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  • So machst Du Schluss mit der Verunsicherung!

    Gastbeitrag | Jeden Tag bekommen Frauen übergriffige Fragen und ungefragte Ratschläge zu hören. Leider können sie massiv verunsichern und Frauen davon abhalten zu tun, wovon sie gerade noch überzeugt waren. Karin Lausch, Geschäftsführerin der coeffect GmbH, findet: Das muss aufhören! Wie wir uns nicht mehr verunsichern lassen, beschreibt sie in diesem Artikel. „Willst du damit nicht noch warten, bis deine Kinder größer sind?“ Das ist nur eine dieser übergriffigen Fragen, denen sich vor allem Frauen im Alltag stellen müssen. Doch auch andere Fragen, implizite (gesellschaftliche) Erwartungen oder provozierende Statements, sind uns Frauen täglich sicher. Meine Top 5 der schlimmsten: „Glaubst du wirklich, dass das eine gute Idee ist?“ „Bist du dir sicher, dass du das kannst?“ „Das würde ich lieber lassen.“ „Willst du das nicht jemandem überlassen, der sich damit auskennt?“ „Du hast doch gar nicht genug Erfahrung, um das zu machen.“ Es ist kein Geheimnis und über die Jahre auch durch zahlreiche Studien bewiesen, dass wir Frauen nun mal mehr an uns zweifeln als Männer. Außerdem sprechen wir eher über den Zweifel und sind empfänglicher dafür. Es ist deshalb vielleicht auch nicht verwunderlich, dass wir so oft übergriffige Fragen und Kritik zu hören bekommen. Besorgniserregend aber ist, dass sie meist eine Lawine von Zweifeln in uns auslösen. Das geht so weit, dass wir unsere Ideen verwerfen, auf irgendwas warten oder anderen den Vortritt lassen. Wir verschenken unser Potenzial und verzichten auf unsere Träume, nur weil irgendwer nicht glaubt, dass das funktionieren kann. "Je weniger wir uns an der Anerkennung von außen orientieren, desto unabhängiger sind wir. Überlege dir immer: Wieviel Macht möchtest du anderen über dich geben?" Als ich einer Bekannten erzählte, dass ich ein Buch schreiben möchte, sagte sie: „Ein Buch ist aber ganz schön übertrieben.“ Und schon begann er, der Verunsicherungsprozess. Aber in solchen Momenten habe ich gelernt mir zu sagen: Jetzt erst recht! Diese Prinzipien helfen mir, der ungebetenen Verunsicherung zu entkommen: 1. Mach es für Dich selbst, nicht für andere Meine Idee muss vor allem erstmal mir gefallen. Es macht einen großen Unterschied, ob wir etwas für uns selbst oder für andere tun. Arbeiten wir für die Gunst anderer, oder wollen wir uns selbst treu bleiben? Verfolgen wir eine Idee, um anderen zu gefallen oder um es uns selbst zu ermöglichen, unsere Ziele zu erreichen? Je weniger wir uns an der Anerkennung von außen orientieren, desto unabhängiger sind wir. Überlege dir immer: Wieviel Macht möchtest du anderen über dich geben? 2. Nimm es als eine Meinung von vielen Meinungen gibt es viele und die dürfen unterschiedlich sein. Außerdem: Vielleicht würden unsere Kritiker:innen ihre Meinung ändern, wenn wir unsere Ideen realisieren? Aber das erfahren wir nicht, wenn wir uns sofort von allem abringen lassen, woran wir glauben. 3. Frag Dich, wer das Problem hat Kritische Kommentare sind nicht unbedingt unser Verdienst. Sie erreichen uns nicht deshalb, weil wir tatsächlich nicht gut genug sind, oder wirklich lieber auf irgendwas warten sollten. Sie erreichen uns oft deshalb, weil unser Gegenüber bewusst oder unbewusst kein Interesse daran hat, dass wir wachsen. Vielleicht macht ihnen der Gedanke Angst. Vielleicht bringen wir ihnen mehr, da wo wir gerade sind. Vielleicht profitieren sie davon, dass wir so bleiben und uns weiter unseren Aufgaben widmen. Vielleicht ist es auch nur ihre Angst, die spricht, weil sie sich sowas niemals trauen würden? Die übergriffige Kritik ist deshalb erstmal nur eine Selbstkundgabe und hat noch nichts mit uns zu tun. 4. Finde heraus, was gemeint ist Ungefragte Kritik und übergriffige Kommentare lassen uns oft geschockt und sprachlos zurück. Doch es hilft uns nicht weiter, wenn wir der Sache nicht auf den Grund gehen, denn dann bleibt uns nur der Zweifel. Viel besser: Frage nach, was die Aussage bedeuten soll. Fragen wie: „Wie meinst du das genau?