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  • Erwachsen werden ist gar nicht so leicht

    Wir denken oft, wir sind mit unseren Herausforderungen beim Erwachsen werden allein. Letztendlich geht es aber allen gleich, wir reden nur nicht darüber. Unsere Gastautorinnen Anna und Lina waren an unterschiedlichen Punkten in ihren Leben mit Überforderung konfrontiert. Die beiden haben sich im Studium kennengelernt und im Auslandssemester zusammengewohnt. Nach vielen tiefen Gesprächen kam die Realisierung – so allein sind wir mit unseren Gedanken gar nicht. Was junge Menschen heute überfordert und wie sie damit umgehen erfahrt ihr in ihrem Erfahrungsbericht. Linas Vorgeschichte Mit dem Abitur in der Tasche startete ich in mein Auslandsjahr. Dafür war alles geplant: Das Visum, der Flieger, die Koffer gepackt – die große weite Welt kann kommen, ich werde erwachsen. Ich bin mit jedem Tag gewachsen, habe mich neuen Herausforderungen und Ängsten gestellt. Sollte das nicht genug sein zum Erwachsen werden? Leider nein. Die Frage meiner Eltern, was ich danach machen wolle, war unvermeidbar. Aber was wollte ich denn eigentlich? Meine Entscheidung jetzt entscheidet meine Zukunft. Oder nicht? Was, wenn ich mich falsch entscheide? Mit meinem Studium sollte die Grundlage für das erwachsene Leben gelegt sein. Jetzt geht’s wirklich los! Aber wie? Ausziehen, zu Hause wohnen bleiben? Einen Master, keinen Master? Mit 23 Jahren wurde es erst ein neuer Job und dann ein berufsbegleitendes Masterstudium, dann kam der Auszug und eine Quarter-Life-Crisis: Will ich wirklich Erwachsen werden? Ich weiß es nicht mehr. Ich bin mit jedem Tag gewachsen, habe mich neuen Herausforderungen und Ängsten gestellt. Sollte das nicht genug sein zum Erwachsen werden? Leider nein. Annas Vorgeschichte Nach der Schule war ich bereit das Studium zu starten. Es wurde Medienmanagement mit der Spezialisierung Sport- & Eventmanagement. Ich wollte damals schon mit meiner Arbeit Menschen ein Leuchten in die Augen zaubern. In 3,5 Jahren Uni durfte ich viele Erfahrungen sammeln, verbrachte mein Auslandssemester in Bangkok, hatte eine Stelle als Werkstudentin und machte meinen Bachelor. Danach startete ich in meinen ersten Job, der sich als schrecklich herausstellte und trat 8 Monate später meinen Traumjob an. Ich dachte jetzt kann es los gehen, die Welt wartet auf mich und meine Ideen. Und so war es auch ein bisschen aber nach 1,5 Jahren kam ich dann an einen Punkt, an den ich mich fragte „Soll es das jetzt sein?“. Ich fühlte mich überfordert eine Entscheidung zu treffen - weitermachen oder stehenbleiben? Sind das die Entscheidungen, die wir als Erwachsene treffen müssen? Wenn wir uns heute unterhalten, wissen wir immer noch was uns vor einigen Jahren überfordert hat und sind uns bewusst, dass es wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal in unserem Leben gewesen sein wird. Wenn wir zurückblicken, sehen wir das Meer an Möglichkeiten, aus dem wir erstmal die richtigen Optionen fischen mussten. Da eröffnet sich die größte Herausforderung. Welche Optionen gibt es überhaupt? Geprägt durch unser Umfeld haben wir uns für einen ersten Weg entschieden. Damals war uns noch nicht klar, dass keine Entscheidung für immer ist und das stand im Gegensatz zu dem, was wir dachten. Ich fühlte mich überfordert eine Entscheidung zu treffen - weitermachen oder stehenbleiben? Sind das die Entscheidungen, die wir als Erwachsene