Von Einhörnern und Zebras

Kolumne: Nachhaltigkeit | Dürfen Unternehmer:innen mit einem Purpose Geld verdienen? Absolut. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wir müssen künftig mit Purpose viel Geld verdienen, um einen möglichst großen Impact zu schaffen. Glücklicherweise haben dies bereits zahlreiche Unternehmer:innen erkannt, denn aktuell wächst eine neue Generation an Unternehmen heran, die genau dies tun: Purpose und Profit bereits im Geschäftsmodell verknüpfen und untrennbar zu verzahnen. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft, bedarf aber auch der Verabschiedung alter Denkmuster.


Unicorn oder Zebra? (Symboldbild)

Unicorn oder Zebra?


Beide! Es gibt traditionell zwei „Lager“: Auf der einen Seite stehen Organisationen, deren Daseinsberechtigung ihr guter Zweck ist. Dieser Zweck steht im Mittelpunkt aller Aktivitäten, und ihr Ziel ist nicht in erster Linie auch ein funktionierendes finanzielles Geschäftsmodell aufzubauen und somit auch nicht notwendigerweise zu wachsen oder wie man sagt: „zu skalieren“.


Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, deren Daseinsberechtigung im Friedman’schen Sinne ist, Geld zu verdienen. Diese Unternehmen sind auf Wachstum ausgerichtet, ziehen Investitionen in Millionenhöhe an und maximieren ihren Gewinn. Diese Unterscheidung zieht sich bis in die Startup-Szene durch, in Form der Einhörner und Zebras. Einhörner sind Unternehmen, die mit einer Milliarde bewertet werden. Sie sind darauf ausgelegt, schnell zu wachsen und tun dies mithilfe von VC-Geldern. Zebras sind Unternehmen, die lieber langsamer wachsen, dafür aber aus möglichst eigener Kraft und eigenen Mitteln. Business Insider beschreibt es wie folgt: „Ein Einhorn müsse exponentiell wachsen, ein Zebra nachhaltig. Ein Einhorn strebe ein Monopol an, ein Zebra die Existenz neben Wettbewerbern.“


Das mag in der Vergangenheit gut funktioniert haben. Ich frage mich allerdings, ob Unternehmen, die organisch wachsen, auch wirklich den größtmöglichen Impact erzeugen können? Ich möchte hier sogar so weit gehen zu behaupten, dass diese Denkweise nicht mehr zeitgemäß ist und auch nicht dazu beitragen wird, die größten Probleme der Menschheit zu lösen. Denn letztendlich ist Impact doch das Ergebnis aus Purpose UND Scale.


Impact = Purpose x Scale


Eine Organisation kann den besten Purpose der Welt verfolgen, wenn sie diesen nicht skaliert, hat sie keinen Impact. Gleichzeitig kann eine Organisation sehr groß werden – wenn sie dabei im Kerngeschäftsmodell keinen starken Purpose hat, den sie verfolgt, hat sie keinen Impact.


Meiner Meinung nach müssen wir umdenken und beide Modelle miteinander verbinden. In diesem neuen Geschäftsmodell sind Purpose und Scale nicht mehr zwei getrennte Elemente, die einander ausschließen, sondern gehen Hand in Hand. Ich nenne dies das Impact-Flywheel: Je größer das Unternehmen wächst, desto größer ist sein positiver Impact und desto größer auch der Profit. Darauf müssen wir hinarbeiten.


Ich beobachte jeden Tag eine große Aufbruchstimmung in der Wirtschaftswelt. Konzerne, die mutige Schritte unternehmen, Mittelständler, die ihre Geschäftsmodelle kritisch überprüfen und Startups, die bereits im Geschäftsmodell Purpose mit einem guten Business Case verbinden.


Diesen Unternehmen gehört die Zukunft. Davon brauchen wir mehr. Wollen wir sie Purpose Unicorns nennen? Was denkt ihr? Ich freue mich auf euer Feedback auf allen Kanälen.


Über die Autorin:

Anna Alex ist Serial Entrepreneurin und CCO des Startups Planetly, das Firmen das nachhaltige CO2-Management erleichtert. Web: www.planetly.org


Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 02/2021. Die gesamte Ausgabe können Sie als Einzelausgabe hier kaufen.