STRIVE Magazine
1 Min. Lesedauer

Beförderung, Downshifting, Kündigung: Wie Sie herausfinden, was der richtige Schritt ist

Neues Jahr, neue Vorsätze, und neuer Job? Viele Menschen beginnen das Jahr mit dem Wunsch nach beruflicher Neuorientierung. Doch wie finde ich heraus, ob es wirklich Zeit für einen Wechsel ist? Und welche Fragen helfen, Klarheit über den eigenen Traumjob zu finden? STRIVE hat Karriere-Coach Dr. Bernd Slaghuis befragt. 

Beförderung, Downshifting, Kündigung: Wie Sie herausfinden, was der richtige Schritt ist
Dr. Bernd Slaghuis, Karriere- und Business-Coach | Foto: Armin Zedler

STRIVE: Viele Menschen starten mit dem Vorsatz ins neue Jahr, den Job zu wechseln oder zumindest endlich anzusprechen, was sie schon lange stört. Merken Sie das bei Ihren Klient:innen?

Dr. Bernd Slaghuis:
 Ich spüre es in den 15 Jahren meiner Arbeit als Karrierecoach jedes Jahr. Der Januar ist der Monat mit der höchsten Nachfrage. Die meisten meiner Klient:innen machen den Wechselimpuls nicht am Tag des Jahreswechsels fest, sondern tragen die Unzufriedenheit schon lange mit sich herum. Dennoch lädt der Jahreswechsel dazu ein, das eigene Leben zu reflektieren und sich neue Ziele zu setzen.

Wie erkenne ich dabei, ob mein Veränderungswunsch wirklich Substanz hat oder nur das Ergebnis einer kurzfristigen Neujahrseuphorie ist?

Viele Veränderungswünsche haben zu Beginn wenig Substanz und es ist wichtig, sich zu erlauben, auch verrückte oder unrealistisch erscheinende Gedanken zuzulassen sowie weiterzudenken. Jede Veränderung bedeutet Unsicherheit. Die Klarheit über den Weg zu einem Ziel darf wachsen. Dass dieser Wunsch mehr ist als nur eine Silvesterlaune, spüren viele an der Realität am ersten Tag im neuen Jahr zurück im alten Job.

Wenn mit diesem ersten Arbeitstag Frust einhergeht, ich unzufrieden bin, aber nicht weiß, was ich stattdessen will. Was raten Sie?
Das ist normal, also keine Panik. Viele kommen mit einem eindeutigen „Ich muss da raus“ zu mir, sehen das „Hin-zu“ jedoch noch nicht. Entscheidend ist, das Gedankenkarussell des Alten zu verlassen und mit echter Neugierde nach vorne zu blicken. Dieser Perspektivwechsel darf dauern, auch wenn die meisten am liebsten sofort Bewerbungen rausschicken würden.

Dabei ist eine Kündigung nicht immer die Lösung. Wie finde ich heraus, was der richtige nächste Schritt ist? Welche konkreten Fragen helfen hier?
Ich starte häufig mit meinem Werte-Tool. Hier geht es darum, was uns im Beruf wirklich wichtig ist und bei einem Arbeitgeber erfüllt sein sollte. Im Anschluss besprechen wir, was eine ideale neue Jobspielwiese ausmachen würde: Ist es konzeptionelle Arbeit, Kreativität oder strategisches Denken oder lieber die Umsetzung im Tagesgeschäft? Wieviel Routine tut gut, wieviel Abwechslung sollte es sein? Auch ein Blick auf die eigenen Stärken hilft, das Profil zu schärfen. Das schafft nicht nur Orientierung für die Suche, sondern wortwörtlich mehr Selbst-Bewusstsein.

„Es gibt Menschen, die rastlos auf der Suche sind, weil es woanders immer besser zu sein scheint. Ich nenne sie die „Berufungssuchenden“. Sie erlauben sich nicht, anzukommen und zufrieden zu sein.“

Dr. Bernd Slaghuis

Für immer mehr Menschen ist auch das Abgeben von Verantwortung eine Option, also das sogenannte Downshifting.
Ja, ich definiere Karriere als berufliche Entwicklung entsprechend der Werte und Ziele in einer Lebensphase. Das kann etwa nach Abschluss des Studiums Aufstieg und mehr Einkommen bedeuten. Sitzen mir junge Eltern oder pflegende Angehörige gegenüber, sprechen wir auch mal über Teilzeit oder Abgabe von Verantwortung. Unser Leben verläuft nicht linear und eine gesunde Karriere zeichnet aus, berufliche Entscheidungen an unsere Lebensphasen zu koppeln.

Was ist wichtig, damit sich der formale Schritt zurück nicht wie ein Rückschritt anfühlt?
Wichtig ist, Downshifting selbst nicht als Scheitern zu bewerten. Viele, die zu mir kommen, haben dies bereits für sich erkannt. Sie möchten im Job kürzertreten, damit sie mehr Freiraum für anderes haben, das ihnen im Leben wichtig ist. Wir arbeiten daran, welche Rollen besser passen und welche Wechselstory Klarheit in der Bewerbung schafft. Schließlich ist jeder Downshifter vom Lebenslauf überqualifiziert und löst bei Recruiter:innen Irritation aus.

Letzte Frage: Wie oft sollte man eigentlich reflektieren, ob man noch im richtigen Job ist? Wer seine Rolle alle drei Wochen hinterfragt, wird vermutlich auch nicht glücklich.
Es gibt Menschen, die rastlos auf der Suche sind, weil es woanders immer besser zu sein scheint. Ich nenne sie die „Berufungssuchenden“. Sie erlauben sich nicht, anzukommen und zufrieden zu sein. Keiner von ihnen kann mir sagen, was diese Berufung ist und woran sie bemerken würden, dass sie angekommen sind. Ständige Selbstoptimierung macht Druck. Reflexion ist wichtig, doch auch Wertschätzung von Vorhandenem ist nötig, damit aus Unruhe keine Dauerschleife wird.

Portrait

Dr. Bernd Slaghuis

Karriere- und Business-Coach

Dr. Bernd Slaghuis ist Karriere- und Business-Coach und unterstützt Menschen, die beruflich etwas verändern möchten, entweder in ihrem aktuellen Unternehmen oder durch einen Wechsel.

Foto: Armin Zedler