Keine Idee fürs Gründen? So klappts mit der Ideenfindung

Gründen ist nie leicht. Das Schwerste ist aber sicher, eine gute Idee zu haben. Wie man auf eine Idee kommen kann und diese dann auch noch zu einer guten macht, erklärt die Serien-Gründerin Sabine Engel im ersten Teil ihrer Gründer:innen-Serie.


Sabine Engel hat bisher drei Unternehmen gegründet. Foto: Sabine Engel

Wie finde ich eine Geschäftsidee? Wunderbar, ich liebe diese Frage. Schon oft wurde ich gefragt, wie ich auf die Ideen für meine Startups gekommen sei. Fragt man Google, zeigt die Suchmaschinen 80 Millionen Ergebnisse zum Thema Gründen und Geschäftsidee an. Das Problem: Man verzettelt sich und nach einem Tag Recherche ist man auch nicht schlauer als zuvor. Heute zeige ich dir, wie ich vorgegangen bin und dass – Überraschung! – doch ein wenig mehr als etwas Internetrecherche nötig war, um ein funktionierendes Business auf den Weg zu bringen.

Ich bin 23, Cocktails sind en vogue. Naheliegend, meinem Freund einen Cocktailkurs zu schenken. Da gibt es doch diese großen Portale, wo ich die einfach buchen kann? Gesagt, ge... enttäuscht: Die Ergebnisse passen nicht zu meinen Vorstellungen. In einer Industriehalle? Außerhalb der City? Womöglich alkoholisiert hinters Steuer? Meine Beziehung setze ich mit solchen Experimenten lieber nicht aufs Spiel und nehme das Glück selbst in die Hand. Ich telefoniere mit jedem Barkeeper der Stadt, mit den Freunden, die mitmachen sollen, bastle einen schicken Gutschein und platze beim Überreichen vor Neugier. Im Ergebnis waren nicht nur meine Finger wund, sondern, siehe da: Es wurde ein perfekter Abend. Wäre da nur nicht dieser Brandy Alexander zum Abschluss gewesen...

Nach ein paar Tagen dachte ich mir, dass man diese Art von Event-Geschenk-Kreationen doch auch für andere organisieren könnte – perfekte Locations organisieren und Menschen zusammenbringen. Warum nicht selbst ein Portal machen, bei dem ich mich als anspruchsvolle Be-Schenk-Liebhaberin auf die Qualität verlassen kann?

Das klingt easy, oder? Abwarten und Cocktails trinken und da ist sie, die Geschäftsidee. Der Schlüssel steckt vielmehr in der Umsetzung und in deinem tiefen Wunsch, es besser machen zu wollen. Beflügelt schritt ich in die Uni-Bibliothek und schleppte als einzige Studentin weit und breit kiloweise Bücher rund um das Thema Gründung nach Hause; nagelneue Bücher, nie vergriffen. Ich saugte sie auf wie ein Schwamm. Das erste Learning: Die Idee zu verfeinern und richtig gut zu machen ist harte Arbeit.

Wie wird aus einer Idee eine gute?

Ich habe mir erstens sehr genau überlegt, was ich kann und was ich nicht kann, was ich also abgeben sollte. Im Kontext mit den vielen Puzzlestücken, die zusammengefügt werden müssen, um ein großes Ganzes zu ergeben. Richtig gut bin ich zum Beispiel darin, mir das Produkt auszudenken und mich in Kund:innen hineinzuversetzen. Mich in Farben, Formen und Emotionen der Marke einzufühlen. Ist sie weich oder hart, witzig, provozierend, frech? Mit welcher Sprache erreiche ich die Follower:innen?. Das sind meine Stärken. IT und Prozesse gebe ich lieber ab. Kundenservice: schwierig. Schnell nehme ich negatives Feedback persönlich. Wobei: Mit Anfeindungen aller Art als Gründerin umgehen zu müssen, das habe ich im Laufe der Zeit so oder so gelernt, doch das ist wieder ein anderes Thema. 