treffen müssen? Unsere gemeinsame Lösung Zukünftig wollten wir unsere Überforderung in positive Energie umwandeln. Den Mut zu fassen, mit der damaligen Lebenssituation unzufrieden sein zu dürfen, war für uns beide auf die unterschiedlichste Art eine Überwindung. Vor allem der Druck von außen spielte dabei eine Rolle, denn wir mussten jetzt Karriere machen. Da war kein Raum für Second Thoughts oder die Überforderung des Erwachsenseins. Als wir begannen darüber zu sprechen, stellten wir fest, unserem Umfeld geht es auch so. Wir haben in den letzten Jahren herausgefunden, dass die Lösung zu weniger Überforderung nicht die Antworten auf die Fragen sind, die uns das Leben entgegenwirft, sondern mehr die Akzeptanz, dass es völlig in Ordnung ist, für diesen Moment keine haben zu müssen. Klar war uns, die Fragen dürften nicht für immer unbeantwortet bleiben. So fanden wir Mechanismen, um den Weg zu den Antworten zu ebnen. Wenn wir über unsere Wege sprechen, sehen diese unterschiedlich aus. Den Mut zu fassen, mit der damaligen Lebenssituation unzufrieden sein zu dürfen, war für uns beide auf die unterschiedlichste Art eine Überwindung. Linas Weg bestand aus drei Monaten Zeit allein, um Energie zu tanken, sich der Familie zu widmen und vor allem mit sich selbst sowie den tiefsten Wünschen und Vorstellungen für das eigene Leben. Anna nahm an dem Growth Bootcamp von amelia teil. In sechs Wochen durchlief sie Themen wie Passion & Purpose, Personal Branding und Mindset. Dieses Programm führte sie zurück zu sich, zu dem, worum es im Leben geht. Wir wissen jetzt, Entwicklung und Erwachsen werden, hören niemals auf. Wir werden uns die gleichen Fragen immer wieder stellen und mit jedem neuen Lebensabschnitt neue Antworten finden. Und das ist auch gut so. Viten: Lina Reumann (27 Jahre) war dreieinhalb Jahre Projektmanagerin bei der Eventagentur CE+Co GmbH und ist seit November 2022 Managerin im Bereich Management Operations bei der SPORTFIVE Germany GmbH in Hamburg. Anna Janina Meyer ist Projektmanagerin bei Funke, Moderatorin & Podcasterin bei WORKolution & emPowered by WOMEN. Darüber hinaus ist sie Gesellschafterin bei dem Start-up amelia und kümmert sich dort um die Bereiche Marketing und Partnerships.

  • Nie wieder nervös: 10 Tipps gegen Lampenfieber

    STRIVE+ | Vielen Menschen fällt es schwer, vor anderen zu sprechen. Schon das morgendliche Teammeeting sorgt für rote Flecken am Hals, vom Impulstalk auf der Konferenz mal ganz abgesehen. Was hilft gegen Lampenfieber? Wir haben zehn Tipps. Souverän vor Publikum sprechen kann man üben. Dazu gehört: Lampenfieber nicht verdammen, sondern als Zeichen des Körpers verstehen. Ob vor Kolleg:innen im Meeting, bei einer wichtigen Präsentation mit der Geschäftsführung oder für eine große Keynote vor Publikum: Für viele gehört es im Job dazu, vor anderen zu sprechen. Während manche Menschen im Scheinwerferlicht aufblühen und zur Bestform auflaufen, bekommen andere schon beim Gedanken an ihren Auftritt schwitzige Hände und eine zittrige Stimme. Dabei ist das Sprechen vor Publikum – wie so vieles andere im Leben auch – Übungsund Einstellungssache. Warum also nicht bei Expert:innen nachfragen, die genau wissen, wie es souverän und ohne Angst geht? Ole Tillmann (41) bezeichnet sich als privat eher zurückhaltend. Auf großen Bühnen ist er tosenden Beifall gewohnt. Der gelernte Schauspieler und Moderator hatte nach seiner Ausbildung zum Schauspielcoach fünf