5 Tipps, wie man den richtigen Führungsstil findet

Kolumne: First-Time Leadership | „Was ich gut finde, müsste doch auch für mein Team passen!“ Oft schließen First Time Leader von ihren Präferenzen über das Geführtwerden auf ihr Team, ohne genau zu wissen, was ihr Team eigentlich braucht. Heute teilt Teamentwicklerin und Coach Katrin Grunwald fünf Schritte, die Ihnen helfen, ein gutes Match zu finden zwischen Ihrem eigenen Führungsstil und den Bedürfnissen Ihres Teams.



In den letzten Kolumnen ging es darum, wie nahbar man sich als Chefin geben darf oder wie Ihr erster Teamworkshop ein Erfolg wird. Heute geht es um Erwartungen. Denn viele First Time Leader schließen von ihren eigenen Präferenzen auch auf andere. Das kann jedoch nach hinten losgehen.


Folgende fünf Schritte sollen Ihnen helfen, ein gutes Match zu finden zwischen Ihrem eigenen Führungsstil und den Bedürfnissen Ihres Teams.


1. Selbstreflektion

Nehmen Sie sich vor allem als First Time Leader Zeit für Selbstreflektion. Fragen Sie sich:

  • Wie würden Sie Ihren eigenen Führungsstil beschreiben?

  • Was würden frühere Weggefährten beispielsweise aus einem Projektteam über Ihren Führungsstil sagen?

  • Welcher Führungsstil hat Ihnen in Ihrer Zeit als Mitarbeiter:in am Besten gefallen?

  • Ist es Ihnen eher wichtig, ganz klare Anweisungen zu geben oder eher den Mitarbeiter:innen viel Freiraum zu geben?

Die Antworten werden Ihnen helfen, sich selbst als Führungskraft besser einzuschätzen.


2. Was braucht mein Team?

Nun geht es darum, mehr über die Wünsche des Teams an Sie als Führungskraft zu erfahren. Das kann auf zwei Arten geschehen:


In 1:1 Kennnenlerngesprächen können Sie mehr über die Führungsbedarfe ihrer einzelnen Teammitglieder erfahren. Besonders Fragen wie „Welche Erwartungen haben Sie an mich als Führungskraft? Was ist Ihnen wichtig für eine gute Zusammenarbeit?“ und „Welches Führungsverhalten haben Sie in der Vergangenheit bei anderen Führungskräften geschätzt?“ geben einen Einblick, was der oder die Mitarbeiter:in braucht, um sich durch das Führungsverhalten der Teamleitung gesehen zu fühlen.


Der erste Teamworkshop gibt Ihnen die Gelegenheit, aus der Teamdynamik heraus besser zu verstehen, welche Unterstützung sich das Team von Ihnen bei den größten Herausforderungen in der kommenden Zeit wünscht. Geht es um Themen wie „den Rücken freihalten für die operative Arbeit“, „das große Ganze besser zu verstehen“ oder auch „enge fachliche Abstimmung“? Die Antworten aus dieser Übung sagen einiges über die Wünsche des Teams aus, wie sie auf der Skala „Enge Abstimmung vs. Lange Leine“ geführt werden möchten.


Überlegen Sie sich, wie Sie am Besten auf die Bedürfnisse der Teammitglieder eingehen können.

3. Führungsstil und Bedürfnisse zusammenbringen

Im dritten Schritt geht es darum, alles zu verbinden – Ihre Führungspersönlichkeit und die Bedürfnisse des Teams. Hierfür können Sie sich eine Teamübersicht erstellen, in der Ihre bisher gesammelten Infos zu den Teammitgliedern stehen in Bezug auf Führungsbedürfnisse. Überlegen Sie sich, wie Sie am Besten auf die Bedürfnisse der Teammitglieder eingehen können – natürlich ohne sich in einem Team mit zehn Leuten zehnmal unterschiedlich zu verhalten.


Fragen Sie sich: Was könnten Interaktionen in Teammeetings sein, wo Sie sich Ihrem eignen Stil treu bleiben und gleichzeitig die Bedürfnisse der Teammitglieder im Kopf haben? Wo könnten Sie noch stärker auf die Bedürfnisse der Teammitglieder durch einen individuell angepassten Führungsstil eingehen? Zum Beispiel in den 1:1 Meetings, in denen manche Teammitglieder intensivere Rückmeldungen brauchen, während für andere die 1:1s der Ort fürs große Ganze sind.


4. Situativ führen

Es gibt ein spannendes Konzept zum Thema Führungsstile, nämlich die des Situativen Führens (wenn auch mit nicht vollständiger empirischer Aussagekraft). Diese Theorie von Hershey & Blanchard basiert auf dem Gedanken, dass man als Führungskraft je nach Situation unterschiedliche Führungsstile wählen sollte, um erfolgreich zu sein:


Je nach Reifegrad der/des Mitarbeiter:in bei einer bestimmten Aufgabe, macht es Sinn, das eigene Führungsverhalten anzupassen.

Von einem eher anweisenden Stil, wenn jemand im Team nicht weiß, welche Aufgaben in welcher Weise zu erledigen sind, bis hin zu einem delegierenden Führungsstil mit klaren Zielen und viel Freiraum zur Gestaltung bei sehr erfahrenen Mitarbeiter:innen. Überlegen Sie: Wie schätzen Sie den Reifegrad Ihrer Mitarbeiter:innen in Ihrem Team für bestimmte Aufgaben ein? Welche Art der Führung bräuchten sie daher am ehesten von Ihnen?


5. Umsetzung im Arbeitsalltag

Oft höre ich von Coachees „Was aber Katrin, wenn ich es wichtig finde, meinem Team große Freiheit zu geben, weil ich das selbst auch so genieße?“. An sich ist es erstmal super, wenn man sich seines eigenen Führungsstils bewusst ist. Allerdings denke ich, sind Sie als First Time Leader erfolgreicher, wenn Sie die Bedürfnisse des Teams mit in Ihr Führungsverhalten inkludieren.


Folgende zeitliche Abfolge kann eine gute Brücke sein: Gehen Sie bei den Teammitgliedern am Anfang erstmal stärker auf ihre Bedürfnisse (zum Beispiel durch enge Rücksprachen, wenn die Aufgabe für sie noch neu ist) und nehmen Sie sie dann über die Zeit mit in Richtung Ihres eigenen präferierten Führungsstils, zum Beispiel indem Sie dem Team große Freiheiten innerhalb eines abgesprochenen Rahmens gewähren.


Fazit:

Grundsätzlich geht es nicht darum, welcher Führungsstil der bessere ist, sondern darum, wie Sie Ihr Team gut motivieren können, um erfolgreich zu sein. Ein „perfektes Match“ zu finden zwischen Ihrem eigenen Stil und den Bedürfnisse Ihrer Teammitglieder ist dazu ein guter Ausgangspunkt!



Über die Autorin:

Katrin Grunwald ist Teamentwicklerin und Coach für First-Time Leader. Als Gründerin der Beratung „The Globe Team“ in München begleitet sie angehende Führungskräfte bei einem erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle und Teams weltweit dabei, besser zusammenzuarbeiten. Sie wird in ihrer Kolumne konkrete Tipps und Tricks aus ihrer Erfahrung in europäischen Konzernen, Start-Ups, Regierungsorganisationen und NGOs teilen. Für alle, die auf dem Sprung in die erste Führungsrolle und darüber hinaus sind.