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Die Spitzenreiterin

Bergsteiger-Pionierin Junko Tabei

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Junko Tabei 1985 am Pik Ismoil Somoni.
Foto: Jaan Künnap, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

von Silvia Ihring

21. März 2021

Disclaimer: Dieser Artikel erschien in unserer 2. Printausgabe in unserer Rubrik "Pionierinnen". Leider kam es zu einem technischen Fehler beim Druck, weshalb der erste Absatz nicht komplett lesbar ist – daher stellen wir euch den Artikel hier nochmal komplett und kostenfrei zur Verfügung.


Als Junko Tabei am Morgen des 4. Mai 1975 aus der Bewusstlosigkeit erwacht, hätte sie allen Grund aufzugeben. Nur wenige Stunden zuvor ist über das Lager ihres Bergsteigerteams, im Camp 2 des Mount Everest auf 6.300 Meter Höhe, eine Lawine hereingebrochen. Sechs Sherpas gelingt es, Tabei aus dem Schnee zu ziehen. Dass sie noch lebt, ist ein Wunder.


Die japanische Bergsteigerin ist damals 35 Jahre alt. Sie hat einen Ehemann und eine zweieinhalbjährige Tochter namens Noriko, ein Zuhause in der Nähe von Tokio. Aber sie hat auch einen Traum: den Gipfel des Mount Everest zu erklimmen. Während sie daliegt, in einem Schlafsack umgeben von Eis und Schnee und unfähig, sich zu bewegen, verdrängt dieser Traum alle Zweifel und Schmerzen. „Als ich wusste, dass alle noch am Leben waren, stand für mich fest, dass es weitergehen musste“, wird sie später über diesen Moment sagen. Drei Tage nach dem Unglück macht sie sich wieder auf den Weg. Am 16. Mai 1975 robbt Tabei auf Händen und Knien auf die Spitze des Mount Everest. Es ist halb eins am Mittag und Tabei die erste Frau, der das jemals gelungen ist.


Zugetraut hatte ihr eine solche Leistung zuerst niemand. Junko Tabei wird am 22. September 1939 in der Provinz Fukushima geboren. Als Kind ist sie so zierlich, dass andere sie als „schwach“ bezeichnen. Dass sie lange Wanderungen durchhalten kann, stellt sie bei einem Schulausflug zu zwei Gipfeln des Nasudake-Gebirges unter Beweis, ihre Liebe für die Berge ist geweckt.


Eine Karriere als „Abenteurerin“ gilt für eine Frau im Japan Mitte des 20. Jahrhunderts jedoch nicht als akzeptabel. Also wird sie Lehrerin, erobert sich einen japanischen Gipfel nach dem anderen quasi nebenbei – auch gemeinsam mit ihrem Mann, selbst ein Bergsteiger, den sie 1965 heiratet.


1969 gründet Tabei Japans ersten Bergsteiger-Club für Frauen. Ihr Slogan: „Lasst uns eine eigene Übersee-Expedition unternehmen.“ Nur ein Jahr später hat die Gruppe ihr Ziel erreicht. Mehrere Frauen machen sich auf den Weg nach Nepal, um den Annapurna III zu besteigen. Als Tabei den Gipfel erklimmt, hat sie den nächsten bereits im Blick: den Mount Everest.


Ihr Mann unterstützt sie in ihrem Vorhaben. Unter einer Bedingung: Vorher soll sie noch ein Kind auf die Welt bringen – für den Fall, dass sie nicht überlebt. Tabei ist im vierten Monat schwanger, als sie die Expedition bei der nepalesischen Regierung anmeldet. Weil ein Fernsehsender und eine Zeitung für die Reisekosten aufkommen, können sie und ihr Team 1975 zum Mount Everest starten. Die Medien wittern eine gute Geschichte, und sie werden nicht enttäuscht: Als Tabeis erfolgreiche Besteigung bekannt wird, feiert man nicht nur die sportliche Leistung, sondern ihre symbolische Bedeutung für Frauen aus aller Welt.


Tabei kommentiert nüchtern, sie sei eben die „36. Person auf dem Mount Everest“. Und macht weiter. Im Jahr 1992 wird sie zur ersten Frau, die die „Seven Summits“, die jeweils höchsten Gipfel der sieben Kontinente, erreicht hat.


2012, Tabei ist 73 Jahre alt, diagnostiziert man bei ihr Magenkrebs. Bis zu ihrem Tod vergehen noch vier Jahre. In denen Tabei, natürlich, weiterklettert.

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