LIFESTYLE

Dating in 2020

Interview mit Naomi Walkland, Director Marketing EMEA, bumble

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Foto: Naomi Walkland, © Cherrie Birkner

von Nora Weber

12. Januar 2021

Welchen Unterschied macht es, dass Bumble von einer Frau gegründet wurde? Bei Bumble haben die Frauen die Macht darüber, ob ein Date zustande kommt. Ist das eine Art von Empowerment von Frauen oder ein schlichter USP im Produkt?


Bumble wurde gegründet, um ein bestimmtes Problem in romantischen Beziehungen zu lösen. Im Jahr 2014 sah unsere Gründerin Whitney Wolfe Herd, dass viele ihrer klugen und wunderbaren Freundinnen immer noch darauf warteten, dass Männer sie um ein Date baten, nach ihren Nummern fragten oder ein Gespräch begannen. Trotz aller Fortschritte, die Frauen am Arbeitsplatz und in den Korridoren der Macht gemacht hatten, schien die Geschlechterdynamik beim Dating und in romantischen Beziehungen immer noch so veraltet zu sein. Whitneys Idee war es, das auf den Kopf zu stellen. Was wäre, wenn Frauen den ersten Schritt machen und die erste Nachricht senden würden?


Auf Bumble geben Frauen den Ton für die Art von Beziehungen an, die sie wollen - respektvoll, freundlich und gleichberechtigt, indem sie die Kontrolle haben.


Heute hat unsere beliebte App Millionen von NutzerInnen auf der ganzen Welt und ist zu einer Networking Plattform gewachsen durch die Erweiterung mit Bumble Bizz und Bumble BFF für platonische Freundschaften.


Seit 2017 haben die #MeToo- und #TimesUp-Bewegungen sexuelle Belästigung und geschlechtsspezifische Diskriminierung in den Mittelpunkt der kulturellen Konversation gestellt. Bumble setzt sich mehr denn je dafür ein, die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben und der Frauenfeindlichkeit ein Ende zu setzen. Wir tolerieren keine Hassreden oder schlechtes Verhalten jeglicher Art; Bumble ist eine Plattform, die in Freundlichkeit und Respekt verwurzelt ist.


Wie ist der Split zwischen weiblichen und männlichen Nutzern in der App?

Millionen von Menschen haben Bumble heruntergeladen und es gibt jede Woche Tausende von Matches in Deutschland. Wir geben keine Details zu unserer Geschlechterverteilung bekannt, aber wir haben ein gesundes Gleichgewicht, das zu fast einer Milliarde Matches im Jahr 2020 führte.


Wie hat sich die Aktivität auf Bumble seit dem Beginn von COVID-19 verändert?

COVID-19 und die Lockdowns haben die Art und Weise, wie die Deutschen an Dates herangehen, drastisch verändert - sowohl emotional als auch im Praktischen. Während des ersten Lockdowns sahen wir einen großen Anstieg von Videoanrufen in Deutschland. In Abwesenheit von physischen Dates wollten die Menschen sich digital treffen. In Deutschland haben sich die Menschen auf Bumble sehr schnell angepasst: Die Hälfte unserer User (50 %) ist offen für virtuelle Verabredungen und 56 % wollen die Menschen vor einem Treffen digital besser kennenlernen.


Als die Beschränkungen im Sommer aufgehoben wurden, waren die Leute aufgeregt, sich zu verabreden, aber auch wegen der neuen Regeln etwas verunsichert. Wir haben gesehen, dass Menschen Videodates als "Pre-Dates" nutzen, um sich vor einem geplanten Date im realen Leben besser kennen zu lernen. Diese Art des "Slow Datings" führt zu Gesprächen, die sonst erst beim zweiten oder dritten Date stattgefunden hätten, da die Leute versuchen herauszufinden, womit sie sich wohlfühlen, sowohl im echten Leben als auch virtuell.


Was hat der Lockdown und damit die Verschärfung der Situation explizit beim Dating-Verhalten verändert?

