So schafft man den Einstieg ins Social Business

Wer wünscht sich nicht einen Job, bei dem man die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen kann? Gemeinnützige Organisationen wie Viva con Agua setzen sich beispielsweise dafür ein, Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen. Doch wie schafft man den Einstieg ins Social Business? Der Gründer von Viva con Agua gibt dazu Tipps.


Micha Fritz ist Mitgründer von Viva con Agua, einer internationalen Organisation, die sich weltweit für den Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt.
Micha Fritz ist Mitgründer von Viva con Agua. Die Organisation setzt sich seit 15 Jahren dafür ein, Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen.

Was ich als Gründer oft gefragt werde ist: Wie fange ich an? Für diejenigen, die meine erste Kolumne Meine wichtigsten Lehren aus 15 Jahren Social Business gelesen haben und nun die Welt zum Positiven verändern und etwas zum gesellschaftlichen Wohlbefinden beitragen möchten, lautet die einzig wahre, brutal einfache Antwort: Indem ihr anfangt. Egal wie.


Ich meine das komplett ernst. Es gibt nicht den einen ersten Schritt, den man sich ganz genau überlegen muss. Kaum jemand, der „Erfolg” hat oder eine „Geschichte” schreibt, kann den Finger auf den Anfang legen und sagen: da, genau da haben wir angefangen und es war genau richtig so. Im Gegenteil. Die allermeisten müssen über den Anfang von allem nachdenken, streiten sich fast über den genauen Termin oder Auslöser und merken dann: es war eigentlich ziemlich egal.


Es gibt weder die goldene Regel für einen richtigen Anfang noch Todesfallen, falls man ungünstig beginnt.

Man kann sich aus jedem Setup freistrampeln. Und man kann noch so gute Startbedingungen vermasseln. Ich glaube: Der erste Tag ist der unwichtigste. Danach hast du jeden Tag die Chance, dein Projekt besser zu machen. Du musst eben nur irgendwo beginnen.


Man sollte auf keinen Fall in der „Analyse-Paralyse” verharren, sich immer wieder hinterfragen, planen, zu viel grübeln. Der Masterplan, den man vorher aufstellen kann und nur noch befolgen muss: aus meiner Sicht eine Illusion. Allein schon, weil man vorher gar nicht weiß, was in diesen Masterplan hineingehört. Die wahren Probleme zeigen sich erst beim Machen. Solange man nicht anfängt, ist man wie ein:e Bergsteiger:in, die aus dem Flachland heraus den Gipfelgrat am Mount Everest analysiert.


Also: Mach es. Sei Initiator:in. Überzeuge und aktiviere Leute für deine Sache. Denn: Alleine schafft man kaum etwas. Niemand ist alleine so schlau, so stark und so gut, dass er oder sie alles richtig macht. Jede:r von uns braucht ein Korrektiv, jemanden, der auf die Schulter klopft oder in den Arm fällt.


Je diverser und inklusiver das Team, desto besser.

Wie sieht ein gutes Team aus? Meiner Meinung nach wie eine richtig gute Fußballmannschaft, mit verschiedenen Spieler:innen, die ebenso verschiedene Fähigkeiten mitbringen. Je diverser und inklusiver, desto besser. Je mehr Perspektiven, Erfahrungen und Geschichten, desto bereichernder. Im ersten Moment mag das nach zu vielen Köch:innen klingen, die den Brei verderben, nach viel Diskussionen und damit anstrengend und zeitaufwändig. Aber: Wenn man nicht den Einheitsbrei kochen möchte, der immer gleich schmeckt und den schon Tausende vor einem gekocht haben, dann helfen neue Einflüsse und Perspektiven – Gewürze, um im Bild zu bleiben –, um etwas gänzlich Neues entstehen zu lassen.


Praktisch ist, wenn ein, zwei Leute darunter sind, denen es nichts ausmacht, andere Menschen anzusprechen. Auch gut: jemand, der Harmonie spendet. Das ist ziemlich hilfreich, wenn die Kraft ausgeht und die Nerven wund werden (und das wird leider ziemlich sicher passieren).


Ebenso wichtig: Jemand, der immer performt, der will, dass die Dinge funktionieren, auch unter Stress und mit wenig Schlaf. Ein Team arbeitet besser, wenn ein:e Spieler:in in Strukturen denkt, also organisieren und Projekte managen kann. Und: Jemand, der sich mit Finanzen auskennt und keinen Schiss vor Zahlen hat. Jede Minute, die man sich darüber den Kopf zerbricht, kann man nicht in Kreativität investieren.

Aber wenn du eine solche Crew am Anfang noch nicht hast – egal. Die Leute kommen schon, wenn du offen bleibst, nett fragst und einfach anfängst. Nichts ist so anziehend wie ein Projekt, das sich gerade in Bewegung setzt. Womit wir wieder beim Anfang wären: Legen Sie los, machen Sie es einfach!



Über Micha Fritz

Micha Fritz ist Mitgründer von Viva con Agua, einer internationalen Organisation, die sich weltweit für den Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt. Er ist aber vor allem Konzeptionsaktivist und Freies Radikal, er lebt soziales Engagement, zeigt Haltung und ist der Meinung, dass es in der heutigen Zeit überhaupt keinen Sinn mehr macht, etwas zu gründen, das keinen Impact oder gesellschaftlichen Mehrwert hat. Welche Lehren er aus der Gründung von Viva con Agua vor 15 Jahren gezogen hat und wie er es heute angehen würde, das erzählt er jeden Monat in dieser Kolumne.


Über Viva con Agua:

Viva con Agua ist eine gemeinnützige Organisation, die weltweit Wasserprojekte finanziert und sich für den Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Menschen einsetzt. Darüber hinaus fördert Viva con Agua soziales Engagement und motiviert Menschen sich an einem Prozess positiver und nachhaltiger Veränderungen zu beteiligen. Du möchtest VcA unterstützen? Mehr unter www.vivaconagua.org


Über das Buch:

Diese Kolumne ist inspiriert von dem Buch „Water is Life – 15 Jahre Viva con Agua“. Darin geht es um die Grundlage allen Lebens: Wasser. Um gemeinwohlorientiertes Wirtschaften, Aktivismus und: um ein paar unkonventionelle Tipps für den Start eines eigenen Projekts, die Micha Fritz an dieser Stelle in erweiterter Form vorstellt.

In dem Buch erzählen außerdem prominente Unterstützer wie Bela B, Clueso, Carolin Kebekus, Max Herre und Joy Denalane, Bosse oder Fynn Kliemann in Gastbeiträgen, was sie mit Viva con Agua verbindet. Aufgeschrieben hat das Ganze der Journalist und Romanautor Friedemann Karig. Das Buch gibt es u.a. im Shop der Millerntor Gallery.