Jahre lang internationale TED-Speaker:innen auf ihre Auftritte vorbereitet und widmet sich heute mit seiner Beratung Peak der Frage, wie man innovative Ideen überzeugend kommuniziert. Er kennt also beide Seiten: Wie es ist, vor Menschen zu sprechen – und wie man andere auf ihre Auftritte vorbereitet. Mit Herzklopfen und weichen Knien hat Tillmann auch schon eigene Erfahrungen gemacht, sieht öffentliches Sprechen aber als Handwerk, zu dem eben auch der Umgang mit Aufregung gehört. „Wir müssen Nervosität reframen, sie ist nichts Schlechtes“, sagt er und rät dazu, mehr Verständnis für den eigenen Körper aufzubringen. ERSTER SCHRITT gegen die Aufregung: verstehen, wie sie entsteht, und sich kurz in den Steinzeitmenschen in uns versetzen. Wird der nämlich mit einer Gefahr, egal, ob Säbelzahntiger oder plötzliches ImMittelpunkt-Stehen, konfrontiert, werden einige Vorgänge angestoßen. Unsere „innere Alarmanlage“, die Amygdala, wird aktiviert. Sie ist der Teil im Hirn, der für die Analyse möglicher Gefahren zuständig ist. Über die Amygdala werden verschiedene Bereiche des Hirns angesprochen und Botenstoffe ausgeschüttet. „Ich frage mich vor jeder Sendung, vor jedem Auftritt: Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Und, Überraschung: Kein Versprecher, kein Blackout wäre ein Weltuntergang – das klingt banal, macht aber viel aus.“ -Muschda Sherzada-Rohs, Moderatorin Diese Hormone sorgen für die uns bekannten Stresssymptome: Blutdruck und Puls steigen, der Atem geht schneller, der Muskeltonus steigt, was zu Zittern oder nervösen Bewegungen führen kann. Aber noch mehr: Es werden rote Blutkörperchen ausgeschwemmt, die die Muskeln mit Sauerstoff versorgen. Diese werden besser durchblutet, das Blut gerinnt schneller, damit wir bei Verletzungen geschützt sind. In kürzester Zeit sind wir bereit, uns dem gefährlichen Säbelzahntiger oder der Präsentation entgegenzustellen oder wegzulaufen – es kommt zur „Fight or flight“-Reaktion. „Wenn wir einem Raubtier gegenüberstehen, sind diese körperlichen Reaktionen Gold wert, vor einem Publikum sind sie nicht ganz so hilfreich. Wer aber die inneren Vorgänge kennt, kann ein ganz anderes Verständnis für seinen Körper aufbringen und aktiv mit der Aufregung umgehen, zum Beispiel mit Atemübungen oder kleinen Ritualen“, sagt Ole Tillmann. Das Beste sei, dass die Stressreaktion dafür sorge, dass wir plötzlich völlig präsent und fokussiert seien. Lampenfieber ist ein Bodyguard Auch Doro Plutte (42), Moderatorin und Kommunikationstrainerin, ist Lampenfieber-Fan. „Ich sehe die Aufregung immer als einen Bodyguard, der mich beschützt und mich bestens für meinen Auftritt wappnet.“ Die Expertin für Körperhaltung kennt Strategien, um die Nervosität in den Griff zu bekommen. „Vorher tief ein- und ausatmen, um dem Gehirn zu signalisieren, dass keine Gefahr besteht. Ausschütteln und locker machen. Dann am Anfang der Präsentation bewusst die Füße erden und die sichere Verbindung zum Boden spüren“, erklärt Plutte. Es sei wichtig, mit einer positiven Einstellung vors Publikum zu treten. Dieses nehme dann wahr: Da hat jemand Spaß. Auf die innere Haltung schwört auch Muschda Sherzada-Rohs (35), die seit zehn Jahren den „Tigerenten Club“ und aktuell die „Landesschau“ im SWR moderiert. „Ich frage mich vor jeder Sendung, vor jedem Auftritt: Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Und, Überraschung: Kein Versprecher, kein Blackout wäre ein Weltuntergang – das klingt banal, macht aber viel aus.