Rebecca Everts

vor 6 Tagen

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Wie eine gute Fehlerkultur zum Innovationsfaktor werden kann

Fehler passieren – das ist menschlich. Die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen, definiert jedoch unser Arbeitsumfeld. Rebecca Everts, Geschäftsführerin der HUK-Autowelt, hat sich dem Thema Fehlerkultur verschrieben. In einer traditionell geprägten Branche bemüht sie sich um einen Perspektivwechsel: Fehler sollen nicht nur toleriert, sondern als Chance für Innovation und Wachstum gesehen werden.

Das Startup Slack hat demonstriert, wie man Fehlschläge in Erfolge ummünzen kann. Die Plattform entstand als Kommunikationstool für ein Gaming-Startup. Nachdem das Spiel floppte, erkannten die Entwickler das Potenzial des Tools und entwickelten es zu einer Kommunikationsplattform für Unternehmen weiter. Geschichten wie diese zeigen, wie wichtig es ist, Misserfolge als Chance zu sehen.

Wie eine gute Fehlerkultur zum Innovationsfaktor werden kann
Wie eine gute Fehlerkultur zum Innovationsfaktor werden kann

Dieses Mindset, das in der agilen Startup-Kultur fest verankert ist, stößt in etablierten Unternehmen oft auf starre Strukturen. Statt eine offene Fehlerkultur zu fördern, liegt der Fokus darauf, Risiken zu minimieren und Fehler zu vermeiden. Doch wie können Unternehmen diese Kultur verändern?

 

1. Als gutes Vorbild vorangehen:

Eine positive Fehlerkultur braucht gute Vorbilder, die vorangehen und das praktizieren, was wir von anderen auch erwarten. Dabei geht es nicht darum, sich selbst oder andere zu kritisieren, sondern gemeinsam im Team zu lernen und Lösungen zu finden. Wichtig ist dabei, dass dieser Maßstab aus Fairness für alle Teammitglieder gleichermaßen gilt.

Dass ein proaktiver Umgang mit Fehlern entscheidend für eine positive Fehlerkultur ist, mag nach einer Plattitüde klingen – in der Praxis scheint das aber noch nicht angekommen zu sein. Der Fehlerkultur Report 2023 zeigt, dass fast zwei Drittel der befragten Führungskräfte in den letzten zwei Jahren eigene Fehler nur teilweise oder gar nicht eingestanden haben. Obwohl sie um die Vorteile einer offenen Fehlerkultur wissen, haben Führungskräfte Angst, ihre Autorität zu verlieren. Das hindert sie daran, Fehler vollumfänglich zuzugeben. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wenn Mitarbeitende sehen, dass ihre Vorgesetzten die Verantwortung für Fehler übernehmen und offen damit umgehen, entsteht Vertrauen und Respekt. 

 

2. Belohnung statt Bestrafung:

Passiert ein Fehler, ist unser erster Gedanke oft: "Wer war das?" Das ist ein normaler Reflex. Schuldzuweisungen sind aber nicht hilfreich. Stattdessen sollten wir es wertschätzen, wenn jemand die Verantwortung für sein oder ihr Handeln übernimmt. Nur so entsteht eine Atmosphäre, in der sich Mitarbeiter:innen frei fühlen, über Fehler zu sprechen, aus ihnen zu lernen und selbst Verbesserungen anzustoßen. Helfen können dabei Fragen wie: "Was können wir aus dieser Situation lernen?" Sie fördern eine Kultur der Reflexion und des gemeinschaftlichen Wachstums. Das stärkt die Arbeitskultur insgesamt und Kreativität und Innovation können gedeihen.

 

 

3. Teamarbeit fördern:

Eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit zeigt, dass Menschen in Teams nicht nur schneller Aufgaben lösen, sondern auch kreativer sind. Jedes Teammitglied profitiert von den Fähigkeiten der anderen und kann gleichzeitig intellektuell wachsen. Gleichzeitig kann das Team auf den Erfahrungsschatz der anderen zurückgreifen und von deren Fehlern lernen. So fördert Teamwork nicht nur schnelles Arbeiten, sondern schafft auch eine Umgebung, in der Fehler als natürlicher Bestandteil des Lernprozesses betrachtet werden.

In der Teamarbeit ist die Rolle der Führungskräfte wichtig. Sie müssen in den Austausch mit Mitarbeiter:innen gehen und ihre individuellen Stärken und Schwächen kennen. Gleichzeitig müssen sie Räume schaffen, in denen sich die Mitarbeitenden besser kennenlernen können. Das stärkt das Vertrauen innerhalb des Teams und schafft eine positive Atmosphäre, in der sich alle sicher fühlen, über Fehler zu sprechen.

 

4. Feedbackkultur etablieren:

Eine effektive Feedbackkultur ist ein Eckpfeiler, um kontinuierlich zu wachsen. Hier ist es entscheidend, dass Feedback regelmäßig, konstruktiv und zielgerichtet erfolgt und als kontinuierlicher Prozess betrachtet wird. Dabei sollten sowohl positive Leistungen anerkannt als auch Verbesserungsmöglichkeiten offen angesprochen werden. Es ist auch wichtig, dass Feedback spezifisch und sachbezogen ist. Vage oder allgemeine Kommentare können zu Verwirrung führen und sind wenig hilfreich. Stattdessen sollte Feedback anhand konkreter Beispiele erfolgen, die aufzeigen, wie bestimmte Handlungen oder Verhaltensweisen die Arbeit beeinflussen. Ebenso wichtig ist eine Kultur, in der Feedback beidseitig fließen kann. Dies ermutigt die Mitarbeiter:innen, selbst Feedback zu geben und anzunehmen. Das stärkt die Zusammenarbeit im Team und das gegenseitige Verständnis. Dabei wird nicht nur die persönliche Entwicklung der Mitarbeitenden gefördert, sondern auch die Gesamtleistung und Innovationskraft des Unternehmens gestärkt.

Diese Maßnahmen helfen Unternehmen, aus Fehlern zu lernen, kontinuierlich zu wachsen und letztendlich ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Es ist an der Zeit, die Art und Weise zu ändern, wie wir Fehler in der Arbeitswelt betrachten, und sie als Sprungbrett für Erfolg zu nutzen!

 

 

Über die Autorin:

Rebecca Everts übernahm im April 2023 die Position der Geschäftsführerin der HUK- Autowelt, Tochtergesellschaft der HUK-Coburg. Vor dieser Rolle war sie als Finanzdirektorin bei der HUK-Autowelt tätig. Mit einem starken Engagement für Bildung führte sie 2019 erfolgreich ein duales Studium bei der HUK-Autowelt ein und setzt sich kontinuierlich für die berufliche und persönliche Entwicklung ihrer Mitarbeitenden ein.

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