Startup und Familie vereinbaren: Tipps einer Gründerin

My Private Setup | Um nachhaltiger zu leben, wechselte Doris Diebold von einer Managementposition bei der Lufthansa in die Gründer:innenszene. Zusammen mit ihrem Co-Gründer Christian Krawczyk entwickelte sie hey circle, ein Startup, das wiederverwertbare Versandboxen anbietet. Wie sie ihre Aufgaben als Geschäftsführerin und zweifache Mutter unter einen Hut bringt und warum sie dabei auf To-Do-Listen und einen strengen Zeitplan setzt, erzählt sie hier.


Um Firmenleitung und Familie zu koordinieren, setzt Doris Diebold auf gute Organisation und Planung. Foto: Andreas Selter

Wie lautet Ihr Jobtitel und wie lange bekleiden Sie diesen Job schon? 

 Ich bin Gründerin und Geschäftsführerin bei der hey circle GmbH. Ich trage den Jobtitel offiziell seit April 2021, als die GmbH gegründet wurde.

Wie lange sind Sie schon Führungskraft? 

 Bevor ich hey circle gegründet habe, war ich ca. neun Jahre Führungskraft bei der Deutschen Lufthansa AG in München. Ich war im Management des operativen Bodenbetriebs tätig. Hier hatte ich verschiedene Positionen inne: Als Leiterin Passenger Services hatte ich die Verantwortung für 250 CheckIn- und Gate-Mitarbeiter:innen und die passagier:innenseitigen Bodenprozesse. Später habe ich verschiedene Führungspositionen, etwa im Providermanagement und im Qualitymanagement, übernommen.

Was haben Sie für ein familiäres Setup?

Ich lebe mit meinem Mann und meinen zwei Kindern zusammen in München. Die beiden sind fünf und acht Jahre alt.

Wie organisieren Sie Ihr Berufs- und Privatleben?

Ich arbeite Vollzeit. An drei Tagen in der Woche hole ich die Kinder um 17 Uhr ab. Dann bin ich für sie da, bis sie ins Bett gehen. In dieser Zeit nehme ich nur sehr selten Termine an und arbeite nur am Laptop, wenn die Kinder Besuch haben und mich nicht brauchen. Einmal in der Woche holt mein Mann die Kinder ab und einmal in der Woche sind sie nachmittags bei meinen Schwiegereltern. 




Wie sieht die Arbeitsteilung bei Ihnen zuhause aus? 

Ich übernehme mehr Aufgaben im Haushalt und trage die viel beschriebene „mental load“ für die Familien-Organisation. Das stammt aus der Zeit, in der ich noch in Teilzeit gearbeitet habe. Seit ich wieder in Vollzeit arbeite, nehme ich meinen Mann aber immer mehr in die Pflicht und er lässt das auch gerne zu.  

Welche Tools helfen Ihnen im Alltag?

Ich habe eine To-Do-Liste auf dem Handy und Notizzettel an der Eingangstür.

Wie schalten Sie so richtig ab? 

Die Kinder sind die beste Ablenkung. Ansonsten mache ich viel Sport und treffe Freund:innen.

Wie halten Sie sich physisch und psychisch fit? 

Seit ich gegründet habe und mein langer Arbeitsweg weggefallen ist, habe ich eine neue Routine: Ich mache morgens fast täglich Sport. Dazu zählt etwa Laufen oder Fitnessübungen. Die dauern gar nicht lange, nur eine halbe bis Dreiviertelstunde. Mir hilft das aber, mit viel Sauerstoff im Blut und positiv gestimmt in den Tag zu starten. Beim Laufen kann man auch wunderbar nachdenken, Ideen entwickeln und Herausforderungen strukturieren.

Wie hat das Homeoffice Ihr Setup verändert? 

Sehr stark. Mein langer Arbeitsweg entfällt, ich habe mehr Zeit verfügbar. Dadurch kann ich mehr Sport und auch mal kleine Erledigungen in der Mittagspause machen. Ich bin allgemein flexibler und das entlastet.



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Was war die größte Schwierigkeit bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?  

 Bei meinem alten Unternehmen war es zu der Zeit, als ich meine Kinder bekommen habe, sehr schwierig, sich als Mutter weiterzuentwickeln. In Teilzeit einen Karriereschritt zu machen oder Shared Leadership waren leider noch die Ausnahme. Das ändert sich nun zum Glück immer mehr. Wenn man eine herausfordernde Arbeit hat und in Teilzeit oder in Vollzeit arbeitet, rennt man in Kombination mit Kindern und Haushalt schon sehr im Hamsterrad. Meine Tage sind von 6:30 bis 21:30 Uhr ziemlich durchgetaktet. Das ist anstrengend und manchmal aufreibend. Ich denke aber, dass es fast nicht anders darstellbar ist, wenn man beides will und keine Möglichkeit hat, sich umfangreich externe Hilfe zu holen.


Über die Person:

Doris Diebold stammt ursprünglich aus Darmstadt, Hessen. Sie hat in Reutlingen International Business studiert und war viel in der Welt unterwegs: zum Praktikum in Paris und Shanghai, zum Auslandssemester in Cuernavaca, Mexico. Nach einem Traineeship bei der Lufthansa folgten Schritte in die Strategie und in den operativen Betrieb. Irgendwann wurde der Wunsch zu gründen und nachhaltiger zu leben so groß, dass sie ihre sichere Stelle aufgab und als Gründerin durchstartete. Heute bietet ihr Unternehmen, ein Mehrweg-Versandsystem für den Online-Handel mit wiederverwendbaren Boxen an.