Wo man hinblickt, ist Krise. Für viele Führungskräfte heißt das ganz offensichtlich: die Zügel wieder enger fassen, wieder mehr Durchgriff, Hierarchie, autoritäres Führen. So lässt sich das Ergebnis unserer Studie „In ungewissen Zeiten: Zuversicht und die veränderte Rolle von Führung im Unternehmenskontext“ zusammenfassen. Reflexhaft befürworten darin zwei Drittel der befragten Führungskräfte autoritäre Führung. Die statistischen Daten legen nahe, dass damit eine intuitive Selbststabilisierung und eigenes Sicherheitserleben erreicht wird.
Überraschend ist dieser Effekt grundsätzlich nicht. Das zyklische Pendeln zwischen autoritären und liberalen Arbeitsstrukturen ist in der Wirtschaft nichts Neues, und das Comeback von autoritärer Führung wird als vermeintlich zwangsläufige Folge der Krise wenig hinterfragt. Das Fatale ist allerdings: Die Bedürfnisse der Mitarbeitenden, so ein weiterer Outcome der Befragung, weichen in der Krise deutlich von denen der Führungskräfte ab. Mitarbeitende zeigen demnach kein Bedürfnis nach klaren Ansagen und Durchgriff, sondern vielmehr nach mehr Strukturklarheit und (sozialen) Regeln sowie deren Einhaltung.
Außerdem scheint den Mitarbeitenden in derHyperindividualisierung unserer Zeit (alles wird am „Ich“ gespiegelt) eine Rückkehr ins „Wir“ als unerlässlich, um die Krisen erfolgreich zu bewältigen. Sie wollen als Team weiterhin mitdenken, mitgestalten, das Gegenteil von autoritärer Führung also leben.
Auch inhaltlich sind die Konsequenzen eines autoritären Führungsstils fatal, vor allem in Krisenzeiten. Er führt dazu, dass der Einfluss der Mitarbeitenden auf die Arbeitsgestaltung deutlich sinkt – und damit auch ihr Selbstwirksamkeitserleben bei der Bewältigung der Herausforderungen, weil sie nur noch nach Anweisung handeln. Das Gefühl, über einen gewissen Einfluss zu verfügen und wirksam zu sein, ist aber eine elementare Voraussetzung für Menschen, Krisen gut zu bewältigen und produktiv zu sein.