Wie Sie klimafreundlich investieren

4 Tipps, wie Sie Ihre Geldanlage nachhaltig gestalten können.



In den letzten Jahren einen immer höheren Stellenwert erlangt. Täglich werden wir nur so bombardiert mit verschiedensten Möglichkeiten um die Umwelt zu schützen – von mehr Fahrrad fahren über weniger fliegen, bis hin zu einer veganen Ernährung. Ein Aspekt der Nachhaltigkeit selten erbedacht wird – jedoch eine große Auswirkung auf die Zukunft unseres Planeten haben kann – ist unsere Geldanlage. Zu oft werden “Investments” und “Nachhaltigkeit” immer noch als Gegensätze betrachtet. Ganz nach dem Motto: Wer nachhaltig leben will, sollte sich wenn möglich von dem Finanzmarkt fernhalten. Dieser Gedanke ist jedoch ein Fehler, wenn es uns darum geht, die Pariser Klimaziele zu erreichen. Denn unser Geld hat Wirkung, egal was wir damit tun.


Warum nachhaltiges Investieren also so wichtig ist und wie es funktioniert, lernen Sie in diesem Beitrag. Sind Sie bereit? Dann lesen Sie weiter!


Warum überhaupt nachhaltige Investments?

Ein oft vertretener Ansatz zu Geld ist der Folgende: “Solange ich es spare, anstatt es auszugeben, schade ich dem Planeten nicht”. Das ist allerdings ein Trugschluss, denn das Geld auf unseren Sparkonten hat in den meisten Fällen einen ziemlich hohen CO2 Fußabdruck. Viele Banken nutzen das Geld ihrer Kund*innen, um damit gewinnbringend in verschiedene Industrien, Unternehmen und Projekte zu investieren. Diese Investitionen sind leider nicht immer klimafreundlich.


Ganz im Gegenteil: Die diesjährige Studie “Banking on Climate Chaos” von Rainforest Action Network (RAN) zeigt, dass die 60 größten Banken der Welt in den letzten 5 Jahren ganze $3.8 Billionen in die Förderung fossiler Brennstoffe gesteckt haben. Aus der Nachhaltigkeitsperspektive macht es daher wenig Sinn, möglichst viel Geld auf dem Sparkonto zu horten. Stattdessen können Sie Ihr Geld nutzen, um damit in Unternehmen zu investieren, die wirklich ambitionierte Klimaziele haben. Denn indem Sie Ihre Geld selbst in die Hand nehmen, können Sie viel bewirken - und nicht nur das: Impact Investments sind nebenbei auch sehr profitabelHier kommen nun also 4 Tipps, die Ihnen den Einstieg ins nachhaltige Investieren vereinfachen.


1. ESG vs. Impact Investing: Kennen Sie den Unterschied!

Wenn es um nachhaltige Investments geht, ist oft von “ESG” die Rede. ESG steht dabei für Umwelt-, Soziale- und Governance-Kriterien. Nach diesen Kriterien werden Unternehmen ausgesiebt, die beispielsweise gegen Menschenrechte verstoßen, oder in der Waffenindustrie tätig sind – bis am Ende ein Investment-Universum übrig bleibt. Das heißt also: Viele ESG-Fonds sortieren zwar Unternehmen aus, die gegen bestimmte Kriterien widersprechen, konzentrieren sich allerdings oft nicht darauf, bestimmte Aktien und Anleihen aktiv herauszupicken.


Im Gegensatz dazu steht das Impact-Investing. Das Global Impact Investing Network (GIIN) definiert Impact Investing als:

"Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite, auch eine messbare soziale und ökologische Wirkung zu erzielen."

Konkret setzt das Impact Investing dort an, wo die ESG Kriterien aufhören. Anstatt nur die “bad guys” herauszusieben, konzentriert sich die Strategie darauf, eine messbare positive Wirkung für ein bestimmtes definiertes soziales oder ökologisches Anliegen zu erzeugen und nur solche Investments aufzunehmen, die proaktiv zur Lösung des Anliegens beitragen (beispielsweise durch ambitionierte CO2e-Reduktionsziele). Das Ergebnis ist oft eine viel kleinere Liste an potentiellen Investitionen. Bei Ihrer Suche nach nachhaltigen Investmentmöglichkeiten kann Ihnen dieser Unterschied dabei helfen Fonds zu finden, die über einfache ESG-Screenings hinausgehen.


