Macht Naturwissenschaften endlich cool

Was muss sich ändern, um junge Frauen in der Wissenschaft zu fördern? Wir haben nachgefragt: Vier Frauen, die Quantenforschung bei IBM vorantreiben erzählen, wie es geht.


Durch die Corona-Pandemie sind Wissenschaftler:innen für uns sichtbarer als je zuvor – dazu gehören auch viele Frauen mit Wissenschafts-Expertise. Frauen, die Vorbilder sind. Frauen, die uns beeindrucken und Stereotype challengen. Frauen, die uns verdeutlichen, dass Themen wie Quantenphysik keine Männersache sind.


So auch Heike Riel, Bei Chen, Pauline Ollitrault und Christa Zoufal. Vier Frauen, die Quantenforschung bei IBM vorantreiben und junge Frauen motivieren wollen, auf die eigenen naturwissenschaftliche Fähigkeiten stolz zu sein. Sie zeigen auf, was sich ändern muss.


Chancengleichheit fängt in der Schule an

Die Barriere zwischen Naturwissenschaften und jungen Mädchen beginnt bei vielen schon in der Schulzeit. “Manche Mädchen wollen nicht zugeben, dass sie Mathe mögen – das war auch bei mir der Fall. Es gibt da einfach die Angst, als anders oder streberhaft angesehen zu werden.”, sagt Bei Chen. Oft werden junge Frauen mit solchen Fähigkeiten von ihren Mitschüler:innen anders behandelt, was in den prägenden Jahren schnell dazu führen kann, dass Mädchen lieber ihren Spaß an Naturwissenschaften verstecken, anstatt auszuprobieren und zu lernen. Den ersten Schritt zur Veränderung müssen Schulen und Lehrer:innen gehen. Sie müssen die Schüler:innen motivieren und ermutigen und den Unterricht interessanter gestalten. Ihnen muss gezeigt werden, was man alles erreichen kann und was die Zukunft zu bieten hat. „Es ist ein Türöffner für viele tolle Möglichkeiten und großartige berufliche Möglichkeiten”, findet Christa Zoufal, die im Quantum Machine Learning von IBM tätig ist


Diese müssen natürlich erst einmal vermittelt werden - beispielsweise mit mehr diversen Role Models aus der Forschungsbranche an Zukunfts- und Karrieretagen. Oder mehr Werbung in der jungen Zielgruppe für Events wie dem Start des ersten kommerziellen Quantencomputers. Doch der eigentliche Wandel muss in den Köpfen stattfinden. “Wir müssen die Einstellung dahingehend ändern, dass Erfolg in Mathe und Physik von Gleichaltrigen und von den Mädchen und jungen Frauen selbst akzeptiert wird”, so Heike Riel, Head Science & Technology und Quantum Lead Europe & Africa.


Die Macht des Mentorings

Die Anforderungen an junge Leute auf dem Arbeitsmarkt sind hoch und die Konkurrenz ist groß. Man sollte selbstbewusst auftreten, Präsentationsfähigkeiten mitbringen und jede Chance, sich zu beweisen, wahrnehmen. Laut den Expertinnen von IBM sind allerdings die jungen Forscherinnen zögerlicher als ihre männlichen Kollegen und nehmen Gelegenheiten, ihre Fähigkeiten zu zeigen nicht aktiv wahr. „Selbstvertrauen aufzubauen ist für manche Frauen immer noch eine schwierige Sache. Die Erfahrungen anderer Frauen in Gesprächsrunden und offenen Diskussionen zu hören, kann dann sehr hilfreich sein“, meint Pauline Ollitrault aus dem Quantum Machine Learning Team

Neben offenen Gesprächsmöglichkeiten kann das persönliche Mentoring etwas bewirken, indem es das Selbstvertrauen junger Berufseinsteiger:innen stärkt und dazu ermutigt, Chancen aktiv zu nutzen.


Bei Chen hilft als Research Staff Member und Master Inventor u.A. Frauen bei der Entwicklung ihrer Patentprofile. Sie selbst wurde in ihrer Vergangenheit von Mentorinnen geprägt: „Von inspirierenden Vorbildern als Mentorin betreut zu werden, hat auch mir in vielerlei Hinsicht geholfen. Sie haben mir zum Beispiel gezeigt, dass sich Mutterschaft und Karriere verbinden lassen.”


Jungen Forscherinnen sollten vor Allem Chancen geboten und neue Möglichkeiten vorgelebt werden. Zu sehen und hören, wie andere Frauen es geschafft haben, kann motivieren und dabei helfen, mutiger zu werden. Nebenbei empfehlen sich Trainings von Soft Skills und Präsentationsfähigkeiten in einem geschützten Rahmen, bevor es auf die große Bühne geht. Heike Riel weiß, dass das Mentoring und der Zuspruch ihres Managers und Mentors sowie die Gespräche mit anderen Frauen ihr Selbstvertrauen gestärkt haben. “Dieses Selbstvertrauen hatte einen enormen Einfluss auf meine berufliche Entwicklung.”


Ausprobieren, was Interesse weckt

Heutzutage erwarten viele Unternehmen von Schulabsolvent:innen eine klare Vision für das eigene Berufsleben – ohne jegliche Vorerfahrung oder das Wissen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Man muss jedoch nicht immer einen festen Plan für die Zukunft haben – das wichtigste ist, dass man das tut, wofür man sich interessiert und worauf man Lust hat.


“Junge Menschen verändern sich oft noch sehr und deshalb schränkt sie der eine große Plan eventuell zu sehr ein”, findet Pauline Ollitrault. Flexible und diverse Arbeitgeber in den Naturwissenschaften sollten daher viele Möglichkeiten zur Entfaltung bieten und Einblicke in unterschiedliche Themenbereiche anbieten, um sich auszuprobieren. “Wenn man über ein tiefes technisches Wissen und etwas Flexibilität verfügt, kann man dort oft eine Karriere machen, die vielleicht unerwartet, auf alle Fälle aber erfüllend ist”, findet Heike Riel. 


Das Mindset der Gesellschaft muss sich ändern, aber dafür werden die starken Frauen in der Wissenschaft gebraucht. Also geht Schritt für Schritt euren Weg. Probiert euch aus. Seid eurer Karriere gegenüber offen und seid mutig. Steht zu euren Interessen und lebt sie aus – dann sind Forscherinnen schon bald keine Exoten mehr. 


Mehr zum Thema Wissenschaft und Frauen in den Naturwissenschaften, könnt ihr im Artikel “Wissen ist Macht” in unserer aktuellen Ausgabe vom STRIVE Magazine lesen. 

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Über die Autorin:

Maxine Kettler ist Werkstudentin für Content Creation bei STRIVE. Für STRIVE Online interviewt sie Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und spannende Rolemodels. Die gebürtige Hamburgerin beschäftigt sich außerdem mit Lifestyle- Themen. Maxine studiert Medien-und Kommuniktionsmanagement und arbeitete zuvor im Influencer Marketing.