Gründerin und Mutter: 5 Tipps wie beides klappt

Kolumne | Wie schafft man es erfolgreich zu sein und sich schon heute erfüllt zu fühlen? Wie bekommt man Karriere und Familie unter einen Hut und zwar nicht irgendwie, sondern richtig gut? Diese Fragen stellte ich Alisa Jahnke, Gründerin des Schmuck- und Lifestyle-Unternehmens PURELEI in einem persönlichen Gespräch. Hier sind ihre 5 Erfolgstipps.

Foto: Christine Münch



Die steile Karriere UND die heile Familie. Morgens den Pitch rocken. Abends das selbstgekochtes Essen in Bio-Qualität für die Kleinen. Auch wenn heute oft suggeriert wird, dass wir Frauen alles haben können: Vereinbarkeit ist noch immer eine Herausforderung.


Legst du den Fokus auf die Karriere, bist du eine schlechte Mutter. Kommst du nach der Elternzeit mit weniger Stunden zurück, hast du deine Ambitionen bei der Geburt abgegeben. Dieser Erwartungsdruck hat mich selbst überrascht. Vier Monate nach der Geburt meines Sohnes fuhr ich das Arbeitspensum wieder so hoch, dass ich im Burnout landete.


Zu dieser Zeit begann ich mir die Frage zu stellen: Wie kann ich erfolgreich UND erfüllt sein? Nicht nur exorbitant hoch gesetzten Zielen hinterher rennen. Sondern schon heute zufrieden sein - mit mir, meiner Leistung, meinem Leben?


Wie kann ich erfolgreich UND erfüllt sein?

Auf der Suche nach Antworten, entdeckte ich Frauen, die das bereits vereinen. Darunter Alisa Jahnke, Gründerin & Geschäftsführerin von PURELEI. Die (bald) zweifache Mutter und Unternehmerin verantwortet 200 Mitarbeiter:innen und postet auf LinkedIn authentische Einblicke ‘behind the scenes’.


Wie Alisa es schafft, dass Familie und Beruf keine Entweder-oder-Entscheidung sein muss, verriet sie mir in einem persönlichen Gespräch. Hier sind ihre 5 Erfolgsfaktoren.


1. Um Vollgas zu geben, muss beides Spaß machen

Wenn der Beruf keinen Spaß mehr bringt, wird es schwer nach der Geburt in beiden Bereichen Vollgas zu geben.


“Um das so geben zu können, müssen einem beide Seiten viel Spaß machen. Bei PURELEI kann ich mich jeden Tag selbstverwirklichen und lerne Neues. Bei Familie genauso. Das muss gegeben sein, um zu sagen - ich brauche beides. Wenn ich beides brauche, dann kriege ich es auch kombiniert. Wenn aber einer der Bereiche Energie raubt, wird’s schwierig.”


Diese Frage habe ich mir auch nach meinem Burnout gestellt und gemerkt, dass ich mein Business in eine Richtung entwickelte, die mir keinen Spaß machte. Skalierbar ja. Spaß nein. Also back to the roots. Das war nicht leicht, aber hat sich auf allen Ebenen ausgezahlt.





2. Die eigene Energie als Kompass benutzen

Alisa benutzt ihre Energie als Kompass und fokussiert sich auf Dinge, die ihr Energie geben. Die Arbeit bei PURELEI gehört dazu. Wenn sie merkt, dass ihr eine Aufgabe Energie raubt, schaut sie ob eine andere Person im Unternehmen mehr Freude daran hat.


“Sobald ich merke, ‘das kann ich nicht gut’, schaue ich, wer hat Freude daran, wer kann das besser? Es gibt immer jemanden, dem das Spaß macht,” ist Alisa’s Ansatz.


Hier empfehle ich die ‘Love it, Leave it or Change it’ Coaching-Übung:


Schreiben Sie alle Aktivitäten auf, die Sie in einer Woche erledigen. Bewerten Sie jede Aktivität anhand folgender Kategorien:

  • Love it: Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen und weitermachen

  • Change it: Dinge, die gemacht werden müssen, Ihnen aber keinen Spaß machen. Überlegen Sie sich dafür eine neue Lösung.