2. Seien Sie sich bewusst: Greenwashing gibt es auch bei Anlageprodukten

Der nachhaltige Investment Markt boomt. In Deutschland allein ist die Gesamtsumme an nachhaltigen Investments 2020 um 25% gestiegen. Allerdings sind leider nicht alle ESG-Investments auch so grün, wie sie sich ausgeben. Viele Anbieter nutzen das “ESG”-Label als reines Marketing-Gimmick um Investor*innen anzulocken, ohne dabei die Fondszusammensetzung wirklich nachhaltig zu gestalten. Das Problem entsteht dadurch, dass es bislang immer noch keine einheitlichen Standards für ESG Kriterien gibt, an die sich Unternehmen und Investmentprodukte halten müssen. Das führt dazu, dass jeder Anbieter seine eigenen Kriterien, Strategien und Bewertungen durchführt, die sich in ihrer Gründlichkeit und Stringentheit maßgeblich voneinander unterscheiden. Zwar will die EU-Kommission das ändern und verbindliche Kriterien festlegen, das kann allerdings noch dauern. Bis dahin heißt es: Recherchieren!


3. Schauen Sie hinter das Label

Bevor Sie sich also für einen Fonds entscheiden, schauen Sie hinter das Label. Welche Investments verstecken sich in dem Fonds und was sind die Top 10 Holdings? Manchmal kann ein solcher Blick hinter die Kulissen schockierend sein. Viele der großen ESG Fonds, wie beispielsweise der iShares ESG Fund ESGU, haben ihre Top-Holdings in Tech-Aktien wie Microsoft, Amazon, Apple und Co. – Unternehmen, die nicht gerade für ihre ambitionierten Klimaziele bekannt sind. Erst kürzlich gab es eine Auseinandersetzung zwischen der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) und den beiden Techunternehmen Amazon und Facebook aufgrund ihrer fehlenden ESG-Reportings.


4. Plattformen, die Ihnen helfen können

Um Ihnen die Auswahl nachhaltiger Fonds etwas zu erleichtern, gibt es in Deutschland das Forum für Nachhaltige Geldanlage (FNG), eine Plattform, die Transparenzlogos für nachhaltige Fonds vergibt und das FNG-Nachhaltigkeitsprofil veröffentlicht. Dieses dient als Orientierungshilfe bei der Auswahl nachhaltiger Fonds und gibt Ihnen einen Überblick über die verwendeten Nachhaltigkeitskriterien und weitere wichtige Daten der Fonds.

Abgesehen davon, hat die Plattform finanzen.net einen ausführlichen Vergleich von nachhaltigen ETFs und Fonds durchgeführt, bei dem neben den Kosten der verschiedenen Fonds auch Anmerkungen zu ihren Nachhaltigkeits-Kriterien aufgeführt sind.


Fazit: Anhand von nachhaltigen Investments können Sie einen positiven Beitrag zum Kampf gegen die Klimaerwärmung leisten. Allerdings gibt es auf dem Weg dahin noch viele Herausforderungen zu bestehen, denn die fehlenden Standards machen es nicht gerade einfach “grüne Investments” von “Greenwashing” zu unterscheiden. Wir hoffen, dieser Beitrag erleichtert Ihnen den Einstieg und schafft etwas Klarheit in der komplexen Welt des Impact Investings.


Über den Autor:

Julius Friedlaender hat mehrjährige Erfahrungen im Techsektor mit eine Fokus auf Operations und Business Intelligence. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft an der London School of Economics, das er mit einem Bachelor und Master abschloss, arbeitete er mehrere Jahre bei Rocket Internet, wo er für verschiedenen Portfoliofirmen tätig war. Als Managing Director Deutschland und Global Director of Sales Operations half er dem Finnischen SaaS Unternehmen Nosto Solutions sowohl in Deutschland als auch Global zu expandieren. Seit 2019 ist er als COO beim Impact Investing Startup Cooler Future tätig.