“ oder: „Was bringt dich dazu, das zu sagen?“ wirken Wunder. Denn sie helfen uns, sofort herauszufinden, ob ein fundiertes Feedback aus der Kritik zu ziehen ist. Wenn das der Fall ist, macht es durchaus Sinn, ins Gespräch zu gehen. Denn gut gemeintes und sinnvolles Feedback brauchen wir alle, auch wenn es kritisch ist. Es kann uns helfen, zu wachsen. Doch wenn auf diese Fragen nichts mehr kommt, dann können wir das zum Anlass nehmen, um mit der anderen Person über ihre Motive und unsere Beziehung sprechen. 5. Sprich über Deine Bedürfnisse Wenn Du auf Dauer keine Lust auf übergriffige Fragen und blutleere Kritik hast, dann mache das deutlich und zeige auf, was du dir in Zukunft wünschen würdest. Eine Beziehung besteht immer aus zwei Menschen, das heißt 50 Prozent der Spielregeln legst Du fest. Nutze das, damit die Beziehung daran wachsen kann, statt nur an dir zu zweifeln oder den Ärger runterzuschlucken. Ich habe in meinem Leben auf nichts mehr gewartet, seitdem ich mich an diese Punkte halte. Denn sie haben mir viel mehr Selbstsicherheit gegeben. Und ich habe sehr viel gelernt. Über mich, andere und die Beziehung dazwischen. Über die Autorin: Karin Lausch ist Co-Founder und Geschäftsführerin von coeffect – the future leadership company, einem Unternehmen, dass aus Führungsindividuen wirksame Leadership-Teams macht. Im Oktober 2023 erschien ihr Buch „Trust Me – Warum Vertrauen die Zukunft der Arbeit ist“ beim Haufe-Verlag und wurde bereits kurze Zeit später auf der SPIEGEL- und Manager Magazin-Bestsellerliste der Wirtschaftsbücher platziert.

  • Warum Hartnäckigkeit sich lohnt

    Meine Gründungsstory | Swantje van Uehm, Gründerin und Managing Director von NUI Cosmetics, verrät uns im Interview, wie sie den Naturkosmetikmarkt revolutioniert hat, wie sie mit Stereotypen und Vorurteilen in der Gründerszene umging – und warum Hartnäckigkeit sich immer auszahlt. Liebe Swantje, stell Dich und Dein Team doch einmal vor. Ich bin Swantje van Uehm, Gründerin und Managing Director von NUI Cosmetics, der 100 % veganen High-Performance Naturkosmetik-Marke aus Berlin. Mit NUI setzen wir uns für verantwortungsbewusstes Unternehmertum und einen nachhaltigen Lifestyle ein. Ich arbeite mit einem wunderbaren Team aus kreativen Köpfen in den Bereichen Finance, Marketing, Sales, Kundenservice und Produktentwicklung in Berlin-Mitte. Gemeinsam möchten wir zeigen, dass man mit Leidenschaft, Mut und Beharrlichkeit eine ganze Branche verändern kann. Was ist der Unterschied zwischen NUI und anderer Naturkosmetik? Super Frage, denn der Begriff Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff und ich erlebe oft Kund:innen, die buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, weil immer mehr Marken – um ehrlich zu sein, fast alle – sich heutzutage als natürlich oder vegan bezeichnen. Vegan bedeutet aber nicht gleich natürlich – und andersherum. Viele sind an bewusstem Konsum interessiert, finden jedoch keinen Ansatzpunkt, wie sie wirkliche Naturkosmetik von einem 'grünen Packaging' (Greenwashing) unterscheiden können. Andere 'trauen' sich wiederum nicht an die Produkte, weil Naturkosmetik für sie den Anschein hat, nicht trendbewusst genug zu sein. Genau diese Lücke schließen wir mit NUI Cosmetics. Wir brechen mit den konventionellen Beauty-Standards und dem Greenwashing, um High-Performance Make-up zu kreieren, das auf den besten veganen, natürlichen und wirksamen Inhaltsstoffen basiert. Wir