Egon Zehnder). Er ist umfassend in systemischem und hypnosystemischem Arbeiten, Psychotraumatologie und Aufstellungsarbeit ausgebildet. 2022 erschien sein erstes Buch: „Innere Fesseln lösen – befreit führen. Führungspotenziale entwickeln“ (Schäffer-Poeschel, Stuttgart). Ab 2025 bietet Elbert zudem eine Fortbildung in traumasensibler Führungskräftentwicklung für Beratende und Coaches an.

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