“ Und wenn dann doch etwas schiefgeht? „Humor ist das A und O. Wenn ich eine Präsentation halte und ein Slide überspringe, sage ich: ‚Ach, Mensch, jetzt hätte ich Ihnen doch fast eine ganz besonders spannende Folie vorenthalten, wie frech von mir!‘.“ Was SherzadaRohs außerdem wichtig ist: „Sich selbst treu bleiben, nur so kann man authentisch und überzeugend sein.“ Im Businesskontext heißt das: sich nicht auf einmal anders ausdrücken, um seriöser zu klingen. Sich nicht verkleiden, sondern ein Outfit finden, das dem Rahmen entspricht und sich gleichzeitig gut anfühlt. Und vor allem: sich klar machen, dass das Gesagte im Fokus steht und nicht die eigene Persönlichkeit oder das Äußere. Das Geheimnis gegen die Aufregung, da sind sich die drei Expert:innen einig, lautet also: verstehen, warum der Körper welche Reaktionen zeigt, aktiv beruhigen und die guten Seiten der Nervosität zum eigenen Vorteil nutzen. Welche kleinen Tricks es dafür gibt und warum Sie vor Ihrem nächsten Auftritt vielleicht eine Büroklammer oder einen Korken einstecken sollten? In den Tipps verraten sie es Ihnen. Zehn Tipps gegen Lampenfieber 1. Ruhe im Alltag Nicht erst in der Situation selbst kann man sich beruhigen. Durch regelmäßigen Sport, Meditation und guten Schlaf kann man schon im Alltag dafür sorgen, entspannt zu sein und besser mit Stress umzugehen. 2. Routine finden Oft kommt die Aufregung einige Zeit vor der Präsentation. Hier hilft es, eine feste Routine zu haben. Atemübungen signalisieren dem Gehirn: „Hey, alles gut, es besteht keine akute Gefahr!“ Dafür zum Beispiel lange durch die Nase einatmen, halten und doppelt so lange durch den Mund ausatmen. Auch Stretching ist super, um sich zu fokussieren und den Körper aufzuwärmen. 3. Spaß haben Business-Talk muss nicht bedeuten, bierernst zu sein. Wer über eigene Ideen und Leidenschaften spricht, darf das auch zeigen. Versuchen Sie, die Situation zu genießen. Sie haben gerade die ungeteilte Aufmerksamkeit und somit die Chance, andere zu inspirieren – nutzen Sie das! 4. Akribisch vorbereiten Ole Tillmanns Methode „Agile Presentation Design“ hilft dabei, Präsentationen und Keynotes sorgfältig vorzubereiten, denn nur so kann man auf der Bühne loslassen und in einen Flow-Zustand kommen. Das gilt auch im kleineren Rahmen, etwa in einem Meeting. Wer eine Struktur verinnerlicht hat, fühlt sich automatisch sicherer: Womit steige ich ein? Wie halte ich in der Mitte die Aufmerksamkeit? Was kommt zum Schluss? Die erste Struktur kann man easy mit einem Storyboard aus Klebezetteln anlegen: einmal alles aufschreiben und die Gedanken visualisieren. Schnell erkennt man Muster und Prioritäten. 5. Körperhaltung Egal, ob im Sitzen oder Stehen: Die Füße sollten aktiv geerdet werden. Schultern locker machen, Kopf aufrichten und Arme vor dem Körper über der Gürtellinie halten, das wirkt offen und selbstbewusst. Faustregel: die Ellenbogen im 90-Grad-Winkel. Hände ineinanderlegen oder gestikulieren. Wer dazu neigt, die Hände aneinanderzureiben, kann einen Stift, Moderationskarten oder einen Pointer halten. 6. Verständnis haben Sie schwitzen und zittern vor Aufregung? Wenn Sie jetzt streng zu sich selbst sind, macht es alles nur schlimmer. Nehmen Sie die Reaktionen Ihres Körpers an und sagen Sie sich, dass es dazugehört, aufgeregt zu sein. Haben Sie Verständnis für sich selbst und bleiben Sie sanft. 