haben zudem ein Patent auf unser zertifiziertes, aus ökologischem Material bestehendes Packaging angemeldet, das wir in Deutschland produzieren. Kein Plastik, nur Papier. Menschen mit dem Thema vertraut zu machen, ist uns enorm wichtig. Daher empfehle ich, den direkten Kontakt zu Menschen zu suchen, die sich damit wirklich auskennen. Wir nehmen die Endkonsument:innen persönlich an die Hand. Was war Dein erstes Produkt und wie ist es entstanden? Hast Du am Entstehungsprozess aktiv mitgewirkt? NUI wurde mit unserem leuchtend roten Lippenstift AROHA geboren. Ich war damals auf der Suche nach einem leuchtenden, roten Lippenstift, ohne Karmin – dem Blut der Schildlaus – und ohne synthetische Stoffe. Unmöglich schien es. Nachhaltig und stylisch zugleich – das schien nicht machbar. Also entschied ich mich dafür, diesen selbst herzustellen und habe wirklich lange nach den passenden Produzenten und Herstellern gesucht, die dem Anspruch an 100 % vegane und natürliche Formulierungen gerecht wurden und mir auch die Möglichkeit boten, aktiv mitzuwirken. Wir mussten dutzende Schleifen drehen, bis das perfekte Rot und eine so zart schmelzende Textur mit pflegenden Bio-Ölen wie Kokos, Jojoba und Avocado entstanden sind. "Traditionell schreibt man eher Männern einen Hang zur Risikoaffinität zu. Viele Leute waren überrascht, wenn dann so eine kleine, zierliche Frau wie ich zum Pitch erschien." Welches ist Dein Lieblingsprodukt bisher und warum? Unsere Foundation pflegt intensiv, hält den ganzen Tag und verleiht einen leichten Glow, mattiert aber auch. Der erste Inhaltsstoff ist Aloe Vera Saft. Außerdem gibt es noch unser Cream Blush, mit dem Du in fünf Sekunden einen kompletten Make-up-Look zaubern kannst. Welche Rolle spielt Influencer Marketing für den Erfolg von NUI? Influencer-Marketing spielte für uns zu Beginn eine große Rolle; es hat sich ganz organisch bei uns eingefunden. Große Influencer:innen wie Pamela Reif, aber auch Cathy Hummels, waren von unseren Produkten begeistert und teilten sie mit ihrer Community, ohne unser Zutun. Das ermöglichte es uns, unsere Produkte authentisch zu präsentieren und eine breitere Zielgruppe anzusprechen. Hast Du Vorbilder? Was hast Du Dir bei ihnen abgeguckt? Tatsächlich habe ich kein spezifisches Vorbild, aber ich bewundere alle, die für ihre Träume kämpfen und sie verwirklichen – besonders Frauen. Wir sind bis dato einfach noch unterrepräsentiert; wir brauchen mehr Vorbilder. Da sind wir jedoch – wie ich finde – auf einem guten Weg. Aber auch das Thema Care-Arbeit und der Zugang zu Kapital müssen weiterhin bearbeitet werden. Am besten funktioniert das gemeinsam und im Austausch untereinander – Stichwort Female Empowerment. Als ich damals begann, meine erste GmbH zu gründen, gab es kaum Netzwerke in diesem Bereich. Daher ist es mir enorm wichtig, Gründer:innen an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen und Frauen beim Gründen zu bestärken. Deshalb bin ich unter anderem auch Mentorin im Grace Accelerator und setze mich mit der Kampagne “Stronger Together” für andere Unternehmerinnen mit nachhaltigen Ansätzen ein. Wie hast Du es geschafft, Judith Williams als Investorin bei „Die Höhle der Löwen“ zu gewinnen? Ich glaube, es war meine Beharrlichkeit und mein Wille. Ich habe in der Sendung gesagt, dass ich nicht weggehe, bevor ich einen Deal bekomme und Judith und ihr Team sind Profis im Bereich der Beauty Branche. Sie wusste sofort, für was NUI steht: Wir haben die Vision, Naturkosmetik aus dem Staub von gestern zu befreien und eine perfekte Qualität anzubieten, sodass die Kund:innen keine Kompromisse eingehen müssen. Ich muss sagen, dass wir nach ein paar Minuten einen Draht hatten und die anderen Löwen kamen kaum zu Wort. Es sollte einfach so sein. Und