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High Performance but make it healthy: 4 Regeln sind essentiell

Wer viel leistet, muss sich zwischendrin auch mal erholen. Theoretisch wissen wir das, tatsächlich ignorieren wir den Pause-Blocker im Kalender trotzdem oft. Dabei helfen schon einfache Gewohnheiten, leistungsfähig zu bleiben, weiß Dr. Janna Scharfenberg.

High Performance but make it healthy: 4 Regeln sind essentiell
Foto: Fabian Häfeli

Um leistungsfähig zu sein und sich gleichzeitig gut zu fühlen, optimieren viele hocherfolgreiche Menschen neben ihrem Beruf auch ihren Schlaf, Sport, ihre Ernährung und fühlen sich trotzdem erschöpft. Woran liegt das?

Dr. Janna Scharfenberg: Weil Optimierung und Regeneration zwei verschiedene Dinge sind. Wer Schlaf trackt, aber innerlich nie abschaltet, wer joggen geht und dabei schon die nächste Präsentation im Kopf durchspielt, optimiert Verhalten, nicht Zustand. Erschöpfung entsteht nicht durch fehlende Disziplin, sondern durch ein Nervensystem, das dauerhaft im Anspannungsmodus feststeckt. Man kann noch so viele Häkchen auf der Gesundheits-To-do-Liste setzen. Wenn der Körper nie wirklich in den Erholungsmodus wechselt, bleibt die Erschöpfung, ganz gleich wie viele Schritte die Smartwatch zählt oder wie sauber der Ernährungsplan aussieht.

Unterschätzen wir den Einfluss von Regeneration auf unsere Leistungsfähigkeit?

Dr. Janna Scharfenberg: Ja, deutlich sogar. In unserer Arbeit sehen wir das täglich: Menschen kommen mit Erschöpfungssymptomen, und auf die Frage nach ihrer letzten bewussten Pause folgt oft langes Schweigen. Pausen werden heute geplant wie Meetings, aber selten als das behandelt, was sie eigentlich sind: eine biologische Notwendigkeit. Viele Führungskräfte reden inzwischen offen über Erholung, gelebt wird sie aber kaum. Der Kalender bleibt voll, das Handy bleibt an, und Erholung wird zur Belohnung degradiert, die man sich erst verdienen muss. Genau da beginnt das Problem.

Was ist der größte Trugschluss, den Sie bei ambitionierten Menschen immer wieder beobachten?

Dr. Janna Scharfenberg: Der Glaube, Regeneration sei Zeitverschwendung oder ein Zeichen von Schwäche. Ambitionierte Menschen denken oft, Leistungsfähigkeit entstehe durch mehr Einsatz. Dabei entsteht sie durch den Wechsel zwischen Anspannung und echter Erholung. Wer permanent im Tun bleibt, verwechselt Aktivität mit Fortschritt. Der zweite große Irrtum, den wir beide immer wieder beobachten: Regeneration wird mit Nichtstun gleichgesetzt. Dabei ist sie ein aktiver, körperlicher Prozess, der trainiert werden kann und muss, genau wie jede andere Fähigkeit auch.

„Viele Führungskräfte reden inzwischen offen über Erholung, gelebt wird sie aber kaum. Der Kalender bleibt voll, das Handy an und Erholung wird zur Belohnung degradiert.“

Dr. Janna Scharfenberg

In Ihrem Buch sprechen Sie von „Healthy High Performance". Was verstehen Sie darunter?

Dr. Janna Scharfenberg: Healthy High Performance bedeutet für uns, Leistung und Gesundheit nicht gegeneinander auszuspielen, sondern als zwei Seiten derselben Medaille zu verstehen. Unsere Philosophie dazu lautet: Create Fast. Live Slow. Perform Well.

Wann ist Hochleistung wirklich gesund?

Dr. Janna Scharfenberg: Hochleistung ist gesund, wenn sie aus einem stabilen Fundament heraus entsteht, aus gutem Schlaf, echter Erholung und einem Nervensystem, das Belastung verarbeiten kann.

Und wann wird sie ungesund?

Dr. Janna Scharfenberg: Sobald sie auf Reserven läuft, auf Kaffee, Adrenalin und Selbstüberwindung, weil dann jeder Rückschlag zur Kernbedrohung wird. Der Unterschied liegt nicht im Tempo, sondern im Fundament darunter.

Funktioniert Regeneration eigentlich nur nach Feierabend oder im Urlaub? Oder kann ich auch zwischendurch im Büro, im Homeoffice etwas tun, um besser zu regenerieren?

Dr. Janna Scharfenberg: Regeneration lässt sich in den Alltag einbauen, in Mikroeinheiten von wenigen Minuten. Ein bewusster Atemzyklus vor dem nächsten Meeting, ein kurzer Blick aus dem Fenster ohne Handy in der Hand, ein Gang zu Fuß statt mit dem Aufzug. Das Nervensystem reagiert auf diese kleinen Signale ähnlich wie auf einen langen Urlaub, nur in kleinerer Dosis, dafür deutlich öfter. Genau diese kumulative Wirkung wird meist unterschätzt.

Was ist eine Gewohnheit, die viele High Performer:innen haben, die Sie sofort streichen würden, wenn jemand zu Ihnen in die Sprechstunde käme?

Dr. Janna Scharfenberg: Das Handy als erste und letzte Handlung des Tages. Wer morgens direkt ins Postfach schaut und abends noch die letzten Nachrichten checkt, versetzt das Nervensystem in permanenten Alarmzustand, noch bevor der Tag überhaupt begonnen hat. Diese eine Gewohnheit würden wir zuerst streichen, weil sie den Ton für alles andere setzt.

Und umgekehrt: Welche Gewohnheiten bringen erstaunlich viel, um schnell und gut zu regenerieren und damit langfristig leistungsfähig zu bleiben?

Dr. Janna Scharfenberg: Vier Dinge wirken erstaunlich stark: Erstens Tageslicht innerhalb der ersten Stunde nach dem Aufwachen, das den Cortisolrhythmus reguliert. Zweitens feste Essenszeiten statt durchgehendem Snacking, was dem Verdauungssystem echte Ruhephasen gibt. Drittens kurze, bewusste Atempausen zwischen Terminen statt direktem Übergang von einem Call zum nächsten.

Und was ist die vierte Gewohnheit?

Ein fester Zeitpunkt für den letzten Bildschirmkontakt am Abend. Keine dieser Gewohnheiten ist spektakulär, aber gemeinsam verändern sie, wie belastbar man langfristig bleibt.

Portrait

Dr. Janna Scharfenberg

Medizinerin

Dr. Janna Scharfenberg ist Medizinerin, Unternehmerin und Expertin für Prävention und gesunde High Performance. Gemeinsam mit der Ayurveda-Therapeutin Isabelle Bietenholz-Lieger hat sie das Buch „Living Well Now“ geschrieben, das kürzlich im DK-Verlag erschienen ist. Scharfenberg ist Mutter von zwei Kindern und lebt mit ihrer Familie in Zürich.

Foto: Fabian Häfeli