„Ich will Fonds auf den Markt bringen, die etwas verändern“

What's your story? | Bettine Schmitz leitet mit dem FemaleCatalyst Fund einen Wagniskapitalfonds für weiblich geführte Startups. Warum „Nein“ sagen dabei ein fester Bestandteil ihrer Arbeit ist und warum es ihr wichtig ist, sich im Beruf nicht zu verstellen, erzählt sie hier.


Bettine Schmitz, die Gründerin von Auxxo.

Was genau ist Ihr Job, wie und mit was beeinflussen Sie die Ausrichtung Ihres Unternehmens?

Ich bin Gründerin der Auxxo Beteiligungen, der Auxxo Fund Management GmbH und des Auxxo Female Catalyst Fund. In meiner Rolle als aktive Investorin verhandle ich Deals und entscheide mit meiner Partnerin Gesa Miczaika über die Investments von Auxxo. In meiner Rolle als Betreiberin der Fund Management GmbH arbeite ich außerdem gemeinsam mit unserer dritten Partnerin Fabiola Hochkirchen an Strategien für zukünftige Fonds unter unserem Dach.


Was muss eingetreten sein, damit Sie sagen, Sie waren erfolgreich?

Als Fondsgründerin heißt Erfolg für mich, dass unsere Fonds Top-Renditen erzielen. Das heißt: Wenn wir zu den oberen 25 Prozent aller Wagniskapitalfonds gehören und wir unseren Investoren mehr als das Dreifache ihrer Investitionen zurückzahlen. Zum Erfolg gehört für mich aber auch, zu mehr Geschlechterparität in der Gründungs- und Investmentszene und zu menschenfreundlichen und –zentrierten Arbeitsweisen beizutragen. Für mich ist es deshalb ein großer Erfolg, wenn ich einer Gründerin helfen kann, Ihren Weg zu gehen, ihn zu ändern oder sich zu verbessern.


Was ist Ihre Vision für Ihr Unternehmen?

In einem Satz: ich will erfolgreiche Fonds auf den Markt bringen, die in der Gesellschaft wirklich etwas verändern.


Was werten Sie denn als Ihren größten Misserfolg?

Erst so spät in meinem Leben gegründet zu haben.


Was hat Sie fachlich am meisten erstaunt?

Dass die meisten erfolgreichen Frauen das Gegenteil der oft so stilisierten „Eiskönigin“ oder der „Business Barbie“ sind. Sie sind oft auf eine charmante Art chaotisch, super aufgeschlossen, fast immer lustig und liebenswert.


„Was mich immer weitergebracht hat, ist, ehrlich zu mir selbst zu sein.“

Was war die größte Herausforderung, die Sie bisher überwinden mussten? Oft stand ich mir selbst im Weg, weil ich dachte, dass ich mich verstellen muss und auf irgendeine Art etwas Besseres darstellen muss, als ich wirklich bin. Diese eigenen Bilder und Erwartungen an mich selbst zu korrigieren, war sehr schwierig. Was mich aber immer weitergebracht hat, ist, ehrlich zu mir selbst zu sein, frei nach dem Motto. „Showing up with your whole self“.


Wie gehen Sie mit Dingen um, die Sie nicht gut können?

Das kommt darauf an. In der Regel gilt für mich: Abschaffen, abgeben oder automatisieren. Wenn gar nichts anderes hilft, heißt es aber manchmal einfach: Augen zu und durch.


Wann haben Sie das letzte Mal „nein“ gesagt?

Das passiert eigentlich andauernd. Denn wir lehnen jeden Tag fast eine Handvoll Investments ab. „Nein“ sagen ist also mit der wichtigste Teil unserer Arbeit.


Wie würde ihr Team Sie beschreiben?

Ich denke als optimistisch, laut und lustig. Ich stehe für konstruktives Chaos und liebe aber gleichzeitig Spreadsheets und Fonds-Strategien.


Was sind die ersten drei Dinge, die Sie im Büro oder im Home Office machen?

Das Erste, was ich mache, ist eine Thermoskanne mit warmem Wasser trinken. Diesen Trick habe ich beim Ayurveda gelernt und das tut mir super gut!


Ohne was können Sie nicht arbeiten? Ohne mein Handy und meinen Laptop geht nichts. Was Tools angeht, setze ich im Alltag viel auf Affinity (VC CRM), Google Tools, Calendly und WhatsApp. Und ganz wichtig sind für mich natürlich die regelmäßigen Kuscheleinheiten mit meiner Tochter.


Wie organisieren Sie sich und Ihre To-Dos?

Das kommt darauf an: Tageweise organisiere ich mich auch mal ganz klassisch auf Papier, sonst setze ich auf digitale Notizzettel. Im Team läuft viel über ein Google-Sheet, für größere Projekte über Excel-Sheets. Was mein E-Mail-Postfach angeht, helfen mir die Favoriten-Sternchen bei Mails, mit denen ich mich beschäftigen muss.

Wenn Sie eine Zeitreise zu Ihrem 20-jährigen Ich machen könnten, welchen Karrieretipp würden Sie sich geben?

Versuch nicht, jemand anderes zu sein. Und für Verhandlungen: Versteh, was der anderen Seite wirklich wichtig ist – und was nur Verhandlungsmasse ist.