seitdem kann ich auf sie und das Team zählen. Unsere Zusammenarbeit ist sehr persönlich, wertschätzend, auf einer Augenhöhe und gewinnbringend. Judith versteht unsere Marke, unsere Mission und es macht Spaß sich austauschen, um gemeinsam weiter am Erfolg unserer natürlichen und veganen Beauty Produkte zu arbeiten. Was war für Dich persönlich die größte Herausforderung in Deiner Zeit als Gründerin bisher? Gerade in der Gründungsphase war es für mich nicht einfach, auf meine eigenen Bedürfnisse außerhalb meines Start-ups zu achten. Sich Zeit für sich zu nehmen, zu reflektieren und Kraft zu tanken, kam oft zu kurz. Man muss sich bewusst Zeit für die Work-Life-Balance nehmen. Als Führungsperson war es außerdem wichtig, dies auch meinem Team zu ermöglichen. Auch hier gibt es Bedürfnisse, die beachtet und erfüllt werden müssen. Ich lerne jeden Tag dazu und bin dankbar, dass mein Team mich dabei unterstützt. Insbesondere zu Beginn der Gründung habe ich auch damit zu kämpfen gehabt, die Stereotypen der Gründer:innen aufzubrechen. Traditionell schreibt man eher Männern einen Hang zur Risikoaffinität zu. In den Köpfen von Banker:innen, Investor:innen, auch Freund:innen und Co. herrschten noch alte Stereotype, die wir bewusst angehen und auflösen wollten. Dieser Einstellung bin ich auf meinem Weg mehr als einmal begegnet. Zudem wurde 2015 Female Empowerment noch nicht so großgeschrieben, und viele Leute waren überrascht, wenn dann so eine kleine, zierliche Frau wie ich zum Pitch erschien. "Man muss sich bewusst sein, dass es immer wieder Herausforderungen gibt. Immer wenn Du das Gefühl hast, jetzt ist alles in trockenen Tüchern, wartet die nächste Hiobsbotschaft auf mich." Wie bist Du damit umgegangen? Wenn ich gemerkt habe, dass ich nicht ernst genommen wurde, bin ich hartnäckig geblieben und habe das auch direkt angesprochen. Ich glaube, man muss sich bewusst sein, dass es immer wieder Herausforderungen gibt. Immer wenn Du das Gefühl hast, "jetzt ist alles in trockenen Tüchern", wartet die nächste Hiobsbotschaft auf mich (lacht). Ob es die Corona-Krise war, die für uns mit weniger Bestellungen seitens der stationären Händler einherging, Lieferschwierigkeiten auf Produktebene oder Wettbewerber, die sich wieder einmal auf uns eingeschossen hatten – die Herausforderungen sind vielfältig. Mein Motto: "Keine Lösung ist keine Lösung". Wir haben die Zeit der Corona-Krise wirklich genutzt, um zu prüfen, was wir verändern können, um unsere Vision noch mehr voranzutreiben. Damit bin ich in den NUI Cosmetics Jahren gut gefahren. Man muss sich fokussieren und faktenorientiert an die Probleme herangehen. Und was war Dein größtes Highlight? Wenn große Investoren von alleine auf Dich zukommen und an Deiner Marke interessiert sind, ist das großartig. Aber noch wichtiger ist mir das Lob unserer Kund:innen. Wir haben enorm viele Stammkund:innen. Wolltest Du schon immer selbst gründen oder kam Dir die Idee eher spontan und aus einem Need heraus? Ich habe nicht schon immer mit dem Gedanken gespielt, mich selbstständig zu machen, obwohl ich es relativ früh, mit 27 getan habe. Es kam wirklich aus dem Bedürfnis heraus, etwas in der Branche verändern zu wollen: Beauty-Produkte zu kreieren, die besser für uns und die Umwelt sind, ohne auf Performance zu verzichten. So entstand NUI Cosmetics. Über die Person: Swantje van Uehm ist Gründerin von NUI Cosmetics und Mentorin. Nach Stationen bei Chanel und Porsche hat sie 2015 ihr erstes Unternehmen gegründet. Unter der Marke Savue hat sie nachhaltige Beauty-Produkte aus aller Welt importiert und 2021 verkauft. 2017 startete sie dann eine erste eigene Produktlinie unter dem Namen NUI Cosmetics – hochwertige Kosmetik, allerdings vegan, natürlich und ohne schädliche Inhaltsstoffe.

