STRIVE Redaktion

„Vertrauen ist viel wertvoller als reine Sichtbarkeit“

Communities sind im Marketing gerade das, was alle haben wollen. Doch wie gewinnt man möglichst viele Menschen für die eigene Marke und was ist der Unterschied zu bloßer Reichweite? Wir haben Content Creatorin Victoria Jancke befragt.

„Vertrauen ist viel wertvoller als reine Sichtbarkeit“
Foto: Chris Steiner

STRIVE: Lange wollten viele Akteur:innen in den sozialen Medien vor allem viele Follower:innen und damit Reichweite. Inzwischen betonen immer mehr die Bedeutung einer echten Community. Was ist der Unterschied, Victoria?

Victoria Jancke:
Reichweite kann Aufmerksamkeit schaffen, aber eine Community schafft Verbindung und Vertrauen. Für mich besteht der Unterschied darin, ob Menschen einen Inhalt nur kurz sehen oder ob sie sich wirklich angesprochen und verstanden fühlen. Gerade heute, wo wir täglich mit unglaublich vielen Inhalten konfrontiert werden, ist Vertrauen viel wertvoller als reine Sichtbarkeit. Eine echte Community bleibt nicht nur wegen eines schönen Bildes oder eines viralen Videos, sondern weil sie sich mit der Person, den Erfahrungen und den Werten dahinter identifiziert.

Woran erkennst Du eine lebendige Community bei einem Account?

Victoria Jancke: 
Eine echte Community erkenne ich daran, dass ein Austausch entsteht. Die Menschen reagieren nicht nur mit einem Like, sondern erzählen ihre eigenen Geschichten, stellen Fragen, widersprechen auch einmal oder schreiben mir, dass ein bestimmter Gedanke etwas in ihnen ausgelöst hat. Eine Community besteht aus Beziehungen. Sie gibt ehrliches Feedback, empfiehlt einen weiter und vertraut darauf, dass man verantwortungsvoll mit dieser Verbindung umgeht.

Wenn ich meine Community ausbauen oder initial aufbauen will: Welchen Fehler sollte ich nicht machen?

Victoria Jancke: 
Viele überlegen zuerst, wie sie möglichst schnell wachsen können, anstatt sich zu fragen, warum Menschen ihnen überhaupt folgen sollten. Sie orientieren sich stark an Trends, an anderen Accounts oder an dem, was vermeintlich gut funktioniert und sind nicht authentisch. Eine Community lässt sich aber nicht wie eine anonyme Zielgruppe behandeln. Menschen merken sehr schnell, ob man nur Interaktion erzeugen, andere kopiert, AI im Spiel ist oder ob ich wirklich in Beziehung treten möchte.

Welche drei Dinge haben Dir am meisten geholfen, eine aktive Community aufzubauen?

Victoria Jancke: 
Das Erste ist Ehrlichkeit. Ich habe nicht nur die schönen oder erfolgreichen Seiten meines Lebens gezeigt, sondern auch über Zweifel, Rückschläge und Neuanfänge gesprochen. Das Zweite ist Zuhören. Ich lese Nachrichten, nehme Fragen ernst und versuche zu verstehen, welche Themen die Menschen wirklich beschäftigen.

„Eine Community ist keine anonyme Zielgruppe. Sie merkt schnell, ob man nur Interaktion will, AI verwendet oder wirklich in Beziehung treten möchte."

Victoria Jancke

Und was ist der dritte Faktor?

Victoria Jancke: 
Konsequenz. Vertrauen entsteht nicht durch einen einzigen starken Beitrag, sondern dadurch, dass man über einen längeren Zeitraum verlässlich bleibt und auch dann zu seinen Werten steht, wenn ein anderes Thema vielleicht kurzfristig mehr Reichweite versprechen würde.

Woran erkennst Du, ob Du Deine Community mit Deinen Inhalten wirklich erreichst oder an ihnen vorbei sendest?

Victoria Jancke: 
Für mich sind vor allem die Reaktionen entscheidend, die zeigen, dass sich jemand wirklich mit einem Inhalt beschäftigt hat. Das können ausführliche Kommentare, persönliche Nachrichten oder Gespräche sein, die auch Tage später noch weitergehen. Besonders wertvoll ist für mich, wenn jemand sagt: „Genau das konnte ich bisher nicht in Worte fassen.“ Dann weiß ich, dass ein Inhalt nicht nur gesehen wurde, sondern emotional oder gedanklich etwas erreicht hat.

Wie viel Strategie braucht es, um eine Community aufzubauen und wie viel ist Bauchgefühl, Intuition, Glück?

Victoria Jancke: 
Strategie ist wichtig, weil man wissen sollte, wofür man steht, wen man ansprechen möchte und welche Themen man langfristig erzählen kann. Aber Strategie allein reicht nicht. Community entsteht dort, wo Persönlichkeit, Intuition und echtes Interesse an Menschen dazukommen. Man muss spüren, wann ein Thema relevant ist, wann man sprechen sollte und wann es vielleicht besser ist zuzuhören. Ein Beitrag kann auch zufällig im richtigen Moment auf viel Aufmerksamkeit treffen. Aber aus einem viralen Moment eine langfristige Verbindung zu machen, ist kein Glück. Dafür braucht es Verlässlichkeit, Datenanalyse und die Bereitschaft, über einen langen Zeitraum echte Beziehungen aufzubauen.

Portrait

Victoria Jancke

Model, Content Creatorin und Gründerin von Grow and Glow

Victoria Jancke ist Model, Content Creatorin und Gründerin von Grow and Glow, einer internationalen Eventreihe, die Frauen miteinander vernetzen will. 2026 erschien ihr gleichnamiges Buch im Penguin-Verlag. 2022 wanderte Jancke in die USA aus. Heute lebt sie in Miami.

Foto: Chris Steiner