Die Menschen nutzen Social Apps wie Bumble, um neue Leute kennenzulernen und wollen dies an einem freundlichen, sicheren und respektvollen Ort tun. Trotz des unbestreitbaren Einflusses von COVID-19 auf das soziale Leben der Menschen, fühlen sich 46 % unserer deutschen NutzerInnen immer noch zuversichtlich, erfolgreich zu daten.

Zum Jahresende wissen wir, dass die Mehrheit der Menschen auf Bumble auf der Suche nach einem Partner ist und in diesem Jahr sind die Menschen bewusster als je zuvor. In unserer aktuellen Umfrage sagte 1 von 2 (50 %) Deutschen auf Bumble, dass die Suche nach einem Partner in diesem Winter für sie noch wichtiger geworden ist. Fast jeder Dritte (32 %) der deutschen Bumble-NutzerInnen gab an, dass ihnen in dieser Zeit klar geworden sei, dass sie etwas Ernsthaftes und Verbindliches für ihr Dating-Leben wollen.


Hat Bumble sein Produkt durch Corona angepasst?

Mehr als je zuvor suchen die Menschen in dieser neuen Welt des Datings nach einer Verbindung mit Menschen, die ihre Werte und Interessen teilen. Bumble war eine der wenigen Dating-Apps, die bereits vor Corona über In-App-Video-Chats und Sprachanrufe verfügte, sodass sich unsere Community sehr schnell an das virtuelle Dating angepasst hat.

Wir sind immer auf der Suche nach den richtigen praktischen und emotionalen Tools und Funktionen, um Menschen zu helfen, tiefergehende Verbindungen herzustellen. Das können Funktionen wie Filter sein, mit denen sie nach Menschen suchen können, die Dinge priorisieren, die Ihnen wichtig sind - Trinkenverhalten und Rauchen, aktiver Lebensstil, Kinderwunsch - oder Sprach- und Videoanrufe in der App, mit denen sie sich sicher kennenlernen können, ohne persönliche Informationen auszutauschen. Seit COVID-19 haben wir auch neue Funktionen hinzugefügt, um Menschen dabei zu helfen, darüber zu sprechen, wie sie sich verabreden wollen und wie sie sich für die mit Spannung erwarteten ersten Dates treffen wollen.


Wie stellt Bumble sicher, auf alle Dating-Trends schnell genug eingehen zu können?

Eine Frage, die ich mir bei meiner Arbeit immer stelle, lautet: "Warum sollte das jemanden interessieren?". Sie gibt mir einen Rahmen, in dem ich beurteilen kann, ob unsere Arbeit bei unseren Nutzer:Innen ankommt. Sie fordert mich herauszufinden, ob wir unsere Nutzer:Innen verstehen. Unsere Marketingaktivitäten sollten immer eine wechselseitige Konversation mit den Menschen sein, die unser Produkt nutzen, sei es über soziale Medien oder ihr Feedback in der App. Auf diese Weise können wir sicherstellen, dass wir Dating-Trends erkennen und ansprechen können, wenn sie auftauchen.


Welche Länderspezifischen Unterschiede im Dating bemerken Sie in den verschiedenen Ländern?

Dating sieht überall auf der Welt anders aus, daher besteht ein Teil meiner Arbeit darin, die "globalen Momente" von Bumble zu lokalisieren. Das bedeutet zu verstehen, wie jede Region Dating wahrnimmt und was es für die Frau dort bedeutet, den ersten Schritt zu machen.

Dating in Deutschland ist pragmatisch, User verstehen Apps als eine Möglichkeit, das auszuschließen, was sie nicht möchten und, als Chance das Dating zu vereinfachen. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass Sicherheit für deutsche Verbraucher an erster Stelle steht, da sie bekanntermaßen ein hohes Maß an Vertrauen brauchen.


Häufig läuft die benötigte Sicherheit der Dating-Plattform in Hinblick auf die Überprüfung der Richtigkeit der Nutzerprofile (Vorbeugen von Fake-Profilen) gegen das Bedürfnis der Kunden nach Privacy. Wie geht Bumble hiermit um?

