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Was bewegt dich zum gründen?

"Meine Gründungsstory" mit Naomi Owusu, CEO und Co-Founder von Tickaroo

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von Hannah Andresen

8. Juli 2021

Bei unserem neuen Format "Meine Gründungsstory" stellen wir spannenden Gründer:innen Fragen zu ihrem Werdegang. Sie geben euch Tipps und Tricks und teilen ihren spanndesten Learnings.  


Den Anfang macht Naomi Owusu.

Naomi ist CEO und Co-Founder von Tickaroo und dort vor allem für Business Growth, Strategie und Skalierung zuständig. Vor der Gründung des Regensburger Unternehmens arbeitete sie als Beraterin. Ihr Schwerpunkt lag auf Produktstrategien digitaler Medien und die Planung und Konzeption mobiler Applikationen. Die Idee zu Tickaroo kam ihr bei der Umsetzung einer Sport-App, als sie feststellte, dass es an guten Tools zur Live-Berichterstattung mangelt. Motiviert, zielstrebig und ganz nach dem Motto „just do it!“, setzen sich Naomi und ihr Team heute täglich und mit vollem Einsatz dafür ein, das Live-Content-Tool zu optimieren. 


Stell dich doch mal vor.

Ich bin Naomi Owusu, CEO und Mitgründerin von Tickaroo. Wir sind ein 35-köpfiges Team, das Cloud-Softwareprodukte überwiegend für die News- und Sportbranche baut. Unsere bekanntesten Produkte sind unsere Liveblogs, die zu Beginn im Amateursport-Bereich Anwendung fanden und heute auch von vielen Medien wie Der Spiegel, RP, Süddeutsche, MDR, WDR und RTL genutzt werden. Zudem nutzen Kommunen unsere Software, um über die Neuigkeiten aus den Gemeindesälen oder von Plenarsitzungen zu berichten. Mit der Marke „made.by Tickaroo“ setzen wir Digitalprojekte für unsere B2B-Kund:innen um. Neben der kicker News-App oder der Plattform „Neymar Jr's Five“ von Red Bull haben wir bereits viele Projekte verwirklichen können.


Was hat dich zum Gründen bewogen?

Die persönliche Weiterentwicklung. In meinem früheren Job hatte ich keine Möglichkeit Ideen erfolgreich zu machen Die Digitalisierung der Sportbranche empfand ich als Chance und wollte meine Überzeugung weiterverfolgen.


Wie entstand die Idee?

Die Idee entstand aus meiner Arbeit mit verschiedenen Sportprojekten. Amateurvereine hatten damals kaum digitale Sichtbarkeit und Liveticker waren zu Zeiten der Gründung von Tickaroo 2011 ausschließlich den Medienhäusern vorbehalten. Daher war es unser Ansatz, ein Tool zu entwickeln, mit dem Hobby-Redakteur:innen intuitiv und professionell über das Spielgeschehen digital berichten können. Mittlerweile ist unsere Idee von Tickaroo gewachsen, denn sind wir heute ein Live-Content-Unternehmen, das einen großen Schwerpunkt auf das B2B-Geschäft legt.


Hast Du allein gegründet oder im Team? Warum?

Tickaroo habe ich zusammen mit einem Team gegründet. Die Idee eines Livetickers fand schnell Mitstreiter:innen, da wir uns schon kannten und oft ausgetauscht haben. Ich bin sehr zielstrebig und das Vertrauen und der Enthusiasmus meiner Partner:innen hat dabei geholfen, ein tolles Produkt zu erschaffen. Wir sind bis heute ein gutes Team!


Mit VC Geld oder ohne? Warum?

Ohne Geld, denn es war eine Art Feldtest, bei dem wir schauen mussten, ob unsere Vision auch im echten Leben einen Purpose darstellt. Das erste Feedback war großartig. 5 Jahre nach der Gründung beteiligte sich der Olympia-Verlag mit seiner Sportmedienmarke kicker und prägte damit unsere Reise – nicht nur finanziell, sondern auch als strategischer Partner, denn bis heute sind wir eng miteinander vernetzt.


Welche Hindernisse hattest du beim Gründen?