7. Virtuelle Präsentationen Die Aufregung bei Onlineterminen ist oft etwas kleiner, weil durch die Bildschirme mehr Distanz besteht. Doch Achtung: Genau das kann ein Stolperstein sein, denn durch die Übertragung gehen viel Mimik und Gestik verloren. Um auch virtuell präsent zu sein, ist es daher wichtig, den Blick bewusst ab und an in die Kamera zu richten, also nicht nur auf die Gesichter der anderen zu schauen. Die Kamera am besten auf Augenhöhe platzieren, aufrecht sitzen und auf Stühle mit beweglichen Rückenlehnen verzichten. Wer sich beim Sprechen nach hinten lehnt, wirkt plötzlich viel weiter weg. Beim Publikum kommt nur an: Diese Person zieht sich zurück und wirkt weniger selbstbewusst. 8. Stimmübungen Für einen überzeugenden Auftritt muss die Stimme möglichst klar sein. Am entsprechenden Tag nur Tee und stilles Wasser trinken. Von kohlensäurehaltigen Getränken muss man aufstoßen, und Cremiges wie ein Latte macchiato verklebt die Stimmbänder. Zwischendurch und vor dem Auftritt: einen Korken zwischen die Zähne klemmen und versuchen, so deutlich wie möglich zu sprechen. So wird die Aussprache klar, die Stimme ist gelockert und zittert nicht. 9. Büroklammer-Trick Wer unter Stress dazu neigt, die Hände in den Hosentaschen zu vergraben oder nervös mit dem Ehering zu spielen, kann sich mit einem Mitbringsel aus dem Büro behelfen: einfach eine Büroklammer halten. Die sieht niemand, sie hält aber die Finger still. 10. Interagieren – aber richtig Horrorszenario: Sie stellen eine Frage und im Raum herrscht Schweigen. Falls dieser Gedanke Ihnen Herzklopfen bereitet, üben Sie, offen zu kommunizieren. Eine Frage wie „Was ist die positivste Erfahrung, die Sie mit dem neuen Tool gemacht haben?“ führt zu angeregten Beiträgen, während „Haben Sie schon Erfahrungen mit unserem Tool gemacht?“ einfach nur mit Ja oder Nein beantwortet wird.

  • Branchen-Check: Logistik

    STRIVE+ | In der neuen STRIVE-Serie Branchen-Check nehmen wir in jeder Ausgabe einen Wirtschaftssektor unter die Lupe. Den Anfang macht die Logistik, deren größte Herausforderungen aktuell die Digitalisierung, aber auch Krieg und Klimawandel sind. Wie geht die Branche mit all dem um? Steckt sie in der Krise? STRIVE sprach mit drei führenden Managerinnen. Sie sind gut 13 Meter lang und 3,9 Tonnen schwer. Hunderttausende von ihnen schaukeln täglich über die Weltmeere. Sie bringen Lebensmittel, Kleidung und Gefahrgut von Hafen zu Hafen. Die Rede ist von Schiffscontainern. Sie veränderten den Warenverkehr und machten die Globalisierung erst möglich. Früher beförderten Frachtschiffe Tausende Säcke, Fässer und Kartons. 1954 lagen auf einem Dampfer bis zu 194.600 Einzelteile, und das Be- und Entladen dauerte mehrere Tage. 1956 erfand der LkwFahrer Malcom McLean aus North Carolina die standardisierten Container – ein echter Gamechanger, der die Logistikbranche für immer verändert hat. Noch heute stellt die Logistik sicher, dass Materialien zur richtigen Zeit am passenden Ort sind. In Deutschland waren zuletzt 3,1 Milliarden Tonnen Güter per inländischen Lkw unterwegs, 357,6 Millionen Tonnen Ware kamen per Eisenbahn und 195,1 Millionen Tonnen per Binnenschifffahrt, wie das Statistische Bundesamt aufschlüsselt. Aus der Luft waren es etwa 2,6 Millionen Tonnen Fracht, die man in der BRD auslud. Wie geht es der Logistik- und Transportbranche heute, in Zeiten von Krisen und massiven Lieferkettenproblemen? Insider:innen glauben, dass die Schwierigkeiten wohl bis Ende 