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Meine Schicksalsschläge brachten mir meine wahre Berufung

Mit Willenskraft und Mut lassen sich auch die tiefsten Täler durchschreiten – notfalls mit nur einem Bein

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Foto: andreamuehleck.com

von Christina Wechsel

29. April 2021

Christina Wechsel hat eine bewegende Lebensgeschichte, die zeigt: Mit Willenskraft und Mut lassen sich auch die tiefsten Täler durchschreiten – notfalls mit nur einem Bein. Denn das vermeintliche Ende des Weges kann der Anfang für etwas ganz Neues sein. Wie ihre Schicksalsschläge sie zu ihrer wahren Berufung führten, erklärt sie im Gastbeitrag auf STRIVE Online.


Eine Weltreise – das war eigentlich schon immer mein großer Traum. Und auf diesen arbeitete ich zielstrebig hin. Nach der Schule machte ich eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, ein Berufswunsch, der wahrscheinlich in meinen Genen verankert ist, da mein Vater jahrelang Hotels in verschiedenen Ländern geleitet hat.


Um möglichst viel Geld für meine große Reise zusammenzubekommen, fing ich nach meiner Ausbildung als Rezeptionistin in einem Hotel in Zürich an. Ich liebte diesen Job – nicht nur wegen des tollen Teams, mit dem ich zusammenarbeitete. Durch die Arbeit im Hotel hatte ich immer schon zumindest ein bisschen das Gefühl, mit der großen weiten Welt verbunden zu sein. Der Austausch mit internationalen Gästen, die verschiedenen Sprachen, es war auf eine gewissen Weise wie ein kleiner Vorgeschmack auf meinen Herzenswunsch. Dennoch war mir klar: Sobald ich genug Geld gespart hatte, ging es ein Jahr mit „Work & Travel“ um die Welt. Asien, Australien, Neuseeland – ich konnte es kaum erwarten, endlich in das Flugzeug zu steigen.


Das Leben hatte andere Pläne

Ich steckte schon mitten in der Reiseplanung, als mich eine schlimme Nachricht erreichte. Meine Mutter, zu der ich ein sehr enges Verhältnis hatte, erkrankte an Krebs und starb. Die Reise verschob ich natürlich erst einmal, dennoch stieg ich ein halbes Jahr später ins Flugzeug nach Australien, denn ich wusste, meine Mutter hätte gewollt, dass ich meine Träume verwirkliche. Dort schlug das Schicksal ein zweites Mal zu. Auf dem Weg zum Ayers Rock – dem Uluru, wie die australischen Ureinwohner ihren heiligen Berg nennen – hatten drei Freunde und ich einen schweren Autounfall. Mein guter Freund Ronny starb noch am Unfallort mitten im australischen Outback, ich kämpfte wochenlang auf der Intensivstation in Adelaide um mein Leben. Diesen Kampf gewann ich zwar, aber mir musste mein linker Unterschenkel amputiert werden. Für jemanden wie mich, dem von klein auf an Sport unheimlich wichtig war, war das zunächst ein riesiger Schock. Denn ich fragte mich nicht nur, ob ich jemals wieder laufen würde, sondern wie ich mit Prothese meinen geliebten Sport machen kann.


Mit viel Willenskraft, meinem spirituellen Glauben und der liebevollen Unterstützung von Familie und Freunden kämpfte ich mich Schritt für Schritt zurück ins Leben. Und konnte bald vieles mit Prothese machen – von Schwimmen über Klettern und Tennisspielen bis hin zum Skifahren auf einem Bein. Alles hätte gut sein können, wäre da nicht noch ein Problem: die unerträglichen Phantomschmerzen.


Auf dem Weg zur Heilung durch eine neue Berufung

Gegen meine Phantomschmerzen versuchten die Ärzt:innen jede erdenkliche Methode, doch nichts half. Die Schmerzattacken wurden einfach nicht besser. Da meine Mutter als Heilpraktikerin gearbeitet hatte, beschloss ich, es mit Naturheilmethoden zu versuchen. Und das war es, was mir letztendlich half, meine Phantomschmerzen in den Griff zu bekommen. Ich beschloss, eine Ausbildung als Heilpraktikerin zu machen. Mein Ziel: Auch anderen Betroffenen zu helfen, Schmerzen durch die Kraft der Natur zu lindern und vor allem ganzheitlich zu heilen.


Heute arbeite ich in meiner eigenen Naturheilpraxis in München als Heilpraktikerin und Mentorin und liebe es, meine eigene Geschichte und meine Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen. Das ist auch der Grund, warum ich mich zusätzlich für das so genannte „Pik“-Projekt (Peers im Krankenhaus) engagiere. Dabei unterstützen Menschen mit Amputation frisch Amputierte. Und ich teile meine Geschichte und vor allem meinen Weg zurück ins Leben als Speakerin auf verschiedenen Events. Nachdem mich jahrelang Leute darin bestärkt haben, meine Geschichte aufzuschreiben, ist aktuell mein Buch „Wer Flügel hat, braucht keine Beine“ erschienen.


Ich wünsche mir sehr, dass ich denjenigen, die auch von schweren Schicksalsschlägen durchgerüttelt werden, Mut machen kann. Denn ich habe erkannt, dass es im Leben nicht darauf ankommt, was einem widerfährt, sondern darauf, wie man damit umgeht. Und mir haben die schwersten Situationen in meinem Leben den Schritt in die Selbstständigkeit gebracht – und somit meine wahre Berufung.

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Über die Autorin:

Christina Wechsel ist Heilpraktikerin, Keynote Speakerin und Autorin. Sie hat drei Schicksalsschläge innerhalb eines Jahres durchlebt – seitdem lebt sie ihre Message „Nichts ist unmöglich, wenn wir der Intention unseres Herzens folgen!“. Mit ihrer Geschichte möchte sie Andere ermutigen, ihre Träume im Leben zu verwirklichen – egal was im Leben passiert.

www.christinawechsel.com

Instagram: @christina_change_

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