Es würde zu weit führen, diese alle aufzuzählen. Doch speziell die Finanzierung und das Wachstum bringen einige Fallstricke mit sich, zum Beispiel die eigene Organisationskultur, die Team-Führung oder auch organisatorische Veränderungen. Ich sehe in diesen Punkten eher das Wachstumspotenzial und Learnings, es besser zu machen. Das Thema „Bürokratie“ bringt beim Gründen auch einige Schwierigkeiten, der sich jede:r Gründer:in von Anfang an bewusst sein müssen.


Wie hast du dich am Anfang finanziert?

Zu Beginn habe ich vor allem als Selbstständige mein Leben finanziert. Als Freelancerin konnte ich so nebenbei u.a. als Beraterin an vielen Projekten arbeiten.


Welche Fuckups mussten du und dein Team bereits überwinden?

Da wir keine Finanzierung hatten, war die Liquidität lange Zeit ein Issue. Wir haben auch auf Produktbestandteile und Technologien gesetzt, die wir später in die Tonne getreten haben. Den richtigen Dreh zu finden hat jede Menge Zeit und Geld gekostet!


Was war für dich persönlich die größte Herausforderung?

Das war meine eigene Freizeit. Ich habe mich auf unsere Vision fokussiert und auf die Arbeit gestürzt. Weil ich gemerkt habe, wie wichtig Ausgleich ist, musste ich lernen abzuschalten und das Tagesgeschäft liegen zu lassen.


Wie hast du gelernt zu führen?

vor allem durch Beispiele, bei denen die Führung nicht funktioniert hat. Ich frage mich immer, was ich falsch gemacht habe, wenn es zu Konflikten kommt. In 98 Prozent der Fälle liegt es an den Rahmenbedingungen, Prozessen und der Kommunikation. Ich stelle viele Fragen, reflektiere und analysiere sehr gründlich.


Hast Du einen Mentor bzw. eine Mentorin, mit dem/der du dich austauscht?

Ich denke, dass jede Begegnung Gründer:innen weiterbringt. Wir lernen von positiven und negativen Beispielen. Die besten Mentoren waren diejenigen, mit denen ich die größten Konflikte hatte. Danach ging es immer einen großen Schub nach vorne.


Was hast du für Erfahrungen gemacht, als du vom Arbeitnehmertum ins Unternehmertum “gewechselt” bist?

Ich habe als Arbeitnehmerin schon wie ein:e Unternehmer:in gearbeitet. Ich denke, das hat dann auch zu meinem Entschluss geführt, selber zu gründen. Ich war mit den Handlungsweisen meiner Vorgesetzten nicht mehr einverstanden. Für mich gibt es nur ein „wir“, wenn es um gemeinsame Projekte geht. Letztendlich profitieren doch alle vom Erfolg!


Was war dein größtes Learning?

Alles ist Entwicklung, ob Produkt, Dienstleistung oder das Team. Wir sind immer im Wandel und dabei hilft mir am meisten ein positives Mindset, denn es gibt für mich keine Probleme, sondern nur Herausforderungen. So gelang uns auch der Pivot vom B2C- zum B2B-Geschäft.


Worauf blickst du aus deiner bisherigen Gründungszeit gerne zurück?

Die Spontanität, die man an den Tag legt, wenn der Betrag auf der Unternehmens- Payroll noch nicht so groß ist und wenn einen in der Anfangsphase sehr kreativ ist, um seinen Case zu positionieren. Da hüpft dann schon mal einer im Kängurukostüm auf der Messe rum.


Wer ist dein Vorbild?

Das wechselt häufiger, je nachdem welche Herausforderungen ich habe. Ich lasse mich immer wieder neu inspirieren.


Dein Buch-/Filmtipp für Gründer:innen?

„Hard things about hard things” von Ben Horrowitz oder “Six simple rules how to manage complexity” von Vyes Morieux. Im Moment lese ich “People over profit” von Dale Partridge.


Welchen Tipp würdest du deinem 18-jährigen Ich in Sachen Gründung geben?

Fokussiere dich auf das, was du erreichen möchtest und hol dir die Leute, die das, was du kannst, besser machen. Meditiere mehr und zeig deine Wertschätzung anderen gegenüber, verbringe mehr Zeit mit deinen Lieben.

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Hannah Andresen ist Art Director und Head of Online Content bei STRIVE. Für STRIVE Online interviewt sie Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und spannende Rolemodels. Die Hamburgerin arbeitete zuvor für die Unternehmenskommunikation einer der größten deutschen Werbeagenturen.

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