  • Leave it: Dinge, die keinen Spaß machen und wenig Mehrwert bringen. Diese streichen Sie aus dem Kalender. Herausfordernd und befreiend zugleich!

3. Den Fokus auf die Lösung (nicht das Problem) setzen

Wir können nicht immer kontrollieren, was passiert. Aber wir können zu jedem Zeitpunkt kontrollieren, wie wir damit umgehen.


“Es gibt Wochen, wo ich denke, ‘Oh mein Gott.’, was haben wir hier für eine Herausforderung auf dem Tisch liegen? Dann bringt es auch nichts sich das schön zu reden. Aber was unheimlich Spaß macht, ist lösungsorientiert zu denken. Das möchte ich auf Social Media transportieren. Klar, es gibt Probleme. Die hat jeder. Aber wir müssen in Lösungen denken und wir müssen sie anpacken.’, sagt Alisa.


Das lebt Alisa auch vor. Nach einem Launch, bei dem durch ein Software-Fehler Produkte bei Bestellungen fehlten, bewahrte sie einen kühlen Kopf und teile kurzerhand ein Entschuldigungs-Video mit der Community.


4. Perfektionismus über Bord werfen

Wer kennt es nicht: Es soll überall perfekt laufen. Die stets entspannte Mama, die sich tolle Freizeitaktivitäten ausdenkt. Die super coole Führungskraft, mit den besten Ideen, dem leeren Posteingang und den gerockten KPI’s. Das Haus ist aufgeräumt. Das Outfit sitzt. Die Yoga-Routine steht.


Alisa sieht das entspannter: ‘Bei mir zu Hause sieht es gerade aus wie sonst was’, sagt Alisa und lächelt in die Kamera. ‘Immer und überall die Extrameile gehen funktioniert nicht. Es müssen nicht überall 150% sein.’


Mit unseren eigenen Ansprüchen stehen wir uns oft selbst im Weg. Das war auch mein größtes Learning und ich lockerte meine Erwartungen: Es muss nicht immer selbst gekocht sein. Zu Hause muss es nicht immer glänzen. Bei meinen Coaching-Sessions hingegen bin ich immer vorbereitet. Entscheiden Sie, was für Sie verhandelbar ist.



Was andere über meinen Weg denken, ist mir egal. Wem es nicht passt, kann sich gern von jemand anderem inspirieren lassen.


5. Bewertungen keinen Raum geben

“Vollzeit-Mama oder Karriere und Fremdbetreuung. Alles wird verurteilt. Können es Frauen heutzutage richtig machen?” fragte ich Alisa. Ihre Antwort überraschte und inspirierte mich gleichermaßen.


“Ich gebe solchen Bewertungen keinen Raum. Ich entscheide, was sich für mich richtig anfühlt.’ So wie letzte Woche als ihr Sohn bei der Wiedereingliederung in die Kita struggelte und sie Vollgas im Business gegeben hat.





‘Da habe ich mir abends auch Gedanken gemacht. Aber am Ende bin ich es, die entscheiden muss, mit welchem Gefühl ich gut ins Bett gehen kann. Was andere über meinen Weg denken, ist mir egal. Wem es nicht passt, kann sich gern von jemand anderem inspirieren lassen.”


Das ist wohl auch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Können wir Frauen es heutzutage richtig machen?


Ganz klares Ja! Wenn wir unseren Weg gehen. Indem wir unserer Energie folgen, lösungsorientiert denken, Perfektionismus über Bord werfen - und vor allem Bewertungen keinen Raum geben.


ÜBER CHRISTINE MÜNCH

Christine ist Leadership & Performance Coach für Frauen. Ihr Coaching-Ansatz hilft Gründerinnen & Führungskräften dabei smarter zu arbeiten, anstatt sich dauergestresst zu fühlen. Weiterhin unterstützt sie Unternehmen dabei Burnout Raten zu senken und Deep Work zu etablieren. Auf LinkedIn teilt sie praktische Tipps zu Selbstführung.