  • Maschinenbau statt Museum - Die Entscheidung fürs Familienunternehmen

    STRIVE+ | Sie hatte von einer Karriere als Kuratorin geträumt, sich aber doch für das Familienunternehmen entschieden: Dann wurde Dina Reit, Geschäftsführerin bei SK Laser, zum ersten Mal nach ihrem technischen Hintergrund gefragt ... Mein Vater gründete 2005 sein Unternehmen für Laser-Maschinenbau – es eines Tages zu übernehmen, war während meiner Kindheit nie mein berufliches Ziel. Nach meinem Studium der Wirtschaft, Kunstgeschichte und Philosophie machte ich ein längeres Praktikum im Museum. Mir wurde klar: Die Entscheidungsfreiheit des Unternehmertums ist das, was ich mir eigentlich wünsche. Mein Vater, der schon dachte, er müsse das Unternehmen eines Tages verkaufen, freute sich riesig. Aber: Mit meinen Studienabschlüssen war ich nicht ideal auf den Job vorbereitet. Maschinenbau, Elektrotechnik oder Physik hätten besser gepasst. Die Entscheidung war jedoch gefallen – und so begann mit dem Jobeinstieg meine Reise in den Maschinenbau. Der Anfang war ziemlich hart, mir fehlte schlichtweg das technische Wissen – was mir aufs Selbstbewusstsein schlug. Oft fragte ich mich, wie ich als Frau, als Quereinsteigerin, als Exotin überhaupt eines Tages Geschäftsführerin werden sollte. Die Mauern in meinem Kopf wurden durch zwei Faktoren eingerissen: Zum einen war es mein Vater, der unerschütterlich an mich glaubte. Zum anderen verdiente ich mir durch praktische Erfahrung meine Sporen. Überall im Unternehmen arbeitete ich mit, auch in der Produktion. Hier lernte ich, wie man unsere Maschinen zusammenbaut. Ein Jahr lang war ich in der Konstruktion, wo am Bildschirm die 3-D-Modelle entstehen. Diese Schnittstelle zwischen Vertrieb und Produktion ist technisch bedeutend; für mich war sie die beste Schule. Irgendwann konnte ich meine eigenen Sondermaschinen entwerfen und mit den Kolleg:innen gemeinsam Lösungen diskutieren. Einmal fragte mich ein Kunde nach dem Beratungsgespräch: „Was ist eigentlich Ihr Hintergrund? Etwas Technisches, oder?“ Zum ersten Mal nahm mich jemand von außen als technisch kompetent wahr – ein Ritterschlag für mich! Heute bin ich voll im Thema und fühle mich im Maschinenbau wie ein Fisch im Wasser. Und doch lässt es sich nicht leugnen: Unsere Gesellschaft ist auf einen Stereotyp im Maschinenbau eingestellt. Wenn jemand aus dem Schema rausfällt, sind die Leute mitunter ganz hilflos, verhalten sich merkwürdig. Ich wurde auf Messen auch schon für die Hostess gehalten. Weil ich grundsätzlich nicht glaube, dass die Leute mir etwas Böses wollen, mache ich nicht gleich eine Grundsatzdebatte daraus. Ich stelle aber kurz klar: „Fragen Sie mich ruhig zu den Preisen, ich bin die Geschäftsführerin und kann Ihnen da helfen.“ Für mich ist heute klar, dass ich in einen Maschinenbaubetrieb gehöre – und das zeige ich den Menschen durch mein Auftreten. Dieses Selbstbewusstsein hatte ich aber erst, als ich sattelfest im Thema war. Über die Person: Dina Reit (31) ist Geschäftsführerin des Maschinenbauers SK Laser. Gemeinsam mit ihrem Vater führt sie das Unternehmen in zweiter Generation. Sie studierte in Frankfurt und London und absolvierte zudem einen Master in Management. Auf LinkedIn schreibt sie über Laser und Unternehmensnachfolge. Sie wurde von Startup Teens als Familienunternehmerin des Jahres ausgezeichnet.

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