Du bist PR- und Markenexpertin. Was an Deinem Job heute hat mit klassischer PR fast nichts mehr zu tun?
Ehrlich gesagt: Das meiste. Klassische PR hieß mal Pressemitteilung schreiben, Verteiler abtelefonieren, hoffen, dass jemand druckt. Heute bin ich noch mehr im Dialog mit den Menschen und irgendwie mache ich von allem etwas: Sales, Marketing, PR, Content. Ich kümmere mich heute primär um Beziehungen und Bedürfnisse, nicht nur um Botschaften. It’s a people business!
Du sagst, Dein Job sei nicht mehr Schreiben, sondern zu erkennen, wer wen gerade braucht. Wie muss man sich das vorstellen?
Nicht immer sitzt auf Kundenseite ein großes Marketingteam, das schon alles durchdacht hat, oft sind wir im ersten Schritt eher beratend tätig. Im Dialog muss ich erst herausfinden, was oder wen jemand gerade braucht, bevor es überhaupt um die passenden Outlets geht.
Dazu kommt: Es gibt heute so viele verschiedene Outlets, dass man zwangsläufig crossmedial arbeiten muss. Aber bei all den Kanälen sollte man sich immer wieder dieselbe Frage stellen: Was braucht der Kunde wirklich, und wo sind die Menschen, für die sein Angebot relevant sind? Manchmal reicht das Vernetzen mit genau der einen richtigen Person im Raum, um die Philosophie der Marke authentisch in die Welt zu tragen.
Auf welches Match zwischen zwei Marken oder Menschen bist Du besonders stolz, und warum?
Auf unser eigenes Match. Ich bin stolz, dass wir als kleine Boutique-Agentur unseren Kunden Santani Wellness Kandy in Sri Lanka gewonnen haben und sich daraus auch eine sehr vertraute und enge Zusammenarbeit entwickelt hat. Der erste Kontakt lief über eine LinkedIn-Nachricht. Und dann haben wir einfach sehr schnell gesprochen und gemerkt, dass wir unheimlich gut zusammenpassen. Santani liegt im Hochland Sri Lankas, auf einer ehemaligen Teeplantage im Regenwald, alleine die Lage ist schon beeindruckend. Das Konzept des Hauses basiert auf der Ayurveda-Tradition, das Ziel ist es immer, dem Gast ein Bewusstsein für ganzheitliche Gesundheit zu vermitteln.
Und woran scheitern Kooperationen zwischen Marken am häufigsten?
An Eitelkeit und an fehlender Ehrlichkeit über das eigentliche Ziel. Viele Marken wollen kooperieren, um sofort gesehen zu werden, und nicht, um etwas gemeinsam zu bewegen. Das merkt man sofort, weil dann jedes Detail wie ein Vertrag verhandelt wird: wer wo genannt wird, wer wann sichtbar ist, anstatt mit Vertrauen und Offenheit in die Partnerschaft zu gehen. Die besten Kooperationen entstehen, wenn beide Seiten bereit sind, etwas von ihrer Kontrolle abzugeben, aber auch, wenn beide wissen, dass sich da eine Verbindung entwickelt, die Zeit braucht.
Du hast Dein Handwerk bei Chopard gelernt, im echten Luxusbereich. Was davon prägt Deine Arbeit bis heute?
Bei Chopard habe ich gelernt, dass es bei wahrem Luxus nie nur um das Produkt selbst geht, sondern um die Sorgfalt, mit der man damit umgeht. Jedes Detail, jede Geste, jedes Gespräch zählt, mit Wertschätzung und Interesse für das Gegenüber. Sich in die Thematik einfühlen ist super wichtig: Stimmt der Ton, stimmt das Timing, fühlt sich das für den Menschen, der es erlebt, richtig an? Am Ende zählt das Gefühl, das entsteht, wenn ich Menschen versuche, für eine Marke zu begeistern.
Man hört ständig, der Luxusbegriff verschiebe sich. Merkst Du das in Deiner Arbeit oder auch im Denken der Marken?
Ja, früher war Luxus etwas, das man nach außen zeigt. Heute ist Luxus etwas, das man spürt und danach bestenfalls mit sich trägt. Marken, die das verstanden haben, reden nicht mehr über die perfekte Ausstattung, sondern über das Gefühl, das sie verkaufen und die Verbindung, die dabei entsteht. Genau da setzen Orte wie Viluz oder Santani an: Keiner der beiden verkauft nur ein Zimmer, sie verkaufen die Möglichkeit, sich selbst wieder zu begegnen. Das ist der neue Luxus. Und er ist womöglich auch schwerer zu inszenieren als ein reines Luxusgut, vielleicht ist es aber auch genau deshalb viel wertvoller.