2023 andauern werden. Was schon heute feststeht: Der Fachkräftemangel ist hier längst angekommen. Im September 2022 war die Logistik die Berufsgruppe mit den meisten offenen Stellen am Arbeitsmarkt: 72.000 waren unbesetzt. Was sagen die Menschen, deren tägliches Brot der Kampf um die pünktliche Zustellung ist? Angela Titzrath (56) ist die Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Sie erklärt: „Die Coronapandemie, Unwetter in vielen Teilen der Welt sowie der Krieg in der Ukraine mit seinen Auswirkungen: Die globalen Lieferketten wurden massiv gestört.“ Man erlebe durch die schnelle Abfolge Wellenbewegungen, die sich gegenseitig verstärkten und das System aus dem Takt brächten. So seien Schiffe mit wochenlangen Verspätungen unterwegs. „Wir arbeiten daran, das System wieder zu beherrschen. Logistik heißt für uns auch immer, Volatilität zu managen“, sagt Titzrath. An den drei Containerterminals der HHLA schlug man 2021 etwa 6,3 Millionen TEU um. TEU steht dabei für die Twenty-foot Equivalent Unit, also einen 20-Fuß-Container. Das System beherrschen. Es wäre gut, wenn dies gelänge. Denn die Logistikbranche ist ein Wachstumstreiber. So rechnet Allied Market Research mit einem weltweiten Branchenumsatz von rund 12.975 Milliarden US-Dollar bis 2027. Ein Beispiel für die gewaltigen Chancen der Logistik zeigt sich auch bei der chinesischen Belt and Road Initiative. Zum Start der Bahnverbindung 2011 waren 17 Züge von oder nach China gefahren, 2018 waren es 12.406. Die Zukunft wird zeigen, ob der Transport über die Schiene aus Fernost auch nach Europa zunehmen wird. Wir fragen nach bei DB Cargo, der größten europäischen Güterbahn mit einem Außenumsatz 2021 von knapp 4,2 Milliarden Euro. „Seit März fahren wir fast jede Nacht gespendete Hilfsgüter von Deutschland in die Ukraine, mehr als 1.100 Containerladungen, fast 20.000 Tonnen Hilfsgüter. Und ich verspreche: In diesem Winter werden wir auch unglaublich viel Kohle fahren, was auch für uns überraschend ist“, sagt Sigrid Nikutta (53) von DB Cargo. Von der Zukunft hat sie eine klare Vorstellung: „Mein Ziel ist, dass eines Tages das ökologischste Verkehrsmittel auch das ökonomisch sinnvollste für Unternehmen ist. Auf langer Distanz ist das eindeutig der Güterzug. Hier kommt es auf eine intelligente Vernetzung der Verkehrsträger an. Heute fahren wir mehr als 3.000 Züge täglich – davon zwei Drittel über mindestens eine europäische Grenze.“ Bei DHL Consulting arbeitet Sabine Müller (52) als EVP Global Head. Über die aktuellen Herausforderungen sagt sie: „Die Pandemie hat gezeigt, dass unsere Supply-Chains agiler und resilienter sein müssen. Die Logistik hat sich von einem reinen Kostenfaktor für die Unternehmen zu einem Wettbewerbsvorteil entwickelt. Umsatzwachstum und Kund:innenerfahrung stehen mehr und mehr im Fokus.“ Für den Mutterkonzern Deutsche Post DHL Group lief das Jahr 2021 besonders gut. So gelang den Bonnern 2021 bei einem Umsatz von 81,7 Milliarden Euro ein Gewinn von 8,0 Milliarden Euro. Damit war der Konzern nach eigener Aussage so profitabel wie noch nie. Für Sabine Müller ist die wichtigste und größte Herausforderung die Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten. „Dafür müssen wir den CO2 -Fußabdruck unserer SupplyChains schnell und signifikant reduzieren.“ Bis 2030 gebe man deshalb bis zu sieben Milliarden Euro im Bereich Nachhaltigkeit aus. Unternehmen zu einem Wettbewerbsvorteil entwickelt.