In Ihrem Buch sprechen Sie von „Healthy High Performance". Was verstehen Sie darunter?
Dr. Janna Scharfenberg: Healthy High Performance bedeutet für uns, Leistung und Gesundheit nicht gegeneinander auszuspielen, sondern als zwei Seiten derselben Medaille zu verstehen. Unsere Philosophie dazu lautet: Create Fast. Live Slow. Perform Well.
Wann ist Hochleistung wirklich gesund?
Dr. Janna Scharfenberg: Hochleistung ist gesund, wenn sie aus einem stabilen Fundament heraus entsteht, aus gutem Schlaf, echter Erholung und einem Nervensystem, das Belastung verarbeiten kann.
Und wann wird sie ungesund?
Dr. Janna Scharfenberg: Sobald sie auf Reserven läuft, auf Kaffee, Adrenalin und Selbstüberwindung, weil dann jeder Rückschlag zur Kernbedrohung wird. Der Unterschied liegt nicht im Tempo, sondern im Fundament darunter.
Funktioniert Regeneration eigentlich nur nach Feierabend oder im Urlaub? Oder kann ich auch zwischendurch im Büro, im Homeoffice etwas tun, um besser zu regenerieren?
Dr. Janna Scharfenberg: Regeneration lässt sich in den Alltag einbauen, in Mikroeinheiten von wenigen Minuten. Ein bewusster Atemzyklus vor dem nächsten Meeting, ein kurzer Blick aus dem Fenster ohne Handy in der Hand, ein Gang zu Fuß statt mit dem Aufzug. Das Nervensystem reagiert auf diese kleinen Signale ähnlich wie auf einen langen Urlaub, nur in kleinerer Dosis, dafür deutlich öfter. Genau diese kumulative Wirkung wird meist unterschätzt.
Was ist eine Gewohnheit, die viele High Performer:innen haben, die Sie sofort streichen würden, wenn jemand zu Ihnen in die Sprechstunde käme?
Dr. Janna Scharfenberg: Das Handy als erste und letzte Handlung des Tages. Wer morgens direkt ins Postfach schaut und abends noch die letzten Nachrichten checkt, versetzt das Nervensystem in permanenten Alarmzustand, noch bevor der Tag überhaupt begonnen hat. Diese eine Gewohnheit würden wir zuerst streichen, weil sie den Ton für alles andere setzt.
Und umgekehrt: Welche Gewohnheiten bringen erstaunlich viel, um schnell und gut zu regenerieren und damit langfristig leistungsfähig zu bleiben?
Dr. Janna Scharfenberg: Vier Dinge wirken erstaunlich stark: Erstens Tageslicht innerhalb der ersten Stunde nach dem Aufwachen, das den Cortisolrhythmus reguliert. Zweitens feste Essenszeiten statt durchgehendem Snacking, was dem Verdauungssystem echte Ruhephasen gibt. Drittens kurze, bewusste Atempausen zwischen Terminen statt direktem Übergang von einem Call zum nächsten.
Und was ist die vierte Gewohnheit?
Ein fester Zeitpunkt für den letzten Bildschirmkontakt am Abend. Keine dieser Gewohnheiten ist spektakulär, aber gemeinsam verändern sie, wie belastbar man langfristig bleibt.