Die Sicherheit unserer Bumble-Community hatte für uns schon immer Priorität, auch bevor COVID die Art und Weise verändert hat, wie sich Menschen treffen. Die App basiert auf den Prinzipien Freundlichkeit, Respekt und Gleichberechtigung aller NutzerInnen. Jeder ist verantwortlich und es gibt eine Null-Toleranz-Politik für Hass, Aggression oder Mobbing jeglicher Art.


Wir sind eine der wenigen social Apps, die künstliche Intelligenz (KI) einsetzen, um zu überprüfen, ob die UserInnen wirklich die sind, die sie vorgeben zu sein. Wenn man das blaue Häkchen auf dem Profil einer Person sieht, weiß man, dass sie den Fotoverifizierungsprozess von Bumble durchlaufen hat. Wenn die gematchte Person nicht verifiziert ist, kann sie über die App aufgefordert werden, das Profil zu verifizieren. Wenn man sich nach einem Match nicht wohl fühlt, kann man die andere Person einfach blockieren und das Verhalten melden. Diese Berichte werden auch von einer echten Person in unserem Team überprüft.


Warum haben Sie sich 2018 entscheiden zu Bumble zu gehen?

Ich war schon seit einer Weile eine lautstarke Unterstützerin von Bumble - nicht nur, weil ich die ermutigende Botschaft und das Produkt liebe, sondern auch aus einem persönlichen Grund: Ich habe meinen Mann auf Bumble kennengelernt. Ich finde, diese persönliche Erfahrung hilft mir wirklich, die Emotionen unserer UserInnen zu verstehen. Wenn man dieses Einfühlungsvermögen hat, weil man selbst eine Zeit lang Nutzerin war, macht das einen Unterschied, denn Dating ist ein Prozess, indem man sich verletzlich macht.


Ist die Führungskultur eine andere, bei einer weiblichen Gründerin

Bumble ist eine Plattform und Community, die empowernde Verbindungen in der Liebe, im Leben und im Beruf schafft und Verantwortlichkeit, Gleichheit und Freundlichkeit fördert, um Frauenfeindlichkeit zu beenden und archaische Geschlechterrollen neu zu schreiben.

Dieser Fokus spiegelt sich auch in unserem Management-Stil wider. Bumble möchte alle Menschen jeder Hautfarbe, sexuellen Orientierung und Geschlechteridentiät sowie Menschen mit Behinderung und Veteranen befähigen, ihren nächsten Schritt zu machen, eine Karriere aufzubauen und die gläsernen Decken zu durchbrechen.


Bumbeln viele Mitarbeiter selbst?

Es ist Teil unseres Jobs zu verstehen, welche Erfahrungen die Menschen auf Bumble machen. Um vollständig zu verstehen, wie wir Menschen helfen können, eine bessere Dating Erfahrung zu haben, ist es wichtig, dass mein Team Bumble persönlich nutzt, sei es für Dating, das Finden von Freunden über den Bumble BFF-Modus oder das Knüpfen neuer Geschäftskontakte durch Bumble Bizz.


Was ist die verrückteste Dating Geschichte, die Sie seit Ihrer Zeit bei Bumble erlebt haben?

Liebe passiert wirklich, wenn man es am wenigsten erwartet - wie im Jahr 2020. Wir haben von einem Paar aus Großbritannien gehört, das sich auf Bumble kennengelernt hat und zuerst über die gemeinsame Liebe zu Hunden gebondet hat. So weit eine klassische Bumble-Geschichte. Aber aufgrund der Verrücktheit dieses Jahres (Lockdowns) zogen sie nach zwei Wochen des Kennenlernens zusammen und haben seitdem keinen Tag mehr getrennt verbracht. Im September erhielten sie die Nachricht, dass sie mit Drillingen schwanger sind. Die Chance, auf natürlichem Wege Drillinge zu bekommen, liegt bei eins zu 200 Millionen! Ich bin dankbar, dass sie ihre große Liebesgeschichte mit uns teilen und ich Teil eines Unternehmens sein darf, das das Leben der Menschen verändert und Liebe verbreitet. Wir können alle ein bisschen mehr davon gebrauchen, oder?

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Fränzi Kühne

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