“ - Sabine Müller, CEO DHL Consulting Was kommt in Zukunft auf die Branche zu? Neben den Schockwellen, die die Logistikbranche gerade erfährt, müssen sich die Verantwortlichen auch passende Antworten für die Zukunft überlegen. „Die weltweite Nachfrage nach Industrierobotern wird bis 2025 jährlich um zehn Prozent steigen“, sagen die Forscher:innen der Arbeitsgruppe für SupplyChain-Services des Fraunhofer IIS voraus. Zur Lösung der Klimakrise heißt es: „Aufgabe der Logistik wird es sein, einen stärkeren Beitrag zur Reduktion von Klimagasen zu leisten, beispielsweise durch die klimaverträgliche Optimierung von Transportwegen.“ Momentan finde in Deutschland ein Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft statt. „Aufgabe der Branche wird es sein, durch Datenanalyse einen Mehrwert für den Anwender zu generieren, um neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln“, gibt die Wissenschaft der Logistik mit auf den Weg. Selbst der Einsatz von künstlicher Intelligenz lohnt sich, denn mit ihrer Hilfe können Speditionen Prozesse effizienter gestalten. Aufgaben, die machbar erscheinen und die der Logistik dabei helfen werden, sich den neuen globalen Gegebenheiten anzupassen. Siegeszug der Globalisierung Für die Zukunft der Logistik gibt es eine Vielzahl von kreativen Ideen. Zwei davon: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz überlegt, 51.000 deutsche Litfaßsäulen zu Paketlagern umzubauen. Und das Startup Droid Drive der RWTH Aachen möchte bis zu fünf gekoppelte Elektrofahrzeuge auf die Straßen schicken. Die Paketwägelchen rollen den Zusteller:innen dann selbstständig hinterher. Zurück zu Malcom McLean, dem Erfinder des Containers. Was Angela Titzrath von der Hamburger Hafen und Logistik AG ihm gern sagen würde? „Ich hätte ihm dazu gratuliert, dass er mit einer relativ simplen Idee zum Siegeszug der Globalisierung beitrug.“ PERSONALIEN ANGELA TITZRATH Die Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG war in verschiedenen Managementfunktionen bei Daimler tätig und saß im Vorstand der Deutschen Post. SIGRID NIKUTTA Die Vorstandsvorsitzende von DB Cargo leitete bei der Deutschen Bahn AG das Ressort Güterverkehr. Zuvor war sie Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe. SABINE MÜLLER Die CEO von DHL Consulting und Executive Vice President hatte in den letzten 20 Jahren verschiedene Positionen bei der Deutschen Post DHL Group in den Bereichen Strategie, Organisation und Beratung inne. DIE BRANCHE IN ZAHLEN UMSATZ 2021: 293 Milliarden Euro PROGNOSE 2022: 310 Milliarden Euro; 3,35 Millionen Mitarbeitende FACHKRÄFTEMANGEL: Die Logistik ist mit 72.000 offenen Stellen derzeit die Branche mit den meisten Vakanzen am deutschen Arbeitsmarkt. UMSATZ DER GRÖSSTEN DEUTSCHEN LOGISTIKUNTERNEHMEN: Deutsche Post DHL: 10,36 Milliarden Euro; 590.000 Mitarbeitende Deutsche Bahn: 7,47 Milliarden Euro; 338.000 Mitarbeitende in Deutschland Dachser: 3,58 Milliarden Euro; 17.300 Mitarbeitende Kühne+Nagel: 3,17 Milliarden Euro; 78.100 Mitarbeitende Rhenus: 2,47 Milliarden Euro; 37.500 Mitarbeitende FRAUEN & LOGISTIK: In den Bereichen Logistik, Transport und Verkehr lag der Frauenanteil 2017 bei 20,7 Prozent. Innerhalb der Top 100 der deutschen Logistikunternehmen findet sich bei 18,6 Prozent eine Frau in der Geschäftsführung. 842.400 Frauen arbeiteten Mitte 2021 im Bereich Verkehr und Logistik (außer Fahrzeugführung).

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