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Die Moonshooterin

von Nora Weber

26. Januar 2021

Sie schießt unglückliche Menschen oder auch disruptionsgetriebene Unternehmen zum Mond. Jeden Tag. Und wenn diese zurückkommen haben sie einen der aufregendsten und heilendsten Trips hinter sich, den sie je erlebt haben. Danach ist alles anders. Besser.

 

„Was ist ein Moonshooter?“ Das ist zu 99% die erste Frage, die Stephanie Ackermann gestellt wird. „Ganz simpel“, erklärt die 45-jährige Unternehmerin Stephanie Ackermann, „ich helfe Einzelpersonen oder eben auch ganzen Abteilungen von Unternehmen dabei, eine große neue Vision für eine optimierte Zukunft zu finden - ganz ohne Raumanzug. Und dieser Prozess heißt Moonshooting-Prozess.“

Der Begriff kommt aus der Zeit, als die Amerikaner sich zum Ziel gesetzt hatten auf den Mond zu fliegen. Als man zum ersten Mal diese Idee hatte, war man von dem Ziel sehr weit entfernt und konnte sich zunächst nicht richtig vorstellen, wie man das erreichen könnte. Aber was zum Erfolg des Projektes geführt hat, war das Moonshoot-Thinking. 

Foto: Stephanie Ackermann

Stephanie Ackermanns Kunden haben alle eines gemeinsam: Sie hängen sozusagen „auf der Erde fest, kommen nicht vom Fleck“ und sehen doch jeden Tag ihr großes Ziel.


„Meine Kunden haben die unterschiedlichsten Probleme. Es kann die Karriere sein, die schon lange nicht auf den nächsten Level kommt, oder auch das Privatleben, welches sich nicht glücklich und erfüllt anfühlt. Im Moment sind es aber ganz besonders oft Unternehmer, welche schnell zu einem Ergebnis kommen wollen. Durch Covid müssen sehr viele Unternehmen umdenken oder sich gar neu erfinden. Disruption ist in aller Munde. Wie soll das aber funktionieren, wenn man sich wie gelähmt fühlt? Wenn man einfach überhaupt nicht weiß, wie man zu diesem weit entfernten Ziel kommen soll?“ 

Wenn man Stephanie Ackermann über ihre Kunden reden hört, spürt man, dass sie sich extrem gut in die Probleme ihrer Kunden einfühlen kann. Sehr gut sogar. Sie selbst hat all das am eigenen Leib erfahren.


„Ja, ich war finanziell ruiniert und mein Leben hatte so etwas von „Täglich grüßt das Murmeltier“. Was man auch tut, man bekommt das Problem einfach nicht in den Griff und man fühlt sich immer mehr wie ein Loser.“


Vor 11 Jahren musste Stephanie ihr eigenes, am Küchentisch aufgebautes Startup, welches zum Schluss börsennotiert war, in die Insolvenz bringen.
 

Danach folgte eine lange Zeit der stetigen Misserfolge. Sie beschreibt diese Zeit als eine traurige Phase ihres Lebens, die ihr dennoch die beste Basis ihres Verständnisses für ihre Kunden gebracht hat.

 

Die Kultur in Deutschland, über Misserfolge nicht reden zu können, sieht sie dabei als eines der Hauptprobleme an, warum es manchen Menschen nicht gelingt, sich aus einer solchen Situation wieder heraus zu manövrieren.

Im Silicon Valley gehört der Spruch „fail hard and fail fast“ zur Unternehmenskultur schon seit vielen Jahren dazu. Hier in Deutschland heißt es eher „einmal Loser, immer Loser“. „Und mit dem Konsumieren von Fuck-up-Nights werden wir an unserem gesellschaftlichen Bild auch nichts ändern“, sagt die 45-jährige Unternehmerin grinsend.

 

Bis Stephanie aus ihrer eigenen Misere wieder rauskam vergingen einige Jahre. Viele verschiedene Dinge hat sie ausprobiert, geholfen hat nichts. „Je mehr ich ausprobierte und es wieder nicht funktionierte, dachte ich, was mache ich bloß falsch?“ Dabei hörte sie nicht auf daran zu glauben, dass es eine Lösung für sie geben müsste. Und so probierte sie vieles aus. Von Marketingseminaren, über Yoga Retreats auf Bali oder auch tägliche Meditation. Aber auch diese Methoden hatten für sie keinen nachhaltigen Erfolg.