Als nächstes habe ich meine Idee ständig und überall gepitched. Im Freundeskreis, in der Familie, auf Gründer:innen-Events, im Pralinenladen um die Ecke, der einer der ersten Partner werden sollte, beim Friseur, beim Stamm-Italiener, an der Supermarktkasse. Alle hatten klug etwas beizutragen und mir viele Argumente vor Augen geführt, warum es im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee sei. Meine Mutter flehte mich verzweifelt an, „Sabine, du kannst doch so schön im Konzern Karriere machen”.


Kaffee, das Lieblingsgetränk der Deutschen


Ich bin für jedes einzelne Gespräch extrem dankbar! Meine Grundregel Nr. 2: Erzähle möglichst vielen Menschen von deiner Idee und höre zu, welche Gefahren du alle nicht bedacht hast. Viele davon wirst du ignorieren und das ist gut so. Eine Prise unbegründeten Optimismus gepaart mit bedingungslosem Willen, dass du deine Vision groß machst, sollten von nun an dein Handeln bestimmen. Einige Argumente und Gedanken aber werden dich zum Nachdenken bringen, deine Idee zu justieren. Und genau darum geht es: Deine Idee zu formen, zu hinterfragen, Mindmaps zu malen, Post-its zu kleben. Und dich ganz besonders auf männerdominierten Networking-Events breitschultrig zu zeigen, so sehr deine Vision auch durch den Kakao gezogen wird.


Mein dritter Erfolgsfaktor: Die ersten Kund:innen hatte ich akquiriert, bevor es überhaupt die GmbH gab. Nach Feierabend im besagten Konzern zog ich mit Screenshots der Website los, um die ersten Locations unter Vertrag zu bringen. Außerdem gab es einen hemdsärmeligen, grausig designten Testshop mit Fake-Events. Per Google Ads generierter Traffic bescherte erste Sales. Mein Plan schien aufzugehen. In meiner zweiten Gründung, einem Startup für entkoffeinierten Kaffee, war ich in dieser Sache übrigens waghalsiger. Keine großen Tests und es funktioniert trotzdem. Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen, vielleicht liegt es auch daran.

Damit komme ich auch zu meinem vierten und letzten Erfolgsfaktor, um eine gute Geschäftsidee zu kreieren: Ich stoße auf ein Thema in meinem Alltag, von dem ich denke, dass es schlecht läuft. Dann will ich es besser machen. Ich gründe in der Nische. Ich erfinde nicht das Rad, ich erfinde es neu. Mit emotionalen Geschichten erschaffe ich dann eine Marke, die Konsument:innen gedanklich dort abholt, wo sie sich in ihrem eigenen Alltag befinden. Als ich vor drei Jahren schwanger wurde, suchte ich zum Beispiel als Kaffeeliebhaberin entkoffeinierten Kaffee, der mir schmeckt. Ich war entsetzt, dass ich entweder nur dünne Plörre fand oder Kaffees, die mit Chemikalien vom Koffein befreit wurden. Undenkbar! Fürs Baby bitte nur das Beste. So nahm ich das Ganze selbst in die Hand, meine Leidenschaft war entfacht, das Abenteuer beginnt erneut!

Meine Message an dich: Sei mutig, mach es einfach! Denn wie gut fühlt es sich an, wenn du deiner Entscheidung, deine Idee umzusetzen, die Unendlichkeit nehmen würdest? Wenn du wüsstest, alles geht weiter? Wäre es dann nicht einfacher, den ersten Schritt zu gehen? In jedem Fall bist du damit schon vielen anderen einen großen, entscheidenden Schritt voraus. Ein Schritt, auf den du stolz sein kannst.


Über die Autorin:

Sabine Engel hat bisher drei Unternehmen gegründet: Miomente, ein Portal, das kulinarische Erlebnisse für Genießer:innen vermarktet, Frida & Fritz, eine D2C-Rösterei für entkoffeinierten Kaffee und ihre Digitalberatung SAE Ventures. Auf STRIVE-Online berichtet sie über ihren eigenen Weg zur Gründerin.