Warum „Fuckups“ beim Gründen dazugehören

Meine Gründungsstory | Die gelernte Bauingenieurin Stina Andersson gründete aus eigenem Need heraus. Stinaa.J, ein Schuhunternehmen, das bequeme und schöne Schuhe vereint. Wir haben mit der Unternehmerin über ihre größten „Fuckups“ gesprochen und über die Eigenschaften, die es zum Gründen unbedingt braucht.


Stina Andersson gründete Stinaa.J

Frau Andersson, was hat Sie zum Gründen bewogen?

Lädierte Füße aufgrund von schlecht konstruierten Schuhen waren ein alltägliches Problem, das ich mit unzähligen Frauen teilte. Als ausgebildete Bauingenieurin ist es Teil meiner beruflichen DNA, Probleme zu lösen. Für mich wirkte es seltsam, dass eine Industrie Schuhe entwirft, von denen sie weiß, dass sie Beschwerden und teilweise sogar Verletzungen verursachen. Die Industrie hat uns Frauen beigebracht, dass schön zu sein oft mit der Konsequenz verbunden ist, Unangenehmes auf sich zu nehmen. Das wollte ich ändern.


Mit VC Geld oder ohne? Und Warum?

Ohne. Mein Mann und ich haben privat investiert. Das gibt uns die Möglichkeit langfristig zu denken. In den ersten Jahren war Stinaa.J vor allem ein „Entwicklungsunternehmen“, das sich auf die Weiterentwicklung unserer Produkte konzentrierte. Wir haben in zwei globale Patente investiert und unsere Produkte auf Grundlage von Kundenfeedback kontinuierlich verbessert. Wir haben uns die Zeit genommen, die Kollektionen und die Marke ohne zusätzlichen Stress zu entwickeln. Wir glauben, dass uns dies eine solide Basis für ein langfristig tragfähiges Unternehmen gegeben hat.

„Es war kein einfacher und geradliniger Weg, aber ich konnte eine Menge lernen.“

Welche Hindernisse haben Sie beim Gründen erlebt?

Ich war völlig neu in der Modebranche und hatte noch nie in meinem Leben etwas entworfen. Ich war in jeder Hinsicht ein Anfänger, aber ich hatte immer die Einstellung: Wie schwierig kann es schon sein? Ich habe es gleichzeitig auch als Vorteil angesehen, einen frischen Blick zu haben und nicht durch die üblichen Denk- und Vorgehensweisen der Branche eingeschränkt zu sein. Es war kein einfacher und geradliniger Weg, aber ich konnte eine Menge lernen.

Welche Fuckups mussten Sie und ihr Team bereits überwinden?

Bereits zweimal sind wichtige Lieferant:innen über Nacht in Konkurs gegangen. Es ist kein schöner Start in den Tag, wenn man einen Anruf erhält, dass man keine:n Hersteller:in für sein Produkt mehr hat. Das bedeutet, dass man mehrere Monate ohne Produktion dasteht. Es erfordert viel Zeit, einen neue:n Lieferant:in zu finden und einzuarbeiten, welche:r die Qualitätsansprüche für unser Produkt teilt. Heute arbeiten wir mit mehreren Zulieferer:innen gleichzeitig zusammen und investieren in unsere eigenen Schuhleisten, um unabhängiger zu sein. Wir haben auf die harte Tour gelernt.

Was war für Sie persönlich die größte Herausforderung?

Ich habe drei Kinder zur Welt gebracht, seitdem ich mit Stinaa.J gestartet bin. Es ist immer noch meine größte Herausforderung, das Familienleben mit meinem Antrieb für das Unternehmen in Einklang zu bringen. Gleichzeitig frage ich mich, ob es für eine berufstätige Mutter überhaupt ein perfektes Gleichgewicht gibt?

„Heute würde ich sagen, dass ich eher eine indirekte Führungskraft im Team bin.“

Wie haben Sie gelernt zu führen?

Mein Mitgründer, der Orthopädietechniker Peter Hedström, ist heute auch unser CEO, und das gibt mir in meiner Position als Creative Director Freiräume, mich verstärkt auf die kreativen Prozesse zu konzentrieren. Heute würde ich sagen, dass ich eher eine indirekte Führungskraft im Team bin. Eine Rolle, die mir sehr gut gefällt.

Was war Ihr größtes Learning?

Dass ein großer Teil des Aufbaus eines erfolgreichen Unternehmens darin besteht, das richtige Team zusammenzustellen. Eine positive Unternehmenskultur, in der sich alle engagiert fühlen, Ihre Vision teilen und Raum zur Entfaltung haben, ist entscheidend. Alleine sind Sie nicht stark.

Haben Sie Vorbilder?

Ich bin sehr inspiriert von Sarah Blakely, der Gründerin von Spanx (ein US-Hersteller von Wäsche und Shapewear). Sie schuf ein innovatives Produkt in einer traditionellen Branche und machte daraus ein Milliarden-Dollar-Unternehmen.


Ihr Buchtipp für Gründer:innen?

Um ehrlich zu sein, lese ich nicht viele Bücher, dazu fehlt mir die Zeit. Ein guter Tipp ist jedoch, sich einem Unternehmensnetzwerk anzuschließen. Als Gründerin kann man sich manchmal etwas einsam fühlen. Dann ist es großartig, auf ein Netzwerk mit Kontakten zu anderen Personen in ähnlichen Situationen und mit ähnlichen Herausforderungen zurückgreifen zu können.

„Es geht selten nur um Intelligenz, das Wichtigste ist, dass man entschlossen ist und anfängt.“

Welchen Tipp würden Sie ihrem 18-jährigen Ich in Sachen Gründung geben?

Mache es einfach möglich! Du bist nicht Einstein, aber das sind nur sehr wenige Menschen. Es geht selten nur um Intelligenz, das Wichtigste ist, dass man entschlossen ist und anfängt. Es geht vor allem um Mut und den Glauben an sich selbst.


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