Das sollte sich erst ändern, als Stephanie sich mit geführter Trance auseinandersetzte.

„Definitiv war das zum ersten Mal der Punkt, dass ich merkte, dass ich selbst die einzige war, die mein ganzes Leben ändern konnte. Sonst niemand. Und vor allem, dass ich alle Antworten, die ich immer in Beratern von außen gesucht habe, selbst in mir hatte.“

 

Natürlich stehen bei ihren Sessions für Unternehmen große disruptive Prozesse an der Tagesordnung. Der Druck auf die Unternehmen sei durch Covid jetzt noch gewachsen. Jetzt bräuchten Unternehmen schnell Lösungen. Sie müssten agieren, sonst sind sie in der Post-Corona-Zeit weg vom Fenster. „Innerhalb der Sessions werden schnell Lösungen gefunden. Meine Kunden haben oft so geniale Ideen, dass sie mich manchmal geradezu umhauen. Das einzige, was ich dabei mache, ich gebe meinen Kunden die Möglichkeit sich in ihre komplett optimierte Zukunft einzudenken.“ Die leise Stimme im Kopf, die immer sagt „das kann ich doch nicht“ oder „ich weiß keine Lösung“ schalte sie in der Session aus. An ihrem Lächeln sieht man, dass es eine besondere Erfahrung sein muss, die ihre Kunden dann machen. „In meinen Sessions gibt es alles: Tränen, Lachen, aber vor allem ganz viel Erstaunen. Ist das nicht toll, was alles in Menschen steckt, wenn sie einmal befreit sind?“

Aus den Sessions kommen Stephanies Kunden mit einer To-do-Liste. „Sie wissen, wo sie hinwollen, aber noch viel wichtiger ist, dass sie anschließend wissen, welche einzelnen Schritte zu der Ziellerreichung führen.“

 

Heute ist Stephanie Ackermann mit ihrem Moonshooting-Prozess erfolgreicher denn je. Zu ihren Kunden gehören Privatpersonen, Promis, Startups, Künstler und ganze Vorstände.

Sie arbeitet mit ihren Kunden seit dem Lockdown überwiegend online. Dabei kommen ihre Kunden aus der ganzen Welt. Sie beschreibt ihre Arbeit als einen Prozess, der großes Vertrauen voraussetzt. In die Online-Welt haben allerdings viele ihrer Business Kunden nicht immer volles Vertrauen. „Aber wenn ich mal mit einem Privatjet zu meinem Kunden abgeholt werde, ist das nicht so schlimm“, sagt die Unternehmerin mit einem Zwinkern im Auge.

 

Das Ziel ihrer Arbeit ist immer eines: „Meine Methode ermöglicht es, eine Vision sehr schnell an den Start zu bringen, mit der eine extrem starke innere Verbindung und dementsprechender Erfüllungsgrad geschaffen wird. Ich bin regelmäßig davon erschlagen, wenn ich das Follow-Up-Meeting mit meinen Kunden mache, um zu hören was in der Zwischenzeit alles passiert ist. Ganz oft haben sich dann schon die ersten Probleme auf dem Weg zu ihrer großen Mission lösen lassen. Meine Kunden kommen weiter, sie bleiben in einem Flow ihrer Genialität.“

 

Aus vielen Sessions entwickeln sich lange gemeinsame Projekte. Ihren ersten Kunden habe sie noch immer. „Er ist Musikproduzent. Ich habe ihn kennen gelernt, als er von großer eigener Unsicherheit geplagt war. Das ist schon ironisch, wenn man fremde Musiker und Künstler ansprechen muss, um sie davon zu überzeugen, dass man ihr neuer Manager werden sollte, man sich aber nicht traut. Heute managt er eine der erfolgreichsten Bands in Europa. Er hat hart an sich gearbeitet. Aber das ist eben alles möglich, wenn man die richtige Methode nutzt. Dann werden aus Mauerblümchen Megastars.“

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