STRIVE: Lange wollten viele Akteur:innen in den sozialen Medien vor allem viele Follower:innen und damit Reichweite. Inzwischen betonen immer mehr die Bedeutung einer echten Community. Was ist der Unterschied, Victoria?
Victoria Jancke: Reichweite kann Aufmerksamkeit schaffen, aber eine Community schafft Verbindung und Vertrauen. Für mich besteht der Unterschied darin, ob Menschen einen Inhalt nur kurz sehen oder ob sie sich wirklich angesprochen und verstanden fühlen. Gerade heute, wo wir täglich mit unglaublich vielen Inhalten konfrontiert werden, ist Vertrauen viel wertvoller als reine Sichtbarkeit. Eine echte Community bleibt nicht nur wegen eines schönen Bildes oder eines viralen Videos, sondern weil sie sich mit der Person, den Erfahrungen und den Werten dahinter identifiziert.
Woran erkennst Du eine lebendige Community bei einem Account?
Victoria Jancke: Eine echte Community erkenne ich daran, dass ein Austausch entsteht. Die Menschen reagieren nicht nur mit einem Like, sondern erzählen ihre eigenen Geschichten, stellen Fragen, widersprechen auch einmal oder schreiben mir, dass ein bestimmter Gedanke etwas in ihnen ausgelöst hat. Eine Community besteht aus Beziehungen. Sie gibt ehrliches Feedback, empfiehlt einen weiter und vertraut darauf, dass man verantwortungsvoll mit dieser Verbindung umgeht.
Wenn ich meine Community ausbauen oder initial aufbauen will: Welchen Fehler sollte ich nicht machen?
Victoria Jancke: Viele überlegen zuerst, wie sie möglichst schnell wachsen können, anstatt sich zu fragen, warum Menschen ihnen überhaupt folgen sollten. Sie orientieren sich stark an Trends, an anderen Accounts oder an dem, was vermeintlich gut funktioniert und sind nicht authentisch. Eine Community lässt sich aber nicht wie eine anonyme Zielgruppe behandeln. Menschen merken sehr schnell, ob man nur Interaktion erzeugen, andere kopiert, AI im Spiel ist oder ob ich wirklich in Beziehung treten möchte.
Welche drei Dinge haben Dir am meisten geholfen, eine aktive Community aufzubauen?
Victoria Jancke: Das Erste ist Ehrlichkeit. Ich habe nicht nur die schönen oder erfolgreichen Seiten meines Lebens gezeigt, sondern auch über Zweifel, Rückschläge und Neuanfänge gesprochen. Das Zweite ist Zuhören. Ich lese Nachrichten, nehme Fragen ernst und versuche zu verstehen, welche Themen die Menschen wirklich beschäftigen.